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Lokales Reizgasattacke: Zwei Neuntklässler gestehen - Nachdenken über Konsequenzen
Leipzig Lokales Reizgasattacke: Zwei Neuntklässler gestehen - Nachdenken über Konsequenzen
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16:46 30.03.2011
Die 56. Mittelschule in der Dieskaustraße. Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Zuvor hatten Beamte des Reviers Südwest und Ermittler der Kriminalpolizei alle Schüler dieser Klassenstufe einzeln befragt. Roman Schulz, Sprecher der Bildungsagentur, zeigte sich am Abend zufrieden: "Es ist wichtig, dass wir schnell der Übeltäter habhaft geworden sind."

Schulz bedankte sich ausdrücklich bei der Polizei für den schnellen Ermittlungserfolg. "Es waren bestimmt 30 Beamte hier. So wurde ein klares Signal gesetzt." Angst vor Nachahmern habe er deshalb nicht. Die beiden Jungen hatten gegenüber der Polizei zugegeben, mit einer Flasche Reizgas in dem Unterrichtsraum massiv herumgesprüht zu haben. Ein Klassenkamerad habe die Sprayflasche am Morgen mitgebracht. Ob die verdächtigen Schüler ihre Tat im Vorfeld angekündigt hatten, sei ihm nicht bekannt.

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Schulz riet der Schule, bei der Bestrafung "keine Schnellschüsse" zu machen. In naher Zukunft würden Gespräche mit den Eltern und in den Klassen erfolgen. "Es ist wichtig, dass sich die Beschuldigten äußern können." Eine schulische Strafe würde erst danach erwogen. "Von einem Direktorenverweis bis hin zum Schulausschluss ist alles möglich", so Schulz, der für das Verhalten der Beschuldigten kein Verständnis hat. "Sie sind 15 Jahre alt. Da sollte man erwarten können, dass sie wissen, was sie tun."

Eine Gaswolke hatte am Mittwochvormittag für Aufregung in der Bildungseinrichtung in der Dieskaustraße gesorgt. Zunächst hatte es geheißen, ein Experiment im Chemieunterricht sei schief gegangen. Das hat sich dann aber vor Ort nicht bestätigt.

Eine Lehrerin wollte den Polizeiangaben zufolge mit einer 9. Klasse den Unterrichtsraum in der ersten Etage betreten, als ihr das Reizgas entgegen strömte. Sie habe deshalb Fenster und Türen des Zimmers geöffnet und sich dann mit den Kindern in Sicherheit gebracht.

Nach ersten Erkenntnissen der Beamten sei das Gas in einen darüber liegenden Raum in der zweiten Etage gezogen. „Möglicherweise ist das Reizgas durch einen geöffneten Schacht der im Gebäude noch vorhandenen Wandkamine geströmt“, erklärte Roman Schulz, Sprecher der Leipziger Bildungsagentur. Schüler einer 6. Klasse hätten anschließend  im Kunstunterricht über Unwohlsein und Übelkeit geklagt.

„Die Schule wurde deshalb evakuiert“, berichtete Feuerwehrsprecher Joachim Petrasch. 31 Personen, davon 28 Schüler, seien zunächst vor Ort behandelt worden.

„Vorsorglich wurden 25 Kinder zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus eingeliefert“, so Petrasch weiter. Am frühen Nachmittag konnte die Mittelschule wieder freigegeben werden.

Die beiden Schüler der 9. Klasse erwartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Polizei prüft außerdem, den Einsatz in Rechnung zu stellen.

Am Mittag hatte zunächst das Gerücht von einem Racheakt durch Schüler des benachbarten Berufsbildungswerkes (BBW) für Hör- und Sprachgeschädigte die Runde gemacht. Laut Polizei lagen dafür aber von Anfang an keine Anhaltspunkte vor.

Zwischen Jugendcliquen beider Bildungseinrichtungen gibt es seit Wochen Auseinandersetzungen. Vor zwei Wochen eskalierte der Streit als die Polizei in letzter Minute eine Massenschlägerei verhinderte. Laut Roman Schulz handelte es sich dabei um „Revierkämpfe“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Inzwischen trafen sich Schülern beider Häuser vor einer Woche zu einem moderierten Friedensgipfel. Beide Seiten tauschten dabei ihre Standpunkte aus und gelobten Besserung.

Matthias Roth/Reik Anton/Sabine Kreuz

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