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Lokales Prozesse zu Betrugsfall bei der Leipziger Volksbank beginnen
Leipzig Lokales Prozesse zu Betrugsfall bei der Leipziger Volksbank beginnen
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22:00 30.08.2017
Die Kreditgenossenschaft in der Leipziger Schillerstraße will juristisch klären lassen, ob sie für – aus ihrer Sicht – Privatgeschäfte eines früheren Kundenbetreuers einstehen muss.  Quelle: Jens Rometsch
Leipzig

 Am Landgericht beginnt jetzt eine Serie von Zivilprozessen, die Opfer eines Betrügers gegen die Volksbank Leipzig angestrengt haben. Gestern wurde erstmals zum Fall eines Ehepaares verhandelt, das in Leipzig zwei Tankstellen betreibt. Ihr Anwalt Curt-Matthias Engel beantragte, den Prozess gleich wieder auszusetzen – bis das Strafverfahren gegen den Betrüger Denis L. abgeschlossen ist. „Dann könnte er hier als Zeuge gehört werden und die Wahrheit sagen“, meinte er. Richter Arndt Follner zeigte sich dazu eher skeptisch. Er will den Antrag gründlich prüfen und bei einem Verkündungstermin im Oktober dazu Stellung nehmen.

Wie die LVZ exklusiv berichtet hatte, war der Firmenkundenbetreuer Denis L. im März 2016 bei der Volksbank aufgeflogen und postwendend entlassen worden. Zuvor soll er in etwa 20 Fällen Manipulationen vorgenommen haben. „Den Kunden wurde vorgetäuscht, ihr Geld bei der Volksbank anzulegen. Stattdessen wurde es mit hoher krimineller Energie teilweise auf private Konten umgeleitet“, erläuterte Vorstand Andreas Woda seinerzeit.

Alle Kunden, die Opfer dieser Manipulationen wurden, seien unverzüglich entschädigt worden, versicherte jetzt noch einmal Bank-Sprecher Torsten Wünsche. Anders verhalte es sich bei vier Parteien, die nun jeweils einzeln gegen die Volksbank prozessieren, um Schadenersatz zu erhalten. Neben den Tankstellen-Betreibern sind das ein Landwirt, ein Angestellten-Ehepaar und eine alleinerziehende Mutter. Insgesamt hatten sie ihrem Kundenbetreuer 175 000 Euro für Geldanlagen anvertraut. Zum Teil habe er einfach Geld von ihren Konten abgebucht, erzählen sie. Mehrfach habe Denis L. Angebote per SMS verschickt, die etwa so klangen: „Die Volksbank bietet für gute Mitarbeiter an, ein Festgeld bis zu 30 000 Euro für drei Monate anzulegen. Vier Prozent. Da ich das Geld derzeit nicht frei zur Verfügung habe, biete ich das Ihnen an.“

Die Volksbank sehe sich für solche Deals nicht in der Verantwortung, erklärte ihr Sprecher. Der Ex-Mitarbeiter habe „in Ausnahmefällen in seinem eigenen Namen und auf seine eigene Rechnung Geld von Privatpersonen angenommen, zudem ebenfalls in eigenem Namen und auf eigene Rechnung Privatdarlehen gewährt.“ Den Kunden sei bekannt gewesen, dass diese Geschäfte auf privater Ebene getätigt werden, betonte Wünsche. „Für diese Vorgänge liegen deshalb auch keine banküblichen Belege vor.“

Die vier betroffenen Parteien sehen es ganz anders. Sie versichern, sie wären nie darauf gekommen, dass ihnen ihr langjähriger Volksbank-Kundenbetreuer Privatgeschäfte andient. Die ganze Situation ist inzwischen fast paradox. So schmetterte eine Richterin desselben Landgerichts bereits im Juni einen Versuch von Denis L. ab, sich eines der „privaten“ Darlehen über 82 000 Euro von einem Imbiss-Betrieb in Schleußig zurückzuholen. Wenn überhaupt, könne das nur die Volksbank tun. Die zeige aber kein Interesse daran, lautete der Tenor des Urteils.

Die vier geschädigten Parteien würden am liebsten keine Prozesse führen. Sie wünschen sich, dass die Bank für alle Handlungen ihres Ex-Mitarbeiters einsteht, dessen Darlehen einsammelt und den Geschädigten ihr Geld zurückgibt.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen Denis L. noch nicht abgeschlossen. Anwalt Engel kündigte gestern an, es folge wahrscheinlich bald eine Strafanzeige gegen den Bank-Vorstand. Dieser habe Kontrollpflichten, welche das Geldwäschegesetz auferlegt, nicht erfüllt.

Von Jens Rometsch

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