Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Rauchfahne zog von Kanada bis nach Leipzig
Leipzig Lokales Rauchfahne zog von Kanada bis nach Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:52 28.04.2018
Das Tropos-Institut an der Permoserstraße mit seiner Lichtradar-Kuppel. Quelle: André Kempner
Anzeige
LEIPZIG

Rauchfahnen von massiven Waldbränden in Kanada sind im letzten Jahr sogar bis nach Leipzig vorgedrungen, hatten über der Messestadt eine Dicke von bis zu zwei Kilometern und schluckten in den Tagen ihrer maximalen Stärke rund die Hälfte des Sonnenlichtes. Experten des hiesigen Leibniz-Institutes für Troposphärenforschung (Tropos), das im Wissenschaftspark an der Permoserstraße seinen Sitz hat, stellten jetzt auf einer internationalen Konferenz ihre Untersuchungsergebnisse zur Drift der Rußpartikel über den Atlantik vor. Mit einen Netzwerk von Lichtradar-geräten (Lidar) und Sonnenphotometern wurde das Geschehen großräumig verfolgt, hinzu kamen Satellitenaufnahmen.

Die Auswirkungen der verheerenden Brände in der kanadischen Provinz British Columbia übertrafen in Europa sogar die des Pinatubo-Vulkanausbruchs von 1991. Damals waren von dem Feuerberg auf den Philippinen riesige Staubteppiche um die Welt gezogen und hatten auch hierzulande die Atmosphäre eingetrübt.

Die Fachleute vom Tropos-Team für Fernerkundung schilderten bei der Tagung auch, wie die Teilchen aus den Rauchsäulen der Waldbrände in Nordamerika über viele tausend Kilometer transportiert wurden. „Zunächst bildeten sich Feuerwolken, die weit aufstiegen und wie ein Staubsauger Material aus den unteren Schichten nach oben zogen“, erklärte Tropos-Arbeitsgruppenleiter Albert Ansmann. Dort wurde es gefriergetrocknet und ging in der Stratosphäre auf die große Reise. Anders als in tiefer liegenden Abschnitten der Lufthülle gibt es hoch droben keinen Auswaschungseffekt durch Regen mehr und freie Fahrt für die Partikelschwaden. „Wir sondieren seit rund 25 Jahren die Atmosphäre mit Lidar-Geräten. Aber nie zuvor haben wir eine derart starke und langhaltende Staubfahne wie die aus Kanada im August 2017 in der Stratosphäre über Leipzig gemessen“, berichtete Holger Baars vom Tropos.

In 14 bis 16 Kilometern Höhe erreichte die Partikelkonzentration dabei rund 100 Mikrogramm pro Kubikmeter, am Boden würde das einer Überschreitung des PM10-Grenzwertes für Feinstaub um das Doppelte entsprechen. Aber das Material blieb, wo es war – in der Stratosphäre – und beschränkte sich auf die erhebliche Dämpfung des Sonnenlichtes in Leipzig. Für das gleiche Phänomen sorgt auch der regelmäßig die Region überquerende Saharastaub. Der Himmel über Leipzig ist dann milchig-blau gefärbt.

Von MARIO BECK

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weniger Handelsvolumen, weniger Umsatz – und trotzdem zum Weltmarktführer aufsteigen. Dieses Kunststück ist der Leipziger Strombörse EEX gelungen. Das sorgt auch für neue Jobs in Leipzig.

25.04.2018

Leipzigs Liberale fordern schnelle Klarheit und einen geordneten Übergang für den Chefsessel im Rathaus.

25.04.2018

Das eigene Fahrrad am Leipziger Hauptbahnhof sicher abstellen – das könnte künftig mit einer bewachten Fahrradstation funktionieren. Die Stadt verhandelt mit der Bahn und einem möglichen Betreiber.

25.04.2018
Anzeige