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Raus aus der Grauzone: Global Space Odyssey kämpft für Sommerpartys am Lindenauer Hafen

Raus aus der Grauzone: Global Space Odyssey kämpft für Sommerpartys am Lindenauer Hafen

„Früher hat man die Anlage auf die Wiese gestellt und Party gemacht“, sagt Frank Ulrich, Sprecher des Leipziger Kultur-Netzwerks „Global Space Odyssey“.

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Der Lindenauer Hafen ist im Gespräch als Areal für nichtkommerzielle Sommer-Kultur-Events.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Heute verbreiten sich solche Nachrichten übers Internet. „Da kommen leicht mal 1000 Leute zusammen“. Deshalb wollen Veranstalter und Stadt die Partys aus der legalen Grauzone holen. Ein offizielles Party-Gelände wird gesucht. Doch damit tut Leipzig sich schwer.

Gut drei Jahre zieht sich die Suche nach geeigneten Orten für nichtkommerzielle Tanz-Partys unter freiem Himmel hin. 2010 legte die Global Space Odyssey (GSO) - bekannt durch bunte Protestzüge wie gegen die GEMA-Gebühren - der Stadt ein Konzept für die Selbstverwaltung von Freiflächen für Kulturevents vor.

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Leipzig. Bei der Suche nach Freiflächen für nichtkommerzielle Open-Air-Partys in Leipzig zeichnet sich keine Lösung ab. Am Mittwoch appellierte Linke-Abgeordente Juliane Nagel zunächst an die Stadträte, sich zu den oft spontanen Tanz-Partys "als Ausdrucksform im kulturellen Leben unserer Stadt" zu bekennen. Doch nach einer flammenden Rede zog Nagel ihren Antrag wieder zurück.

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Mehr als 20 Vorschläge hat das Rathaus geprüft, darunter so beliebte Feier-Orte wie der Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken, den Clara-Zetkin-Park, das Jahrtausendfeld in Plagwitz oder das Naturbad Südwest. Fast alle wurden verworfen: Landschaftsschutz, nahe Wohnbebauung, Aus. Die Global Space Odyssey kämpft nun für eine abgespeckte Variante des Freiflächenkonzepts: Wenigstens für Tagesveranstaltungen sollen bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Klare Regeln für Stadt und Party-Veranstalter

Die GSO will eine einfache Genehmigungspraxis für nichtkommerzielle Kulturveranstaltungen. Gleichzeitig sollen Regeln her, an die sich Party-Ausrichter halten: „Der Müll muss weggeräumt werden, und vereinbarte Zeiten muss man einhalten“, nennt Ulrich als Eckpunkte. Als Silberstreif am Horizont taucht das Gelände Lindenauer Hafen auf. Die Stadt hat in einer Stellungnahme fünf Tages-Events pro Jahr als „denkbar“ eingestuft.

„Das ist ein greifbares Ziel“, sagt Juliane Nagel von den Linken im Stadtrat. Sie sieht ein Gelände in Kleinzschocher, nahe der Diezmannstraße und dem alten Bahngelände Plagwitz, noch im Rennen für Partys unterm Sternenhimmel. Als neue Vorschläge will Nagel auch die Nonnenwiese in Schleußig, das Rosental und das Gebiet am Silbersee, „weit genug weg von der Wohnbebauung“, ins Spiel bringen. „Die Linke“ hofft auf ein Stadtratsvotum im März für die Zusammenarbeit von GSO und Verwaltung – damit mindestens eine Open-Air-Fläche tatsächlich eingerichtet wird.

Die Global Space Odyssey arbeitet derweil daran, als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden, „denn nur dann können wir irgendwann auch mal Fördermittel für unsere Kulturarbeit bekommen“, erklärt Ulrich.

Am 1. Mai will die GSO mit einer bunten Party zeigen, wie selbstverwaltete Kulturevents aussehen können: „The Art of Living – elektronische Musikkultur im öffentlichen Raum“ tritt für das Anliegen der Szene ein. Der Sicherheitsaspekt wird eine neue Rolle spielen. Zum ersten Mal setzt GSO eigene Ordner ein. Die näheren Bedingungen für das Kultur-Event werden gerade mit der Stadt verhandelt, und „bei dieser Sache sind alle sehr kooperativ“, sagt Frank Ulrich.

Der Reiz nicht angemeldeter Partys - auch ein Thema für Halle und Zürich

„Nicht angemeldete Partys wird man in Leipzig trotzdem nicht unterbinden können“, meint Ulrich. Der ungewöhnliche Rahmen sei nun mal für viele reizvoll. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei rund zehn der nicht genehmigten Events aufgelöst, so Uwe Voigt, Sprecher der Polizeidirektion Leipzig. „Das sind eben nur die, von denen wir Kenntnis hatten“, so Voigt. Meist ging es um Lärmbelästigung, „und wenn Eintritt verlangt oder Getränke ausgeschenkt wurden, haben wir auch das Ordnungsamt informiert“, so Voigt.

Andere Städte haben nach Ausschreitungen auf großen Partys bereits reagiert: In Zürich gibt es eine „Jugendbewilligung“, nach der junge Leute bis 25 Jahre nach einfachen Regeln nichtkommerzielle Partys bei der Stadt anmelden können. Einschränkung: Die Events dürfen nicht in sozialen Netzwerken beworben werden und sind für maximal 400 Leute gedacht. „Bei uns sind die Veranstalter meist älter“, weiß GSO-Sprecher Frank Ulrich, das Schweizer Konzept würde in Leipzig schon deshalb nicht eins zu eins greifen.

Aber auch Leipzigs Nachbarstadt Halle kennt das Party-Phänomen. Auch dort diskutiert man über ein ehemaliges Bahngelände, den Thüringer Bahnhof, als Fläche für Open-Air-Partys. Die Stadt müsse das Gelände dann einmalig herrichten, mit Toiletten, Abfallbehältern und Wegen. Der Stadtrat, so das Wirtschaftsdezernat Halle, soll aber auch eine Nutzungssatzung für das Gelände beschließen.

Evelyn ter Vehn

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