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Lokales Qualm und Kanonen: 204 Jahre Völkerschlacht zu Leipzig
Leipzig Lokales Qualm und Kanonen: 204 Jahre Völkerschlacht zu Leipzig
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13:17 15.10.2017
204 Jahre Völkerschlacht zu Leipzig: Rund 700 Soldatendarsteller imitierten am Sonnabend das große Gefecht. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Hunderte historisch Uniformierte stellen sich Reih und Glied auf dem Mönchereiplatz in Markkleeberg auf. Auf der einen Seite Napoleons Truppen, auf der anderen Seite das Heer der Alliierten. Waffen werden in Position gebracht. Ein erster Knall ertönt. Im Nu ist der Mönchereiplatz mit Nebelwolken überzogen. Schon werden die nächsten Ladungen abgefeuert. „Die Männer stellen die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Schäferei Auenhain nach“, erläutert Gert Pfeifer vom Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813, der die historische Gefechtsdarstellung moderiert. „Verschossen wird nur Schwarzpulver“, ergänzt Ralf Hille, der für die Sicherheit der Nachstellung zuständig ist.

Bei der Völkerschlacht zu Leipzig standen sich im Oktober 1813 bis zu 600 000 Soldaten gegenüber. Die Verbündeten, Österreicher, Preußen, Russen und Schweden, fügten Napoleons Truppen die entscheidende Niederlage zu. Diese zwang ihn zum Rückzug. Tausende Soldaten verloren bei der Schlacht ihr Leben; unzählige wurden schwer verwundet.

204. Jahrestag der Völkerschlacht zu Leipzig: Vereine aus ganz Europa stellen jedes Jahr die Geschehnisse dar.

„An die Schrecken der Völkerschlacht zu erinnern, ist das Hauptziel unserer Veranstaltung. Wir möchten deutlich machen, was Kriege bedeuten“, sagt Michél Kothe, Geschäftsführer des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813. „Damals zogen die Soldaten sehenden Auges ins Verderben hinein. Wir dürfen nicht aufhören, daran zu erinnern. Wir feiern ein friedliches Gedenken. Wir möchten, dass die Besucher mit den Darstellern ins Gespräch kommen und Geschichte besser begreifen“, so Kothe. Während der Gefechtsdarstellung steckt der Leipziger in der Uniform eines preußischen Premierleutnants – im realen Leben bildet Kothe als Pädagoge künftige Erzieher aus. Wie schnell vergessen werden kann, weiß auch Autor Reinhard Münch: „Der Friedensgedanke war nach der Völkerschlacht fast 100 Jahre sehr präsent. Kurz danach kam es zu den verheerenden Weltkriegen.“ Betrachte man die aktuelle politische Lage, sei es umso wichtiger, an die Freundschaft zwischen den Völkern zu appellieren.

Fast wie ein Gegenentwurf zu den Gefechtsnachstellungen auf dem Mönchereiplatz stellt sich das friedliche Dorfleben in Liebertwolkwitz dar. Um Geschichte lebendig werden zu lassen, engagieren sich die Hofgenossenschaft Stiftsgut Liebertwolkwitz und der Interessenverein „Völkerschlacht bei Leipzig 1813“ bereits zum zehnten Mal. Über 400 „Liebwerth-Wolckwitzer“ und befreundete Helfer machen die dreitägige Zeitreise für Beteiligte wie Wolkser erneut unvergesslich. Auf den ersten Blick überwiegt das zivile Dorfleben; auf den zweiten wird das Leid der Wolkser während der Völkerschlacht deutlich. Doch zunächst lassen Mädchen und Jungen eine schöne Kinderzeit aufleben. Sie sausen mit dem Kreisel über den Marktplatz . Singen und spielen „Wir wollen die Merseburger Brücke bauen“ und „Laurentia, liebe Laurentia mein“ oder basteln mit Stroh und Herbstfrüchten.

Geschäftig stellt sich das Markttreiben dar – Gänse werden feilgeboten. Weniger Meter weiter schwingen Bauern die Dreschflegel; in den Höfen demonstrieren Besenbinder, Branntweinbrenner, Leitermacher, Kranzwinderin, Wagner oder Seiler ihr historisches Handwerk. Gestört wird die scheinbare Idylle durch eine Gruppe aufgebrachter Wolkser: Gerichtsverwalter Günther informiert sich über Plünderungen durch Soldaten, begutachtet Kriegsschäden – nur reiche Bauern waren gegen diese versichert.

Ingrid Hildebrandt

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