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Reinhard Krehl ist Vater der Leipziger Mischung

Leipzig blüht Reinhard Krehl ist Vater der Leipziger Mischung

Wenn er in Blumenbeeten nach dem Rechten schaut, komme es oft zu Gesprächen mit Passanten. Reinhard Krehl mag und genießt diesen Austausch, zeige der doch, dass die Betrachter sich mit seinem Werk beschäftigen. Der 51-Jährige ist der geistige Vater der „Leipziger Mischung“.

Reinhard Krehl schaut am Bayrischen Platz nach der Leipziger Mischung.

Quelle: André Kempner

Leipzig . Wenn er in Blumenbeeten nach dem Rechten schaut, komme es oft zu Gesprächen mit Passanten, erzählt Reinhard Krehl. Er mag und genießt diesen Austausch, zeige der doch, dass die Betrachter sich mit seinem Werk beschäftigen. Seit der Künstler 2001 aus Dessau nach Leipzig zog, hat er hier sichtbare Spuren hinterlassen. Der 51-Jährige ist der geistige Vater der „Leipziger Mischung“.

Die kleinen Tütchen mit Samen von exklusiv zusammengestellten rund 40 verschiedenen Wildblumen sind Ergebnis seiner kreativen sicht auf das, was ihn umgibt. „Eine Geburtsstunde der Mischung gibt es so nicht“, sagt der aus Münsingen, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, stammende Künstler, der sich mit Spaziergangsforschung, experimenteller Gartenkunst, Kunst im öffentlichen Raum sowie botanischer Kunst befasst. „Im Kopf war die Idee, diese Mischung als Kunstprojekt, gewissermaßen als eine Form der Auseinandersetzung mit Schönheit, zu realisieren, aber schon lange. 2011 passten dann mehrere Faktoren zusammen.“

Seitdem erfreut sich die „Leipziger Mischung“ anhaltender Beliebtheit – buntblühend in allerlei Beeten der Stadt, mittlerweile sogar in aller Welt. „Manchmal bekomme ich Rückmeldungen von Leipzig-Besuchern, die Schlafmützchen, Liebes-Hainblume, Meerviole, Feldrittersporn, Rapunzelglockenblume, Ysop und wilde Löwenmäulchen als Souvenir mitnahmen und daheim in die Erde brachten.“ Etwas Besonderes seien auch die Zutaten des Leipziger Allerleis in Wildform – wilde Möhre, grüner Spargel, Platt-Erbsen und Gewürzpflanzen. „Es ist wirklich ein sehr schönes Andenken, das lange Freude bereitet“, sagt Krehl. Für zwei Euro – mit einer Spende davon werde die Arbeit der Stiftung „Bürger für Leipzig“ unterstützt, die die Tüten unter anderem vertreibt – auf einen Quadratmeter Erde ausbringt, könne vom Frühjahr bis Herbst ein blühendes Wunder erleben.

Und wunderbar sei schließlich die Welt, die uns umgibt. „Manchmal müssen wir aber erst lernen, diese Bilder, die wir da sehen, schön zu finden“, betont Krehl. Das sei immer auch ein ästhetischer Lernprozess, auch in der Gartenkunst. „Selbst an die Wildblumen, die plötzlich wieder im Stadtbild auftauchten, mussten sich die Leute gewöhnen.“ Sogar Stadtgärtner, erzählt Krehl. „Weil es bisher alt schön galt, wenn zwischen Rosenstöcken nur Erde war, rissen sie meine Blumen, die ich gesät hatte, erstmal wieder raus. Zugegeben, bevor es blüht, ist auch schwer verständlich, was das neue Grün soll“, räumt er ein, plädiert zugleich aber dafür, gerade in der Stadt zu anderen, neuen Idealen zu kommen. Das sei nicht zuletzt auch eine Aufwertung für Bienen und Insekten. Ganz Leipzig zum blühenden Kunstwerk zu machen, das wäre sein Wunsch.

Apropos Kunstwerk. Eine kunstvolle Blumenmischung kreierte der Connewitzer ebenfalls. Zum 500. Geburtstag Lucas Cranachs vereinte sie Samen von Blumen, die der Meister bevorzugt malte, beziehungsweise die zu seiner Zeit Verwendung fanden. „Ein Kunstwerk der Renaissance für den Garten“, meint Krehl, der in einem seiner jüngeren Projekte übrigens der Frage nachging: Warum kennen Menschen Pflanzen? Im „Gravenhorster Kräuterbuch“, das im Frühjahr in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschien, erläutert er, wie Pflanzen-Drucke die Betrachter geradezu zum Reden animierten. Drucke, Gesprächsprotokolle und Gedichte vereint das Bauch auf knapp 100 Seiten.

Mit Bedauern verfolgt der Wahlleipziger, der sich bei Spaziergängen im Auwald ebenso erholt wie beim Joggen um den Cospudener See, dass im Stadtbild zunehmend Zwischen- und damit Grünräume verschwinden. „Dass dort fast nur noch Luxuswohnungen entstehen, ist ganz bedenklich, sehr schade und bereit mir großen Kummer“, so Krehl. „Die Stadt hat hier eine riesige Verantwortung, die sie stärker wahrnehmen sollte.“

Von Cornelia Lachmann

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