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Reporter im Leipziger Exil

Geflüchtete Journalisten Reporter im Leipziger Exil

In ihren Heimatländern drohen ihnen Berufsverbote, Gefängnis oder sogar der Tod. In Deutschland finden geflüchtete Journalisten oft nur schwer einen Job. Reporter aus Syrien, Georgien und dem Iran berichten über ihre Flucht und das Leben in Leipzig.

Diese Journalistin aus Georgien wurde bedroht – sie lebt in Leipzig im Exil..
 

Quelle: Sylvio Hoffmann/Lumen

Leipzig.  Wenn Tara Bonyad zur ihrer Heimat befragt wird, ist sie hin- und hergerissen. Die 31-Jährige ist in der iranischen Großstadt Schiras aufgewachsen, sie hat noch Familie im Land. „Ich kann nicht sagen, dass ich den Iran vermisse, da ich von dem Land richtig enttäuscht wurde, aber ich vermisse die Leute“, sagt die junge Frau mit den langen dunklen Haaren. Seit 2011 lebt Bonyad in Deutschland, seit dem Vorjahr in Leipzig. Schon als Kind wollte sie Journalistin werden, später schrieb sie für eine Zeitung und eine Nachrichtenagentur in Teheran, am liebsten über Frauen und Alleinerziehende. Damit macht man sich im Iran nicht nur Freunde. Als 2011 die Grüne Bewegung Hunderttausende auf die Straße trieb, wurde es wegen Kontakten zu Regierungskritikern gefährlich. Kollegen kamen ins Gefängnis, Bonyad fürchtete um ihr Wohlergehen.

Auch Nino Baratashvili (Name geändert) aus Georgien beantragte in Deutschland politisches Asyl. Die junge Frau war für ein TV-Magazin tätig, das kritische Berichte ausstrahlte. Ein anonymer Anrufer drohte: „Wir wissen, wo deine Familie lebt.“

Bonyad und Baratashvili stehen stellvertretend für viele andere geflüchtete Journalisten: Sie haben beruflich hierzulande noch nicht Fuß gefasst. Obwohl beide fließend Deutsch sprechen, sind es die sprachlichen Feinheiten wie Umgangssprache oder Fachausdrücke, die einen Neustart erschweren. „Ich könnte einen fehlerfreien deutschen Artikel nur mit Hilfe eines Einheimischen verfassen“, sagt Bonyad, die sich langfristig eine Rückkehr in ihren Beruf wünscht. Laut einer Schätzung von „Reporter ohne Grenzen“ lebt eine dreistellige Anzahl an geflüchteten Journalisten in Deutschland.

Aktuell studiert Bonyad an der HTWK Soziale Arbeit und engagiert sich in einem Verein in der Flüchtlingshilfe. Baratashvili arbeitet in einem Imbiss und einem Lebensmittelmarkt: Sie spart für eine neue Kamera, mit der sie ihrer großen Leidenschaft, der Fotografie, nachgehen will.

Tarek Khello hat als einer der wenigen Exil-Journalisten beruflich Anschluss gefunden. Der in Damaskus geborene Syrer, der 2013 nach vier Gefängnisaufenthalten geflüchtet ist, arbeitet als freier Reporter in Leipzig, unter anderem für den MDR und den Tagesspiegel. Weil er Kritik an der Regierung nicht scheute, wurde es in der Heimat für ihn zu gefährlich. Kollegen wurden getötet. Khello ging in den Libanon, später als Kontingent-Flüchtling nach Deutschland. „Hier habe ich wieder eine berufliche Perspektive“, sagte der Mann mit den dunklen Locken.

Khello will die Exil-Journalisten besser vernetzen, er regt regelmäßige Stammtische und die Gründung eines Vereins an. „Von besserer Vernetzung können wir alle profitieren“, sagte der Syrer. Bonyad und Baratashvili finden die Idee super. Während die Iranerin ihre Zukunft in Deutschland plant, hat sich die Georgierin dazu entschlossen, in ihre Heimat zurückzukehren und ein Jobangebot in einem Fotostudio anzunehmen. Die Situation sei nicht mehr bedrohlich, sagt sie.

Dass Reporter auch in Deutschland nicht ganz ungefährlich leben, hat Tarek Khello am eigenen Leib erfahren. Er musste sich bei Recherchen in einem Erfurter Plattenbaugebiet vor Fremdenfeinden in einen Supermarkt flüchten. Auch in Leipzig wurde er schon einmal angegriffen. „In Syrien wussten wir, was uns erwarten kann, wenn wir kritisch berichten“, sagt der Syrer. „In Deutschland ist die Gefahr schwerer auszurechnen.“ Trotzdem ist er glücklich, dass er nun wieder in seinem alten Beruf arbeiten kann.

Von Thomas Fritz

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