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Region um Leipzig ist Sprayer-Hochburg

Graffiti an S-Bahnen Region um Leipzig ist Sprayer-Hochburg

Die Deutsche Bahn wird der Graffiti-Flut nicht Herr. Immer öfter fahren vor allem Triebwagen im mitteldeutschen S-Bahn-Netz teils voll verschmiert herum. Strafen schrecken die zumeist jugendlichen Täter kaum ab. Ein Ex-Sprayer bezeichnet die hiesige Szene bundesweit als eine Hochburg.

Mitarbeiter einer Spezialfirma entfernen in einer Werkstatt der Deutsche Bahn in Halle großflächige Graffiti von einem S-Bahn-Triebwagen.
 

Quelle: Hendrik Schmidt

Leipzig. Einweichen, anrauen, reinigen – und das teils mehrfach. Und dies alles in aufwendiger und zeitintensiver Handarbeit. So sieht der tägliche Arbeitsrhythmus in einer Außenreinigungsanlage der Deutschen Bahn aus, die auf die Entfernung von Graffiti an Zügen spezialisiert ist. Am Freitag hat die Bahn erstmals eine solche Anlage im halleschen Stadtteil Diemitz vorgestellt. Das Medieninteresse ist riesig. „Wir werden ja hier fast so belagert wie die Politiker nach den Sondierungsverhandlungen in Berlin“, gibt sich Bahn-Sprecher Jörg Bönisch (55) überrascht.

Drei bis vier Stunden benötigen die Mitarbeiter, um eine kleine, dreiteilige und „normal verschmutzte“ S-Bahn von Graffiti zu reinigen. Grelle Sprayfarben sind dabei schwerer als beispielsweise Silbertöne von den Wagen zu bekommen. Die Säuberung muss in derartigen und gut belüfteten Spezialhallen durchgeführt werden. „Wegen der eingesetzten Lösungsmittel ist dies in den normalen Werkstätten nicht möglich“, sagt Frank Bretzger (39), Leiter Produktmanagement bei der S-Bahn Mitteldeutschland. Die Reinigungskosten lägen pro Jahr im Millionenbereich, pro Quadratmeter seien es mindestens 25 Euro.

2016: 2700 Fälle von Graffiti in Mitteldeutschland

„Im Jahr 2016 gab es in der Region Mitteldeutschland 2700 Graffiti-Fälle – ein erhöhter Anteil davon an S-Bahnen“, berichtet Henryck Fiedler (46), Regionalchef von DB Sicherheit. Schwerpunkt sei die Region Halle/Leipzig. Jede dieser Straftaten werde zur Anzeige gebracht und „für die Nachverfolgung fotodokumentiert“. Insgesamt blieben die Fallzahlen auf gleichbleibendem Niveau. Was Täter oft nicht wissen, sei, dass die zivilrechtlichen Ansprüche der Bahn erst nach 30 Jahren erlöschen. Die Bahn werde mit „Wärmebild-basierten Mensch-Technik-Konzepten“ weiter stringent gegen die Sprayerszene vorgehen. Leider sei zuletzt eine erhöhte Gewaltbereitschaft der zwischen 14 und 21 Jahre alten Täter gegenüber Polizei- und Sicherheitskräften zu verzeichnen.

Mögliche Lösung: S-Bahnen nach Vorgaben besprühen lassen?

„Seit 2017 wird es mit den Graffiti wieder schlimmer“, schätzt Bretzger ein. Teilweise sei die halbe Flotte der 80 Talent-Triebwagen beschmiert. „Die besprühte Fläche hat sich mehr als verdoppelt“, so der Bahn-Mitarbeiter. In der Regel seien es regelrechte Schmierereien. Nur vereinzelt seien gelungene Kunstwerke darunter. Apropos: Wäre es sinnvoll, die S-Bahn-Flächen koordiniert und nach Vorgaben besprühen zu lassen? „Das wäre vielleicht ein Ansatz, doch wird es bei der Deutschen Bahn keine Einzellösungen geben“, sagen Bretzger und Fiedler unisono. Zudem gebe es Gestaltungsvorgaben von den Auftraggebern, den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg – und die möchten Triebwagen ohne Werbung oder Graffiti.

Die Bahn muss übrigens nicht nur für die Kosten der Graffiti-Beseitigung aufkommen. Fährt ein Zug länger als 48 Stunden mit den Schmierereien herum, drohen Strafzahlungen. Dem Vernehmen nach soll das Bußgeld bei über 200 Euro pro Tag Verzug liegen. Seit der Eröffnung des neuen S-Bahn-Netzes im Dezember 2013 sei dies eine siebenstellige Summe gewesen, heißt es.

Von Martin Pelzl

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