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Ralf Berger wird Direktor der Sächsischen Bildungsagentur

Schule in Leipzig Ralf Berger wird Direktor der Sächsischen Bildungsagentur

Zehn Jahre steht er der Regionalstelle Leipzig als Chef vor. Vom 1. Februar an übernimmt Ralf Berger (54) als Direktor die Leitung der Bildungsagentur, zu der die Außenstellen Leipzig, Dresden, Chemnitz und Bautzen-Zwickau gehören. Im Interview blickt er auf seine Leipziger Zeit zurück.

Ralf Berger wird ab 1. Februar Direktor der Sächsischen Bildungsagentur.

Quelle: Kempner

Leipzig. Zehn Jahre steht er der Regionalstelle Leipzig als Chef vor. Vom 1. Februar an übernimmt Ralf Berger (54) als Direktor die Leitung der Bildungsagentur, zu der die Außenstellen Leipzig, Dresden, Chemnitz und Bautzen-Zwickau gehören. Im Interview blickt der Diplomlehrer Physik/ Mathematik, der einst die Mittelschule Torgau Nord-West und seit 2007 die Leipziger Bildungsagentur leitet, auf seine Leipziger Zeit zurück.

Die Leipziger Schullandschaft war in den vergangenen zehn Jahren von Höhen und Tiefen geprägt. Worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz ist sicherlich der falsche Begriff. In der Stadt Leipzig und den beiden Landkreisen gibt es eine gute Vernetzung aller Akteure, die mit Schule und schulischer Bildung zu tun haben. Die Kommunikation zwischen den Partnern wie Schulträgern bis hin zur Polizei funktioniert, auch bei unterschiedlichen Meinungen. Das ist ein großer Vorteil unserer Region. Und dazu habe ich beigetragen.

Viele Eltern empfinden Schule so: Für ihre Kinder gibt es zu wenig Räume, es gibt zu wenig Lehrer...

...dies versuchen wir, gemeinsam mit Partnern wie der Stadt Leipzig zu lösen. Wir wollen gute Schule machen, dazu gehört die materiell-technische Ausstattung. Da hat die Stadt Hausaufgaben zu machen. Und eine vernünftige Lehrerversorgung, da müssen wir Hausaufgaben erledigen. Wir haben aber nie eine Vorwurfskultur praktiziert und uns gegenseitig den schwarzen Peter zugeschoben. Wir sitzen im selben Boot, zumal gerade in Leipzig die Herausforderungen durch die wachsende Schülerzahl enorm sind. Das habe ich unterschätzt, das gebe ich zu. 2000 mussten wir noch Schulen schließen, weil zu wenig Schüler da waren. Dass das Wachstum in Leipzig so enorm wird, hätte ich nicht erwartet.

Wie schätzen Sie die Situation in Leipziger Schulen ein?

Die Situation ist angespannt, in allen Schularten. Besonders in Grundschulen, die ja an Schulbezirke gebunden sind. Jedes Kind hat eine Klasse, vor der auch ein Lehrer steht. Die räumlichen Bedingungen sind allerdings nicht ideal. Da brauchen wir deutlich mehr Unterrichtsräume. Ich kann aber nicht in die Glaskugel schauen, wie sich die Situation mit den veränderten Bildungsempfehlungen entwickelt. Die Eltern entscheiden, ob ihr Kind aufs Gymnasium oder die Oberschule kommt. In engem Schulterschluss mit der Stadt Leipzig stellen wir uns darauf ein. Ich weiß aber, dass die Herausforderungen sehr viel größer sind als in den Vorjahren.

Ihr Part ist es, für zusätzliche Lehrer zu sorgen. Wann kommen die?

Wir sind dabei, weit über 200 Lehrer für den Bereich der Bildungsagentur Leipzig einzustellen, die nach den Winterferien zur Verfügung stehen. Die Bewerberlage war gut. Deshalb greifen wir in Leipzig jetzt auf weniger Seiteneinsteiger als noch im vergangenen Sommer zurück. Allerdings können wir nicht alle Pädagogen in ihrer Schulart einsetzen, da der Schwerpunkt bei der Ausbildung fürs Lehramt beim Gymnasium liegt. Es gibt jedoch Gymnasiallehrer, die sich bereiterklären, an der Oberschule oder der Grundschule zu arbeiten. Das hilft uns sehr, die Probleme zu lösen. Seiteneinsteiger beschäftigen wir vorrangig in Oberschulen in Fächern wie Physik, Chemie oder Biologie, wo es zu wenig ausgebildete Pädagogen gibt.

Sie haben mit Seiteneinsteigern Erfahrungen gesammelt. Wie funktionieren Sie im Schulalltag?

Sehr unterschiedlich. Es gibt welche, die in der ersten Woche scheitern. Deshalb mussten wir uns in der Probezeit auch von einigen trennen. Es gibt aber auch viele Seiteneinsteiger, die hervorragend angenommen und Superlehrer werden. Vieles hängt auch von der Willkommenskultur in den Schulen ab. Wir haben ein Mentorensystem eingeführt und bieten vor der Einstellung ab Januar oder März Fortbildungskurse an. Ziel ist es, dass die Seiteneinsteiger alle Lehrer werden, ob nun über ein berufsbegleitendes Referendariat oder ein Studium an der Uni. Das größte Problem bleibt die Lehrerversorgung an der Oberschule, weil die wenigsten das Lehramt studieren oder weil Fächerkombinationen wie Mathe, Bio oder Physik fehlen.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Die Universitäten stellen sich auf die Situation ein, obwohl diese autonom sind und wir sie zu nichts zwingen können. Bis die Ausbildung beendet ist, vergehen aber fünf Jahre. Ein wichtiger Schritt ist nun, dass alle Oberschullehrer, die die Voraussetzungen erfüllen, besser eingruppiert werden und die gleiche Bezahlung wie an Gymnasien bekommen. Bei Neueinsteigern machen wir das gleich, die anderen werden in den nächsten Wochen rückwirkend zum 1. Januar 2017 höher eingruppiert. Das macht es leichter, dass auch einige Gymnasiallehrer, die keine Stelle bekommen, an die Oberschule gehen.

Am Gymnasium fehlen also keine Lehrer mehr?

Rein quantitativ gibt es genügend Lehrer. Was fehlt, sind aber bestimmte Fächerkombinationen wie Mathe, Chemie oder Physik, die dringend gebraucht werden.

Was ist für Sie künftig die größte Herausforderung?

Qualifizierte und gut motivierte Lehrer für alle Fächer zu finden sowie den Lehrerberuf generell aufzuwerten. Wie werden denn Lehrer in der Öffentlichkeit geschätzt? Oft werden sie zum Prügelknaben der Gesellschaft abgestempelt. Das muss sich ändern. Die Qualität des Unterrichts in Sachsen ist gut. Die meisten Lehrer machen einen sehr guten oder guten Job. Das muss endlich anerkannt werden.

 

Von Mathias Orbeck

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