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Lokales Prozess um getöteten Kamal K.: Gericht verurteilt wegen Mordes - Sicherungsverwahrung verhängt
Leipzig Lokales Prozess um getöteten Kamal K.: Gericht verurteilt wegen Mordes - Sicherungsverwahrung verhängt
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15:27 08.07.2011
Der Körper des 33-Jährigen Marcus E. ist nach den Worten des Nebenklagevertreters mit „Symbolen der Neonaziszene übersät“. Quelle: dpa
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Leipzig

Zudem wurde anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Der 29 Jahre alte alkoholkranke Kumpan des Haupttäters wurde zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Während des Prozesses hatte es scharfe Sicherheitsmaßnahmen gegeben.

Das Gericht ging mit dem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, auch bei der Bewertung der brutalen Tat. Staatsanwältin Katrin Minkus hatte zwölf Jahre Haft wegen Totschlags und Sicherungsverwahrung für den Messerstecher gefordert. Sie hielt einen ausländerfeindlichen Hintergrund nicht für erwiesen.

Leipzig. Vier Jahre nach dem rassistischen Mord an Kamal K. in Leipzig rufen verschiedene Initiativen zu einem Gedenkmarsch auf. Die Demonstration am Samstagnachmittag soll sich neben gemeinsamer Erinnerung auch gegen die Bagatellisierung rassistischer Gesinnungen und Straftaten wenden. Der damals 19-jährige war am 25. Oktober 2010 von zwei Neonazis erstochen worden.

Der 33 Jahre alte Haupttäter hatte dem 19-jährigen Iraker im vorigen Oktober ein Klappmesser in den Bauch gerammt. Der zweite Angeklagte hatte zuvor eine Schlägerei angezettelt. Beide Männer hatten zur Tatzeit rund 2,4 Promille Alkohol intus.

Der Vorsitzende Richter, Hans Jagenlauf, sagte in der Urteilsbegründung, die Täter hätten sich in jener Nacht zu einem Kampftrinken getroffen und seien durch die Stadt gezogen, auf der Suche nach einem Opfer. Nach Überzeugung des Gerichts wurde der Iraker ausgewählt, weil er ausländisch aussah, weil er Ausländer war.

Und weil er sich wehrte, habe er sein Leben verwirkt. Über den 33-Jährigen sagte der Vorsitzende Richter, er habe nazistische Inhalte tief verinnerlicht und trage seine Gesinnung deutlich zur Schau. Sein Körper sei über und über tätowiert mit Nazi-Symbolen und -Parolen. Ausländer seien es für ihn nicht wert zu leben. Die Kammer sehe eine Tötungsabsicht und niedere Beweggründe als erwiesen an, weshalb nur eine Verurteilung wegen Mordes infrage komme.

Jagenlauf zeichnete das Bild eines Mannes, der eine schwierige Kindheit in Heimen hatte und der wegen diverser Straftaten bisher mehr Zeit in Gefängnissen als in Freiheit verbrachte. Er unterstrich die Gefährlichkeit des Mannes. „Es kann sein, sollte die Sicherungsverwahrung rechtskräftig werden, dass Sie die Freiheit nicht wiedersehen“, sagte der Vorsitzende Richter. Bei Sicherungsverwahrung bleibt der Verurteilte auf unabsehbare Zeit im Gefängnis.

Der 33-Jährige verfolgte die Ausführungen des Richters sehr aufmerksam, ohne Gefühlsregung. Am Vortag war die Mutter des Opfers bei den Plädoyers zusammengebrochen und musste laut schreiend und weinend aus dem Gerichtssaal geführt werden.

Der Ausländerbeauftragte des Freistaates Sachsen, Martin Gillo, sagte nach der Urteilsverkündung, „für dieses differenzierte Urteil kann man dem Gericht nur Respekt zollen“. Es zeige, dass Straftaten gegen Ausländer in Sachsen mit aller Härte bestraft werden. Der Nebenklagevertreter, Sebastian Scharmer, zeigte sich zufrieden. „Wir wollten, dass die Kammer alle Beweggründe aufklärt. Das hat sie getan und jeden Stein umgedreht.“

dpa

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