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Reformationsjubiläum 2017: Stadt wirbt mit 100.000 Euro um spirituelle Touristen

Reformationsjubiläum 2017: Stadt wirbt mit 100.000 Euro um spirituelle Touristen

400 Millionen Protestanten gibt es weltweit. Allein in Deutschland zählt die evangelische Kirche 24 Millionen Gläubige. Ihre Blicke sind auf das große Ereignis gerichtet: 2017 jährt sich zum 500. Mal Martin Luthers Thesenanschlag gegen den Ablasshandel in Wittenberg - der Beginn der Reformation.

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2017 jährt sich der Thesenanschlag Luthers zum 500. Mal.

Quelle: Michael Reichel (Symbolfoto)

Leipzig. Die Lutherstadt liegt nur 70 Kilometer von Leipzig entfernt. Im Neuen Rathaus genießt das Thema entsprechend Priorität: "Leipzig muss die zentrale Destination der Reformations-Pilger auf ihrem Weg nach oder von Wittenberg sein", schreibt Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) in einer Vorlage an den Stadtrat. Leipzig mit seinen mehr als 14.000 Hotelbetten, seinen Verkehrsanbindungen und seinem breiten Kulturangebot biete ideale Voraussetzungen, sich als "Zentrum für den gesamten Reformationstourismus in Mitteldeutschland zu profilieren". Deshalb müsse die Stadt im nächsten Jahr bereits 100.000 Euro in die Werbung um spirituelle Touristen investieren. Die Entscheidung darüber soll der Stadtrat im Mai im Rahmen der Finanzierung Leipziger Jubiläen des Jahres 2016 treffen. Zudem plant die Stadt, Reverend Robert Moore, einen Führer der evangelisch-lutherischen Kirche in den USA und Mitinitiator der Städtepartnerschaft Leipzig-Houston, als "Botschafter der Reformation" zu gewinnen. Einen Höhepunkt im Reformationsjahr bildet der "Kirchentag auf dem Weg". Vom 25. bis 27. Mai 2017 sollen sich Pilger auch in Leipzig treffen, bevor sie zum zentralen Gottesdienst am 28. Mai in Wittenberg aufbrechen. Die größte Veranstaltung in Leipzig wird für 50 000 Menschen geplant.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus stellt das Reformationsjubiläum in seiner Bedeutung auf eine Stufe mit der Weltausstellung Expo. Die Aktivitäten zielten besonders auf Gläubige und Kulturreisende aus den USA, aus Kanada, Skandinavien, Italien, Niederlande und Südkorea, wo es starke Tendenzen hin zum Protestantismus und Luthertum gebe. "Ziel Leipzigs muss es sein", heißt es im Faber-Papier, "sich nicht nur mit einem attraktiven Angebot als Ankunfts- und Abflugort, sondern auch als Basis für Luther-Touristen mit längerer Verweildauer anzubieten. Die infrastrukturellen Vorteile müssen aktiv vermarktet werden." Vor allem gegenüber Berlin. Denn im Rathaus sieht man die Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens durchaus als touristischen Wettbewerbsvorteil.

 

 

m Jahr vor dem Reformationsjubiläum wird Leipzig zweier Persönlichkeiten gedenken, die eng mit der Stadt verbunden sind: 2016 jährt sich zum 300. Mal der Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) und zum 100. Mal der Todestag von Max Reger (1873-1916). Programme und PR-Aktionen will die Stadt mit 350000 Euro unterstützen. Im Rathaus erhofft man sich so eine große internationale Resonanz.

Leibniz, der in Leipzig geboren wurde und studierte, gilt als letzter Universalgelehrter. Er erfand die mechanische Rechenmaschine, beobachtete als Erster den elektrischen Funken. Sein Schaffen soll 2016 zum Leitmotiv der Kreativstadt Leipzig werden. Im Mittelpunkt steht eine Kunstinstallation auf dem Johannisplatz. Ihm wird die Lange Nacht der Wissenschaften (24. Juni 2016) mit90 Veranstaltungen gewidmet. Konferenzen runden das Angebot ab.

Mit Max Reger erinnert Leipzig 2016 an den bedeutendsten Kirchenkomponisten des 20. Jahrhunderts. Der Organist wurde 1907 zum Universitätsmusikdirektor und Professor am Königlichen Konservatorium in Leipzig berufen, musste aber schon im Jahr darauf wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten. Reger war ein Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne. Er verehrte Bach, Wagner, Brahms und Liszt. Nach einer Lehrveranstaltung in Leipzig starb er 1916 im Alter von nur 43 Jahren an Herzversagen. Zum 100. Todestag will die Stadt die Erinnerung an ihn beleben. Was kommt da gelegener, als der 100. Katholikentag 2016 in Leipzig und das Reformationsjubiläum 2017. Diese Großereignisse lockten Besucherströme an, die dem Werk Regers in besonderer Art und Weise zugetan seien, heißt es in der Kulturverwaltung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.04.2015

Klaus Staeubert

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