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Lokales Querelen unter Leipzigs Revolutionserben
Leipzig Lokales Querelen unter Leipzigs Revolutionserben
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18:13 14.06.2017
ReginaSchild  Quelle: Foto: privat
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Leipzig

 
 

Wie jetzt bekannt wurde, wählten die Mitglieder, die sich die lebendige Erinnerung an den Herbst ’89 zur Aufgabe gemacht haben, bereits am Dienstag Michael Kölsch einstimmig zum neuen Kopf ihrer Gruppe. Der 58-Jährige gehört dem Gremium seit dem Tod von Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer vor drei Jahren als Vertreter der Stiftung Friedliche Revolution an, deren Vize-Vorsitzender er ist.

Nach außen bemüht man sich tunlichst, den Wechsel als normalen demokratischen Vorgang hinzustellen. Doch das Verhältnis zwischen einigen Mitgliedern gilt seit Längerem als schwierig. Zuletzt schaltete die Gruppe mit dem pensionierten Pfarrer Rolf-Michael Turek sogar einen externen Moderator ein, um die Differenzen zu schlichten und die künftige Rolle der Initiative zu definieren. Wie tief die Gräben sind, zeigt auch dies: Im Falle eines Sprecherwechsels, so sieht es die Geschäftsordnung vor, „soll der bisherige Sprecher für die nächste Amtszeit die Funktion des Stellvertreters wahrnehmen“. Hollitzer kandidierte am Dienstag zwar für den Vize-Posten, doch die Mehrheit wählte Regina Schild von der Leipziger Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen.

Tobias Hollitzer, DDR-Bürgerrechtler und einflussreicher Zeitzeuge Herbst ’89, war seit 2014 Sprecher der Initiativgruppe. Seine Amtszeit sollte noch bis Ende 2017 laufen. Mit seinem vorzeitigen Rückzug wollte er nach eigenen Worten den Weg für einen personellen Neustart freimachen. Denn die Auseinandersetzung über die Nutzung des Kinosaals in der Runden Ecke zwischen der Stasi-Gedenkstätte und dem benachbarten Schulmuseum, die im vorigen Jahre eskalierte, strahlte auch auf die Initiativgruppe aus. Der gehört nicht nur Hollitzer an, sondern auch der Leiter des Schulmuseums, Thomas Töpfer. „Ich habe das immer rausgehalten“, versichert Hollitzer, „doch das war von anderen reingetragen worden.“ Seit Jahren wird in dem Kinosaal eine Ausstellung zur Friedlichen Revolution gezeigt. Das Schulmuseum wollte 2016 mit einer Wanderausstellung über Muslime in Deutschland die Räumung des Saals erzwingen (die LVZ berichtete). Hollitzer wehrte sich. Daraufhin verfasste der Beirat des Schulmuseums einen offenen Brief, in dem er Hollitzer vorwarf, die Friedliche Revolution „als Deckmantel“ zu instrumentalisieren. Unterzeichnet wurde der Brief unter anderem von Ulrich Brieler, der beim Oberbürgermeister angestellt ist.

Hollitzers Nachfolger richtet den Blick nun nach vorn, er sieht seine Rolle vor allem als Moderator. „Ich beabsichtige, ein konstruktives und vertrauensvolles Arbeitsklima zu schaffen“, sagt Kölsch. Die Querelen von gestern will er überwinden helfen. „Die 89er Protagonisten sind für unsere Stadt eminent wichtig – gerade in Zeiten, in denen Rechtspopulisten und Europagegner versuchen, den Ton anzugeben.“

Der Initiativgruppe gehören Leipziger Bürger, Organisationen, Institutionen, Museen und andere Einrichtungen an, welche einen direkten Bezug zum Herbst 1989 haben. Zurzeit hat sie 17 Mitglieder.

Von Klaus Staeubert

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