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Lokales Rasenkünstler lässt „Gott mit uns“ ins Gras am Leipziger Völkerschlachtdenkmal schneiden
Leipzig Lokales Rasenkünstler lässt „Gott mit uns“ ins Gras am Leipziger Völkerschlachtdenkmal schneiden
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13:54 17.06.2013
Rasenkünstler Ralf Witthaus (m.) am Montag mit seinem Team am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

„Der Satz ist ja schon mitten auf dem Völkerschlachtdenkmal zu lesen und wir werden ihn in den Sprachen der Länder, die an der Schlacht beteiligt waren, auf den Rasen bringen“, so Witthaus. Bis zum Freitag sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Danach ist das Kunstwerk etwa drei Wochen lang zu sehen, ehe die Halme wieder nachgewachsen sind.

Der Satz „Gott mit uns“ war einstmals Wahlspruch der preußischen Monarchie und später auch der deutschen Wehrmacht. Witthaus verwendet ihn nun auch, „weil sich Gott schlecht vereinnahmen lässt.“ Zudem könne das Monument mit der Übersetzung pazifistische Züge hinzugewinnen, so der Künstler. „Man muss sich fragen: Was bedeutet das Denkmal im Kontext von 1813 und 1913. Es wurde ja quasi in der Vorstunde zum Ersten Weltkrieg erbaut, hat somit auch viel mit Heldenverehrung und Kriegsvorbereitungen zu tun. Wenn wir den Satz nun in allen Sprachen aufnehmen, wird das anders, kann es auch als Friedensdenkmal gesehen werden“, glaubt der 39-Jährige.

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Um seine Botschaft auf dem Grün zu vermitteln, reicht Witthaus die Sense. „Wir arbeiten ohne Chemikalien. Wir nehmen den Rasen aber zum Teil bis zur Grasnarbe weg und erhalten so einen starken Grün-Braun-Kontrast“, erklärt er die Vorgehensweise. Dabei gehöre schon der Prozess des Schneidens zum Kunstwerk dazu: Sein Team ackert im schwarzen Anzug, mit handelsüblicher Sense und verwandelt die Flächen links und rechts des Wasserbeckens so öffentlichwirksam in eine Rasenbaustelle. „Wir haben hier auch Schrägen mit etwa 35 Grad Neigung, das wird schon sehr anspruchsvoll“, so Witthaus.

Rasenzeichnung am Schloss in Münster, 2004. Quelle: Ralf Witthaus

Vor dem Projekt am Völkerschlachtdenkmal war der nordrhein-westfälische Künstler schon mehrfach in der Messestadt tätig. Vor zwei Jahren ließ Witthaus beispielsweise zusätzliche Wege in das Grün am Bildermuseum schneiden, 2008 entstand auf dem Rasen des Richard-Wagner-Hains ein imaginäres Festspielhaus für den umstrittenen Komponisten. „Immer wenn ich in Leipzig war, wollte ich mir das Völkerschlachtdenkmal anschauen – denn ich kannte es schon von einem Briefmarkenbild aus meiner Kindheit“, so der Künstler. Irgendwann stand er dann tatsächlich davor und war ob der Dimension des Monuments beeindruckt: „Das Denkmal lässt den Einzelnen sehr klein erscheinen. Auch das wollte ich hinterfragen“, so Witthaus.

Der gebürtige Bad Oeynhausener realisiert seine Rasenkunst seit 15 Jahren überall in der Republik. Aufsehen erregte etwa die umfangreiche Bundesrasenschau im Oktober 2012 in Köln oder ein fiktives Bohrloch, dass er im ostwestfälischen Löhne und auf der anderen Seite der Erde, in Neuseeland, auf die Rasenflächen brachte.

Matthias Puppe

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