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Prozess um Kaffeefahrten-Betrug: „Er konnte toll reden“

Amtsgericht Leipzig Prozess um Kaffeefahrten-Betrug: „Er konnte toll reden“

Immer wieder wird vor dreister Abzocke bei sogenannten Kaffeefahrten gewarnt. Und doch fallen immer wieder vor allem Senioren darauf herein. Wegen gewerbsmäßigen Betruges von 44 Personen aus ganz Deutschland muss sich seit Donnerstag ein ehemals selbstständiger Handelsvertreter aus Cloppenburg in Niedersachsen am Amtsgericht Leipzig verantworten.

Am Amtsgericht Leipzig wird in öffentlicher Verhandlung über Kaffeefahrten-Betrug verhandelt.

Quelle: Patrick Pleul

Leipzig. Immer wieder wird vor dreister Abzocke bei sogenannten Kaffeefahrten gewarnt. Und doch fallen immer wieder vor allem Senioren darauf herein. Wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges von 44 Personen Ende 2012 muss sich seit Donnerstag ein ehemals selbstständiger Handelsvertreter aus Cloppenburg in Niedersachsen, mittlerweile Angestellter, am Amtsgericht Leipzig verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Koch Joseph H. (63) vor, Frauen und Männer im Alter von 55 bis 88 Jahren über den Tisch gezogen zu haben. Der Anklage zufolge beläuft sich der Gesamtschaden auf rund 15 000 Euro. Die Opfer stammen aus ganz Deutschland, darunter auch aus Leipzig und Umgebung.

Laut Oberstaatsanwalt Ralf-Uwe Korth war das Prinzip stets gleich: Per Werbepostsendung wurden die Betroffenen zu diesen Kaffeefahrten eingeladen, meist am Wohnort abgeholt und per Bus zu entfernt gelegenen Orten chauffiert. Angeblich sollten sie kostenlose Reisen erhalten. „Doch der Angeklagte täuschte sie über die wahre Vertragslage“, sagte Korth. Absicht sei es von vornherein gewesen, die Teilnehmer zum – von ihnen unbemerkten – „Abschluss kostenpflichtiger Verträge zu veranlassen“.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Reiseveranstalter City-Travel AG mit Sitz in Zürich, für den der Angeklagte mehrtägige Touren unter anderem nach Wien, Paris oder in den Schwarzwald anbot, gar nicht existiert hat. Joseph H. und Komplizen sollen für die Vermittlung diverse Gebühren sowie sogenannte Reise-Plus-Pakete kassiert haben. Trotz ihrer Reise-Stornierungen hätten die Betroffenen in der Regel keine Rückzahlungen erhalten. Viele wurden um mehrere Hundert Euro, eine 70-jährige Frau aus Magdeburg sogar um 1188 Euro geprellt.

Der Angeklagte wollte sich am Donnerstag vor Gericht nicht selbst zu den Vorwürfen äußern. Einer Erklärung seines Verteidigers Otto Höffmann zufolge hätten jedoch „alle Kunden ihre Bankverbindungen freiwillig angegeben“, sein Mandant habe „nie jemanden gezwungen“, für seine Beratung vor Ort aber je 39 Euro plus 30 Euro für das Reise-Plus-Paket erhalten. Letztgenannten Betrag sollte die City-Travel AG im Falle einer Stornierung zurückzahlen. Als der Geschädigte Bernd T. (70) aus Hoyerswerda bei der angegebenen Firmen-Telefonnummer anrief, weil keine Reiseunterlagen eintrafen, „konnten sie mit meinen Daten allerdings nichts anfangen“, sie hätten nichts damit zu tun. Für drei angeblich kostenlose Reisen hatte er insgesamt 414 Euro Gebühren berappt. „Der Verlust ist schmerzlich. Das war eine Lehre fürs Leben“, so der Witwer vor Gericht. Er unterschrieb damals sofort: „Der Angeklagte konnte toll reden. Und außerdem sagten sie, sonst gilt das Angebot nicht mehr. Ich hatte keine Zeit, die Geschäftsbedingungen durchzulesen.“

Dass aber im Kleingedruckten unter anderem eine Klausel stand, wonach derjenige, der eine Null-Euro-Reise in Anspruch nimmt, ein Ausflugspaket zu 175 Euro buchen muss, weil andernfalls der volle Preis fällig wird, wie der Vorsitzende Richter Peter Weber aus den Akten vorlas, hatte keiner der Zeugen zur Kenntnis genommen. Auch der Geschädigte Jürgen H. (60) nicht. „Das war eine Massenabfertigung in der Sportgaststätte, die Leute haben alle gedrängelt“, schilderte der Magdeburger Fensterbauer. Auf seine Stornierung der drei gebuchten Reisen hatte er nicht mal eine Antwort erhalten. Auch er setzte über 400 Euro in den Sand. Weitere Zeugen will das Gericht am 29. November anhören.

Von Sabine Kreuz

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