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Lokales Puppenstube statt Tannenbaum – Krippenwelten aus Neapel
Leipzig Lokales Puppenstube statt Tannenbaum – Krippenwelten aus Neapel
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00:29 24.12.2015
Neapolitanische Krippen, sagt Historiker Matthias Wießner, geben einen Einblick in den Alltag des Volkes in der süditalienischen Region um Neapel. Wenn Sie das Foto scannen, sehen Sie noch mehr Unikate der „Krippenwelten“-Ausstellung. Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

Für Süditaliener ist die Neapolitanische Krippe das, was für uns der Tannenbaum ist: Sie darf zu Weihnachten in keinem Wohnzimmer fehlen. Doch im Gegensatz zu unseren Weihnachtskrippen steht die Heilige Familie hier nicht im Mittelpunkt. Einen Einblick in die „Krippenwelten“ aus Neapel gewährt jetzt die gleichnamige Ausstellung des Kunstkraftwerks in Neulindenau.

Zu sehen sind mehr als 30 Krippen, zur Verfügung gestellt von der Associazione Amici del Presepio di Napoli, der Vereinigung der Krippen-Freunde in Neapel. Einige sind nur wenige Zentimeter groß und passen in ein Fabergé-Ei. Andere lassen sich wie ein Bild an die Wand hängen. Manche der handgefertigen Unikate sind allerdings auch mannshoch.

Anhänger dieser Handwerkskunst bezeichnen die Neapolitanische Krippe als die schönste Puppenstube Italiens. Ihre Figuren scheinen zu leben, so realistisch haben die Baumeister Gesichtsausdrücke und Gesten herausgearbeitet. Naturtreue und Perfektion charakterisieren auch die Umgebung, in der die Figuren agieren.

Die Krippen bilden ein Spiegelbild des Alltags der Menschen im barocken Neapel des 18. Jahrhunderts. Genauer gesagt: „Sie zeigen, wie sich der Adel damals das Leben des Volkes vorstellte“, erläutert Historiker Matthias Wießner. Da gibt es Szenen mit wild gestikulierenden Händlern auf der Piazza und Straßenmusikern, die mit brennender Hingabe auf ihren Mandolinen spielen. Eine Spaghetti kochende Bäuerin steht neben den reitenden drei Königen und plaudert mit einer Wäscherin. Ein frecher Bursche greift an einem Wasserverkaufsstand einem Adeligen in die Tasche und stiehlt ihm ein edles Tuch, während zwei feierlustige Männer den Tag mit einem zünftigen Weingelage ausklingen lassen. In manche Darstellungen vom Leben des Volkes ist auch die Geburt des Jesuskindes eingebettet. „Doch wie bei einem Suchbild muss man da zum Teil schon genauer hinschauen, um die Heilige Familie überhaupt zu entdecken“, sagt Wießner.

Es waren zunächst Adelsfamilien, die den Weihnachtsschmuck in Auftrag gaben, der sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer eigenständigen Kunstform entwickelte. Auch wenn die Krippen sehr alt aussehen, handelt es sich doch um zeitgenössische Arbeiten im Stile des 18. und 19. Jahrhunderts, betont der Historiker. Angefertigt wurden sie von Krippenbaumeistern, die ihre Leidenschaft als Hobby ausüben.

Kurator der Neulindenauer Ausstellung ist Bruno Perchiazzi. Er ist Vorsitzender des Vereins der Krippen-Freunde in Neapel, deren mehr als 100 Mitglieder jedes Jahr neue Einzelstücke anfertigen. „Ihre Leidenschaft erinnert an die der Modelleisenbahner“, erzählt Wießner. Denn so wie bei den kleinen Eisenbahnen kommt auch bei den Krippen „jedes Jahr ein neues Detail hinzu“.

Die Figuren sind aus Terrakotta, die Landschaften aus Kork, Accessoires wie Lebensmittel aus Wachs. Die Puppen trugen einst Stoffkleider, die von den Adelsfrauen genäht wurden. Heute sind die Pastori nicht nur kleiner und passen damit in jede noch seine enge Wohnstube, sondern meist auch nur noch angemalt. Es gibt Baumeister, die sich auf die Herstellung der Figuren spezialisiert haben. Sie arbeiten mit Stroh und Draht für den Körper, modellieren Kopf, Hände und Füße aus Keramik. Andere beherrschen meisterhaft die Herstellung der Finimenti, des Zubehörs. Aus Wachs erschaffen sie filigrane Werkzeuge, Gemüse, Fleischwaren, Minitatur-Gefäße und kleine Instrumente, die nicht nur detailgetreu gefertigt, sondern auch gestimmt und spielbar sind.

Die Kunst der neapolitanischen Krippenbauer ist längst weit über Italien hinaus bekannt. Nach Ausstellungen in New York, Dublin und Barcelona wollen sie nun auch die Leipziger bezaubern.

Die Krippenausstellung auf dem Gelände des Kunstkraftwerkes, Saalfelder Straße 8b, ist nur im Rahmen von kostenlosen Führungen zu besichtigen: am 25. Dezember (18 Uhr), 26. und 27. Dezember (jeweils 16 und 18 Uhr) sowie am 2. und 3. Januar (jeweils 16 und 18 Uhr).

Von Klaus Staeubert

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