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Lokales Quo vadis, Leipziger Lichtfest? – Debatte hält an
Leipzig Lokales Quo vadis, Leipziger Lichtfest? – Debatte hält an
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09:00 31.01.2018
Tausende Bürger kamen zum Lichtfest 2017 auf den Augustusplatz in Leipzig. Bürger zünden mit Kerzen eine 89 als Symbol. OBM Burkhard Jung und Adam Przeminski stellen Kerzen auf.   Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Das Lichtfest 2019 – am 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution – soll wieder größer werden. Die Stadt schreibt einen künstlerischen Wettbewerb aus, will auch die Freie Szene integrieren. Für den 9. Oktober 2018 bereitet die Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH eine Veranstaltung unter dem Motto „ich. die. wir.“ vor. Doch um die Ausrichtung ist ein Streit entbrannt, nachdem Bürgerrechtler Uwe Schwabe seine Mitarbeit in der „Initiativgruppe Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ aufgekündigt hat (die LVZ berichtete). Sein Vorwurf: „Das Lichtfest wird schlechter und belangloser.“

„Der Einfluss der Initiativgruppe ist bei nahe Null gelandet“, bestätigt auch Bürgerrechtler Rolf Sprink, früherer Leiter der Volkshochschule. LTM als Ausrichter habe die Veranstaltung „monopolisiert“. Dennoch habe ihn der Brief Schwabes tief getroffen. „Ich kenne und schätze ihn als ehrliche Haut. Seine Stimme hat Gewicht. Mit dem Vorwurf, in der Initiativgruppe hätte es Indiskretionen und Machtspiele gegeben, kann ich ihn aber nicht entlassen.“ Da müsse er Klartext reden. Deshalb ärgere ihn schon, dass sich der langjährige Mitstreiter „seitwärts in die Büsche schlägt“. Anders als Schwabe habe er aber weniger inhaltliche Probleme mit der Ausrichtung: „Das Lichtfest hat die Aufgabe, den aktuellen Bezug der Friedlichen Revolution 1989 zum Heute darzustellen.“ Das sei, abgesehen von einigen Fehlgriffen wie beispielsweise dem Auftritt des später wegen der WM-Affäre zurückgetretenen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach 2015, insgesamt „nicht schlecht gelungen“. „Zu fragen, was ’89 mit Demokratie und Gerechtigkeit heute zu tun hat, halte ich für absolut legitim.“ Denn so werde es keine „Nostalgie-Veranstaltung“.

Lichtfest ein Tourismusevent?

Rainer Eckert, früherer Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums und einst selbst Sprecher der Initiativgruppe 9. Oktober, bedauert den Rückzug von Schwabe, der „wie kaum jemand in Leipzig die Geschichte der antikommunistischen Opposition in der Stadt und die Friedliche Revolution“ verkörperte. Das Problem liege bei der LTM. „Unter dem Mantel künstlerischer Freiheit entwickelte sich das Lichtfest zu einem Tourismusevent“, sagt Eckert. Als peinlich empfand er, als ein Schauspieler aus einer Mülltonne kroch und über die Zustände im vereinten Deutschland klagte, Fußballgrößen ohne Bezug zum Ereignis auf der Bühne präsentiert, Bürgerrechtler stattdessen ignoriert wurden. „Mit den historischen Botschaften hatte es kaum noch etwas zu tun, und die Menschen auf dem Augustusplatz verstanden nicht mehr, worum es ging.“ Doch Kritik daran, so Eckert, sei unerwünscht. Der Veranstalter LTM gab 2017 die Zahl der Besucher noch mit 15 000 an.

Roman Schulz, Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung, hofft, dass das Ausscheiden von Uwe Schwabe „als Warnsignal verstanden wird“. Die Initiativgruppe befinde sich auf dem Weg zu einem „institutionalisierten Ämternetzwerk“, die Akteure der Zivilgesellschaft vom Herbst ’89 würden „rapide an Bedeutung sowie Gewicht verlieren“. Die von Schwabe angeregten Schulveranstaltungen mit Zeitzeugen belegten, wie wichtig die Stimmen der Friedlichen Revolution sind.

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) hält die Auseinandersetzungen für einen recht „typischen Vorgang für die Aufarbeitung“. Das Lichtfest bewege sich im Spannungsfeld aller, die 1989 authentisch auf dem Ring dabei waren, und jenen, die sich bemühen, die Ereignisse nachfolgenden Generationen zu vermitteln und dabei natürlich auch auf aktuelle Ereignisse in Europa und der Welt blicken. „Vielleicht sollten wir dazu übergehen, dies auszuhalten und nach vorn zu denken.“ Derzeit laufen im Rathaus die ersten Vorbereitungen für das Lichtfest 2019. „Ich hoffe, dass wir dem Stadtrat noch im ersten Quartal einen Vorschlag vorlegen können.“

Von Mathias Orbeck und Klaus Staeubert

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