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Renaissance für Rossbach-Fassade

Renaissance für Rossbach-Fassade

Überraschung bei den Plänen für ein Vier-Sterne-Superior-Hotel am Dittrichring. Wie der Leipziger Bauprojektentwickler KSW mitteilte, soll für die neue Premium-Herberge vis-à-vis der Thomaskirche eine historische Fassade von Meisterarchitekt Arwed Rossbach ins Stadtbild zurückkehren.

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Am Dittrichring soll zwischen der Commerzbank (links) und dem Kosmoshaus (rechts) die Fassade des 2006 abgerissenen Palais Schlohbach wieder auferstehen.

Quelle: KSW

"Gemeinsam mit den Baufachleuten im Rathaus und dem künftigen Hotel-Betreiber Sol Melià haben wir uns entschieden, das so zu machen", erklärte KSW-Prokurist Holger Krimmling gegenüber der LVZ.

Wie berichtet, sahen die Pläne ursprünglich vor, das Kosmoshaus am Eingang der Gottschedstraße denkmalgerecht zu sanieren und in der benachbarten Baulücke am Dittrichring 11 ein Haus in moderner Gestalt zu errichten. Beide Gebäude sollen zusammen das neue Hotel (163 Zwei-Bett-Zimmer, acht Suiten) aufnehmen. "Uns wurde aber bald klar, dass es besser ist, neben dem herausragenden zeitgenössischen Bau der Commerzbank am Dittrichring ein einheitliches Ensemble zu schaffen", so Unternehmenssprecher Jörg Zochert. Da sowohl das Kosmoshaus als auch das historische Palais Schlohbach (es stand bis zum Abriss 2006 am Ort der heutigen Baulücke) einstmals im Stil der Neorenaissance erstrahlten, habe ein Rückgriff auf diese Zeitschicht der Ring-Bebauung nahe gelegen.

"Was in Dresden mit der Nachbildung ganzer barocker Straßenzüge rings um die Frauenkirche geschehen ist, kann man durchaus kritisch sehen", sagte auf Nachfrage Leipzigs oberster Denkmalschützer Norbert Baron. "Bei dem Projekt am Dittrichring 11 bin ich jedoch sehr dafür. Der Abriss vor der Fußball-WM 2006 - nachdem vier Zwischendecken einstürzten - war unabwendbar, aber ein schmerzlicher Verlust. Zumal es da um ein Haus von Rossbach ging."

In der Tat gilt Rossbach (neben dem damaligen Stadtbaurat Hugo Licht) als die überragende Architektenpersönlichkeit der Gründerzeit in Leipzig. Von ihm stammten zum Beispiel das Augusteum der Universität, die Bibliotheca Albertina oder das Gebäude der Deutschen Bank am Martin-Luther-Ring. Beim 1871/72 entstandenen Palais des Fabrikanten Julius Schlohbach schuf Rossbach ein Modell, das Vorbild für die ganze bürgerliche Ring-Bebauung in Leipzig wurde. Er fügte den Stilmitteln der italienischen Hochrenaissance (wie Dachterrassen mit Ballustraden) erstmals Elemente der schicken Pariser Wohn- und Geschäftshäuser (lange Balkone vor den Fenstern, kleine Mezzaninetage über dem Erdgeschoss) hinzu.

In "kritischer Rekonstruktion" soll ab nächsten Sommer nicht nur die Rossbach-Fassade mit dem geplanten Neubau auferstehen, sagte Zochert. Auch die Ring-Seite des 1853 errichteten Kosmoshauses erhält passend dazu ihr neoklassizistisches Antlitz zurück. An der Front zur Gottschedstraße lebt dazu die Fassade von 1860 wieder auf.

Zu dem 30-Millionen-Euro-Vorhaben gehören auch zwei Brücken über den Pleißemühlgraben. Eine führt direkt ins Foyer und das Frühstücksrestaurant des Hotels der Melià-Marke Innside, die andere zu einer neuen Gasse zwischen Hotel und Commerzbank. Die Gasse reicht bis zur Zentralstraße, wo zugleich die Tiefgarageneinfahrt entsteht. Von drei Seiten - Ring, Zentral- und Gottschedstraße - sind damit das öffentliche "Fine-Dining-Restaurant" und eine "Skybar" zugänglich, welche in den gläsernen Dachaufbau einziehen. "Wer dort einkehrt, kann nicht nur den Blick auf die Thomaskirche, sondern über die ganze City genießen", so Zochert. Über dem Staffelgeschoss gebe es noch eine Dachterrasse für die warme Jahreszeit. Die Übergabe an den spanischen Branchenprimus Sol Melià ist bis zur Buchmesse 2016 geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.11.2013
Rometsch, Jens

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