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Lokales Rätselhafter Tunnel unter Leipzig-Schleußig offenbar aus der Gründerzeit – Zustand unklar
Leipzig Lokales Rätselhafter Tunnel unter Leipzig-Schleußig offenbar aus der Gründerzeit – Zustand unklar
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14:56 19.03.2015
Direkt unter den Straßenbahnschienen entdeckten die Bauarbeiter einen bisher völlig unbekannten Tunnel. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Wohin der historische Tunnel führt, in welchem Gesamtzustand die zum Teil mit Schutt verfüllten Hohlräume sind, liegt derzeit buchstäblich aber noch im Dunkeln. Für die Anwohner der „Kö“ bedeutet der rätselhafte Fund in der kommenden Woche zumindest nächtliche Arbeiten vor den Fenstern.

„Der Tunnel könnte ursprünglich einmal zur Entlastung der Hauptsammler angelegt worden sein, genau wissen wir das aber nicht, denn es gibt in unseren Archiven keinerlei Aufzeichnungen darüber“, sagte Christoph Bock, Abteilungsleiter Straßenbau des Verkehrs- und Tiefbauamtes (VTA), am Donnerstag gegenüber LVZ-Online. Auch bei den Kommunalen Wasserwerken (KWL) hebt man diesbezüglich nur die Schultern: „Wir haben dazu keinerlei Unterlagen gefunden, auch eine Befragung der alten Hasen im Unternehmen hat nichts gebracht“, so Sprecherin Katja Gläß.

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Leipzig. Die Großbaustelle Könneritzstraße im Stadtteil Leipzig-Schleußig birgt ungeahnte Risiken. Die Magistrale ist für Autos von Süden in Richtung Innenstadt gesperrt. Doch der Schleichverkehr bahnt sich seinen Weg – direkt an der Grundschule am Auwald vorbei. Eltern sehen ihre Kinder in Gefahr. Die Grünen-Fraktion im Stadtrat schlägt Alarm.

Schäden durch Bombardierung – Schutt als Füllmaterial

Die Experten können deshalb bisher nur Vermutungen anstellen: „Wir denken, dass der Tunnel in Zeiten der Erschließung des Stadtteils zwischen 1870 und 1880 angelegt worden ist“, so die KWL-Sprecherin weiter. Wahrscheinlich durch die Bombardierung der Industriegebiete in Schleußig und Plagwitz während des Zweiten Weltkriegs könnte der unterirdische Kanal teilweise zerstört und später stillgelegt worden sein. Die nach bisherigen Erkenntnissen vor allem in der südlichen Hälfte der Könneritzstraße gefundenen Überreste seien offenbar mit dem Schutt der damals zerstörten Industrieanlagen verfüllt worden.

Wie weit der Tunnel tatsächlich noch geht und ob das Gemäuer ausreichend verschlossen ist, das sollen nun kommunale Erkundungstouren mit Hilfe von Kameras herausfinden. „Wir hatten praktisch zwei Möglichkeiten, wie wir mit diesem Fund umgehen: Entweder, wir bauen die Gleise vollständig zurück und schauen was darunter ist – das wäre allerdings sehr aufwändig und hätte den Straßenbahnbetrieb für längere Zeit unterbrochen. Deshalb wollen wir uns stattdessen nur punktuell ein Bild verschaffen, welche Ausdehnung der Tunnel hat und ob er wirklich vollständig stillgelegt wurde“, so VTA-Experte Bock. Anschließend sollen die möglicherweise noch nicht verschlossene Fragmente gesichert werden.

Weil hinüberfahrende Straßenbahnen bei den Arbeiten hinderlich sind, müsse in der Zeit von Montag 23. März bis Samstag 28. März auf der Großbaustelle auch in der Nacht gearbeitet werden, heißt es aus dem Neuen Rathaus. Die Bauarbeiter wollen die Lärmbelastungen für die Schleußiger dabei so gering wie möglich halten, ganz auszuschließen seien Störungen der Nachtruhe aber nicht. Christoph Bock geht davon aus, dass das Problem des unbekannten Tunnels in dieser Zeit behoben und die bisher für 3,5 Millionen Euro veranschlagte Komplettsanierung der Könneritzstraße anschließend fortgeführt werden kann.

Matthias Puppe

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