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Lokales Restauriertes Stadtjuwel Leipzigs nun auch barrierefrei
Leipzig Lokales Restauriertes Stadtjuwel Leipzigs nun auch barrierefrei
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10:03 16.10.2015
Blick auf das restaurierte Leipziger Stadtmodell von 1823. Quelle: Stadt Leipzig
Leipzig

Leipzig. Ab Freitag können auch sehbehinderte Gäste der Messestadt das Stadtmodell im Alten Rathaus begutachten. Denn anlässlich des großen Stadtjubiläums „1000 Jahre Leipzig“ haben Stadtgeschichtliches Museum Leipzig und Deutsche Zentralbücherei für Blinde die vier Modellkarten umfassend saniert. Am Donnerstag, am Tag des Weißen Stocks, wurde es eingeweiht.

Die vier Ebenen auf 25 Quadratmetern zeigen Leipzigs Stadtbild vor dem Zeitalter der Industrialisierung aus jeder Himmelsrichtung. Nun wurden die 43 wichtigsten historischen Gebäude, Plätze, Gartenanlagen und Gewässer mit Mühlen in kräftigeren Farbtönen angestrichen, Bäume eingefügt. Auch ein integriertes Beleuchtungssystem soll das Betrachten erleichtern. Per Knopfdruck können Gäste einzelne Ausstellungsstücke beleuchten.

„Barrierefreiheit und Inklusion sind für das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig seit vielen Jahren wichtige Themen“, erläutert Volker Rodekamp, Direktor des Museums. Auf den vier Transparentreliefs können Ausschnitte des historischen Leipzigs deshalb nun auch ertastet werden. Das Modell ist von Glaswänden umringt, sodass es kleinere Besucher und Rollstuhlfahrer beim Betrachten leichter haben. An den Infotafeln werden die Details in Blindenschrift und Großdruck erklärt.

Das restaurierte Leipziger Stadtmodell im Alten Rathaus. Quelle: Melanie Steitz

Das 25 Quadratmeter große Modell ist durch acht weiße Eckpunkte begrenzt, die Legenden in Blindenschrift enthalten und Lichtknöpfe, die bei Druck auf Grimmaisches Tor, Brockhaus-Verlag oder Altes Theater direkt hinweisen. Renate Lehmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen hat die Legenden des Modells schon getestet. Ihr Orientierungspunkt sei der Markt und dann orientiere sie sich an den Himmelsrichtungen. Auch Thomas Kahlisch, Direktor der Deutschen Zentralbibliothe für Blinde, ist vom neuen Modell im Festsaal begeistert. „Wir werden alle älter“, gibt er zu bedenken. Nicht nur Blinden würde dieses neue Museumsstück tieferes Verständnis bieten, sondern auch Menschen, bei denen die Sehfähigkeit im Alter nachlässt.

„Das kostbare, wunderbare Stadtmodell ist vielleicht das wichtigste Exponat, das wir haben“, so Musemsdirektor Rodekamp. „Wir sind ein ganz großes Stück vorangekommen“, fügt er hinzu. 2009 bemerkten er und Lehmann bei einem Rundgang durchs Museum, dass nicht alles barrierefrei ist. Lehmann habe ihm erklärt, dass blinde Menschen eine ganz andere Art hätten, fremde Objekte und Räume wahrzunehmen. Das war der Startschuss, an den viele Projekte geknüpft wurden und noch werden.

Audioguide in leicht verständlicher Sprache geplant

„Wir möchten damit eine andere Öffentlichkeit ansprechen, ebenfalls an der Geschichte der Stadt teilhaben zu können“, so Rodekamp. Schon April 2015 wurde das Projekt vorgestellt, damals fehlten aber noch die taktilen, sinnlichen Elemente. Bis Ende des Jahres soll noch ein Audioguide folgen, ein Museumsfüher, der in leicht verständlicher Sprache über die historischen Zusammenhänge aufklärt, „wie sich die Stadt aus dem Mittelalter bis in die Neuzeit entwickelt hat, bis zum Aufbruch der Industrialisierung“. Hierfür arbeitet das Museum eng mit den Leipziger Hörmedien zusammen.

Das vierteilige Stadtjuwel wurde 1823 von Möbeltischler und Tapezierer J. C. Merzdorf in mühsamer Detailliebe angefertigt. Seit 1909 sind die Kartenausschnitte über Umwege in den Festsaal des Alten Rathauses gelangt und seither beheimatet.

Ab Freitag können die Karten dort dann wieder im ersten Obergeschoss im Rahmen der Dauerausstellung „Leipzig original. Von der Frühzeit bis zur Völkerschlacht“ des Alten Rathauses bewundert werden. Der Eintritt pro Person beträgt sechs Euro, ermäßigt vier; für Menschen mit Behindertenausweis drei Euro.

Auch im Völkerschlachtdenkmal haben es sehbehinderte Gäste neuerdings leichter: Das Abbild des Mahnmalks gibt es nun in 3D samt Totenmasken, Kolossalfiguren und Schlachtrelief mit St. Michael am Eingangsportal und kann ebenfalls betastet werden.

Von Melanie Steitz

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