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Prozess um Steinwürfe auf Connewitzer Musik-Kneipe – Angeklagter schweigt

Amtsgericht Leipzig Prozess um Steinwürfe auf Connewitzer Musik-Kneipe – Angeklagter schweigt

Das Motiv für den Überfall einer Horde Vermummter auf ihre Musik-Kneipe „Vmax“ in Leipzig-Connewitz kennt die einstige Inhaberin noch immer nicht. „Bis heute habe ich darauf keine Antwort erhalten“, sagte die 30-Jährige am Dienstag als Zeugin am Leipziger Amtsgericht. Mehr als drei Jahre nach Stein- und Flaschenwürfen begann der Prozess.

Das Amtsgericht Leipzig verhandelt den Überfall vom August 2013 auf eine Musik-Kneipe in Connewitz.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Das Motiv für den Überfall einer Horde Vermummter auf ihre Musik-Kneipe „Vmax“ in Connewitz kennt die einstige Inhaberin noch immer nicht. „Bis heute habe ich darauf keine Antwort erhalten“, sagte die 30-Jährige am Dienstag als Zeugin am Leipziger Amtsgericht. Mehr als drei Jahre nach Stein- und Flaschenwürfen sowie einer Schlägerei mit mehreren Verletzten vor der Gaststätte, die bereits seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr existiert, will ein Schöffengericht nun die Hintergründe aufklären. Angeklagt ist der Leipziger Dominic S., der als einziger Verdächtiger damals gefasst werden konnte. Doch der 26-Jährige, als Selbstständiger im Baugewerbe tätig, schwieg am ersten Prozesstag.

Staatsanwalt Christoph Knuhr lastete dem jungen Mann Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung an. In der Nacht zum 25. August 2013 soll sich der Beschuldigte mit mindestens 20 Personen „zusammengerottet und vereinbart“ haben, das „Vmax“ sowie seine Gäste in der Bornaischen Straße gewaltsam zu attackieren. „Sie bewaffneten sich mit Knüppeln und Ästen. Viele der Angreifer waren vermummt“, so der Staatsanwalt. Aufgrund von Flaschen- und Steinwürfen gegen die Fenster und Tür des Lokals gingen einige Scheiben zu Bruch; zumal offenbar auch noch ein Stehtisch und ein Fahrrad als Wurfgeschosse eingesetzt wurden. Ein Angreifer soll zudem ein bengalisches Feuer direkt ins „Vmax“ geworfen haben, das Gäste schnell wieder hinausbeförderten. Einige Besucher, darunter der Leipziger Peter T., sollen Schnitt- und Schürfwunden sowie Prellungen erlitten haben. Der Sachschaden betrug mehrere Tausend Euro. Zum Hintergrund des Gewaltexzesses machte die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift keine Angaben.

Nach Ansicht von Verteidiger Christian Avenarius sei „einseitig und nur in eine Richtung ermittelt worden“. So sei auch nicht geprüft worden, ob nicht die Gewalt zunächst vom „Vmax“ ausgegangen sei, kritisierte der Rechtsanwalt. Die Polizei habe sich in der Tatnacht nur auf die gegenüberliegende Szene-Kneipe „Sanatorium“ konzentriert, sie umstellt und jeden einzelnen durchsucht, meinte Avenarius.

Von dort aus sollen die Täter „wie aus dem Nichts“ aufgetaucht und herübergeschossen sein, berichtete der damals verletzte Peter T. (35) als Zeuge vor Gericht. „Ich lag sofort auf dem Boden, bekam Fußtritte und Faustschläge ab. Mit einem Knüppel wurde mir auf den Kopf geschlagen“, sagte er. „Danach haben wir uns in Vmax zurückgezogen und verbarrikadiert.“ Gerüchten zufolge soll allerdings er der Grund des Überfalls gewesen sein. Nach einem im Internet veröffentlichten Artikel „soll ich ein Nazi sein – angeblich“, sagte er. Peter T. bezeichnete sich vor Gericht jedoch als „unpolitisch“, er sei gegen jede Form von Extremismus. Früher habe er zur antifaschistischen Szene gehört. „Ich war bei fast jeder Demo gegen Nazis dabei.“ Kurz nach dem Überfall hatte er sich gegenüber der Polizei als „SHARP“ benannt. Diese Abkürzung steht für Skinheads gegen rassistische Vorurteile. „Natürlich hatte ich früher Differenzen, seit vielen Jahren bin ich aber ganz ruhig.“ Die Familie, seine Freundin und sein Kind, stünden für ihn im Vordergrund, sagte er. „Ich habe einen Schnitt gemacht.“

Bei der früheren „Vmax“-Inhaberin Kathrin H., die jetzt auf der Insel Rügen lebt und arbeitet, war er unerwünscht. Sie bezeichnete den 35-Jährigen als „alten Punker“. Sie habe ihm gesagt, dass er einen schlechten Ruf habe. „Der überträgt sich auf den Laden, es ist nicht gut fürs Geschäft.“ Nach der Eröffnung im Mai 2013 bestand diese Musik-Kneipe nur gut anderthalb Jahre in Connewitz.

Übrigens hatte die Kneiperin dem Angeklagten damals die Maske vom Gesicht gerissen und ihn festgehalten, bis die Polizei kam. „Ich fragte ihn nach dem Warum, bekam aber keine Antwort.“ Prozessfortsetzung: 22. November.

Von Sabine Kreuz

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