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Pyramide in Schönefeld wird zum Publikumsmagneten

Tag des offenen Denkmals Pyramide in Schönefeld wird zum Publikumsmagneten

Geheimgänge finden sich in der Grabpyramide in Leipzig-Schönefeld zwar nicht, aber viele Geschichten ranken sich um das außergewöhnliche Bauwerk. Zum Tag des offenen Denkmals lockte es am Sonntag zahlreiche Wissbegierige an.

1883 errichtet – die Grabpyramide in Schönefeld.

Quelle: André Kempner

LEIPZIG. Tausende Leipziger sind am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals tief in die Geschichte eingetaucht. Vielerorts wurde das wissbegierige Publikum unter sachkundiger Führung und dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ mit auf Entdeckungsreise genommen. Bei mehr als 60 Angeboten hatten die Besucher die Qual der Wahl, auch die Grabpyramide in Schönefeld wurde zur Pilgerstätte.

„Geht es hier nach Ägypten?“ fragt Andreas Kramer scherzhaft, als er das Areal hinter der Gedächtniskirche in Schönefeld betritt. Wie der einstigen Hochkultur am Nil entsprungen, steht hier eine Pyramide, die freilich keine letzte Ruhestätte eines Pharaos ist, sondern die der Familien Schneider und von Eberstein. Den Connewitzer Kramer hat wie viele andere die Neugier an diesen Ort getrieben. „Ich bin gespannt, ob es drinnen auch Geheimgänge oder verborgenen Kammern gibt.“ Damit können Volker Heyland und Dirk Heinze, die mit der Historie des rund zehn Meter hohen Bauwerkes bestens vertraut sind, zwar nicht dienen, aber für Spannung ist trotzdem gesorgt. „Wir drehen die Zeit jetzt mal zurück“, sagt Heyland und berichtet von der Genese des Monumentes der pyramidalen Art. Er muss weit ausholen.

Nachdem in den 1850er und 60er Jahren Clara Hedwig von Eberstein die Welt bereist und dabei auch in Ägypten Station gemacht hatte, ließ die Baronesse nicht nur das Schloss Schönefeld errichten, sondern anno 1883 auch die Pyramide als Grabstätte für sich und der im Tode ihr vorangegangen Angehörigen. Aus fast schwarzen Syenit-Blöcken wurde sie nach den Plänen des Architekten Constantin Lipsius geformt. Zwei bronzene Löwen flankierten den Eingang in die Gruft, in die 1900 auch die sterblichen Übereste der Patronatsherrin von Eberstein gebettet wurden. Zu DDR-Zeiten sei das Gelände dann nach und nach verwahrlost und die Pyramide dem Verfall preisgegeben worden, erzählt Heyland. Unter Jugendlichen hätte es als Mutprobe gegolten, von oben aus in die Gruft zu gelangen. „Der Eingang war ja im Jahr 1900 eigentlich für die Ewigkeit zugemauert worden.“ Der Vandalismus machte auch vor den Särgen nicht Halt, acht wurden aufgebrochen und sterbliche Überreste mitgenommen.

„Jetzt wenden wir uns mal einem erfreulicheren Kapitel zu“, sagt Heinze vor versammelter Mannschaft. Als 2008 das Areal der Kirchgemeinde anheim fiel, starteten alsbald Erkundungsarbeiten und 2011 die umfangreiche Sanierung des Monumentes. „Ein aufwändiges und auch deswegen kompliziertes Projekt, weil die Originalpläne nicht mehr auffindbar waren.“ Der Worte sind genug gewechselt. Wie die anderen aus der Besuchergruppe würde auch Christiane Weck aus Wahren jetzt „gern mal rein“. Der Wunsch wird umgehend erfüllt, ein Scheinwerfer leuchtet die mit Ziegeln ausgemauerte kühle Gruft aus. Der Gruselfaktor hält sich in Grenzen, Särge fehlen. Aber gestaunt wird über die Ausmaße des Raumes mit 35 Quadratmetern Grundfläche und acht Metern Höhe. Künftig, so Heinze, sollen hier eine Gedenktafel angebracht und gesicherte sterbliche Überreste wieder gebettet werden. Vorgesehen ist ebenso die Gestaltung des Eingangsbereiches der Pyramide. Und die zwei Bronze-Löwen? „Sie sind verschwunden, die Spur verliert sich zu DDR-Zeiten.“ Vielleicht seien sie für Devisen in den Westen verkauft worden. „Aber das ist nur ein Gerücht“, so Heinze.

 

Von Mario Beck

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