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Lokales Pute statt Picana - Ein Austauschschüler aus Bolivien erlebt deutsche Weihnachten
Leipzig Lokales Pute statt Picana - Ein Austauschschüler aus Bolivien erlebt deutsche Weihnachten
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23:57 29.12.2009
Leipzig

"Wir haben gebastelt, Stollen gegessen, die Pyramide aufgebaut, Kerzen angezündet", erzählt die Leipziger Wirtschaftsinformatikstudentin.

"Am 24. Dezember hat sich meine Familie bei den Großeltern getroffen und abends beschert. An den anderen Feiertagen folgten weitere Besuche bei Verwandten." Carlos Fazit: "Weihnachten in Deutschland bedeutet noch ein wenig mehr Zusammensein in Familie als bei uns. Und es heißt vor allem essen, essen, essen." Der Elftklässler outet sich als Freund der deutschen Küche - bei Bauers hat er an den Festtagen Weihnachtsfleischsalat, Kartoffelsalat mit Würstchen, Pute und Hirschgulasch verputzt. "Hat alles sehr gut geschmeckt!", betont er. Gestaunt hat er auch über die Geschenke, die Bauers Verwandte dem Gast zudachten. Eine Digitalkamera, um viele Fotos von Leipzig zu machen. Ein Gutschein für einen kleinen Reitkurs, denn in seiner Heimat verbringt Carlos viel Zeit im Sattel und wollte das gern auch in Leipzig versuchen. Zudem bekam er Konzertkarten für "Fettes Brot".

Daheim in Bolivien treffe sich die Familie zwar auch abends am 24. Dezember, doch ganz so viele Tage wie in Deutschland werde Weihnachten dann doch nicht gefeiert, räumt Carlos ein. "Und traditionell gibt es bei uns Picana, eine Suppe mit Schweine- und Rindfleisch, Huhn und Pute. Als Dessert macht meine Mutter eine Weihnachtstorte aus verschieden großen Spekulatiussternen, die - übereinander gestapelt - einem Weihnachtsbaum ähneln", erzählt er. "Vor allem aber habe ich hier zum ersten Mal die Weihnachtszeit, wo bei uns daheim so um die 15 Grad plus herrschen, im Schnee erlebt." Den Sieg bei einer Schneeballschlacht mit seiner Gastmama beansprucht ein jeder der beiden Teilnehmer lachend noch jetzt für sich. Erlebnisse, die Carlos und Stephanie Bauer, welche vor Jahren selbst einmal Austauschschülerin in Costa Rica war, wohl nicht vergessen.

"So wie die Leipziger Bauer-Familie erlebten dieses Jahr rund 800 deutsche Familien ein alle Seiten bereicherndes interkulturelles Weihnachtsfest mit Gastschülern aus aller Welt, die über unsere Jugendaustauschorganisation AFS Interkulturelle Begegnungen ein Schuljahr in Deutschland verbringen", weiß Liane Bauer von AFS. Stephanie Bauer ist mit ihr nicht verwandt, allerdings unterstützt die Leipzigerin die Organisation seit Jahren ehrenamtlich - und ermöglicht somit jungen Menschen wie Carlos, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen. "Als ich im September nach Leipzig kam, konnte ich gerade mal so ,Hallo' und ,Ich heiße so und so' sagen", berichtet der junge Mann, als er zu Wochenbeginn der LVZ immerhin schon dieses kleine Interview gibt. Bislang hatte er unter anderem im Keppler-Gymnasium den Unterricht besucht, ab Montag wird er ins Schumann-Gymnasium wechseln, wo er das Schuljahr im Juni 2010 beenden wird.

Wer sich vorstellen kann, selbst einmal als Gastfamilie zu firmieren, hat laut Liane Bauer jetzt Gelegenheit dazu: Im Februar 2010 kämen wieder Schüler aus der ganzen Welt nach Sachsen. Auch in Leipzig und Umgebung suche AFS noch weltoffene Familien, die einen Jugendlichen für ein Schuljahr bei sich aufnehmen, sagt sie. Bewerben könnten sich Familien, Paare ohne Kinder sowie Alleinerziehende. Einzige Voraussetzung sei das ehrliche Interesse an anderen Menschen, Offenheit gegenüber Neuem - und natürlich ein freies Bett.

Interessenten wenden sich an Gabi Brandt vom AFS-Regionalbüro Ost (Telefon 030 311028615 oder E-Mail regionalbuero-ost@afs.org). Näheres auch unter www.afs.de/gastfamilie. Die deutsche Jugendaustauschorganisation arbeitet gemeinnützig und ist Träger der freien Jugendhilfe. Neben dem Schüleraustausch ermöglicht AFS (ehemals "American Field Service") die Teilnahme an Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich.

Angelika Raulien

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