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Lokales Restmüll statt Wertstoffe – Entsorger lassen immer mehr gelbe Tonnen stehen
Leipzig Lokales Restmüll statt Wertstoffe – Entsorger lassen immer mehr gelbe Tonnen stehen
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00:20 27.02.2018
Gelbe Tonne mit dem Fehlwurfaufkleber in Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Im Stadtgebiet bleiben immer häufiger gelbe Tonnen stehen, weil sie falsch befüllt worden sind. „Unsere Mitarbeiter finden dort massenweise volle Windeln, Glas, Bioabfälle und sogar Bauschutt“, berichtet Susanne Zohl von der Stadtreinigung. Wenn das mehrfach geschieht, werden die Tonnen eingezogen. Die Mieter müssen dann sehen, wie sie ihren Kunststoff entsorgen.

„Es sieht so aus, als ob in Leipzig heimlich die Wertstofferfassung an den Wohnhäusern eingestellt wird“, mailte unter anderem Wolfgang Gerhardt an die LVZ. In Möckern und im Umkreis der Karl-Liebknecht-Straße habe er entdeckt, dass dort gelbe Tonnen tagelang vor Grundstücken stehen. „Da sie meist übervoll sind, bleiben die Deckel natürlich nicht geschlossen und der Kunststoffabfall wird vom Winde verweht“, schreibt Gerhardt. In der Kirschbergstraße seien gelbe Tonnen sogar komplett eingezogen worden, wodurch „Bewohner ihren Kunststoffabfall mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Privatfahrzeugen zu den Wertstoffhöfen transportieren“ mussten.

Seit zwei Jahren immer mehr Fehlwürfe

Die Stadtreinigung bestätigt dies. „Die gelben Tonnen plus werden eingezogen, wenn trotz mehrfacher Anschreiben durch den Entsorger ALL GmbH die Fehlwürfe nicht abnehmen“, sagt Sprecherin Zohl. „Dem Missbrauch der Behälter kann nur auf diesem Wege Einhalt geboten werden.“ Die betroffenen Grundstücke würden für ein halbes Jahr von der Sammlung ausgeschlossen und könnten sich danach erneut Behälter bestellen. In der Kirschbergstraße 43 a/b seien die Verwalter viermal von der ALL auf Fehlwürfe hingewiesen worden. „Seit zwei Jahren verschlechtert sich die Qualität des Abfalls so sehr, dass unsere Mitarbeiter stärker kontrollieren müssen“, sagt Zohl. Von rund 9000 Behältern, die täglich geleert werden, bleiben inzwischen 30 bis 50 Tonnen pro Tag wegen Fehlwürfen stehen.

Wenn ein Aufkleber mit der Aufschrift „Beanstandung“ angebracht wird, muss die Hausverwaltung dafür sorgen, dass die Fehlwürfe aus den Wertstofftonnen geholt werden. Aber in der Regel wird für diese Behälter eine Sonderleerung beauftragt: Die betroffenen Wertstofftonnen werden als „Restmüll“ kostenpflichtig entsorgt – die Mehrkosten trägt die Hausgemeinschaft.

„Manche Tonnen lassen sich nicht bewegen“

Warum zunehmend mehr Fehlwürfe in Wertstofftonnen landen, ist unklar. Einige Mieter glauben, dass Hausverwaltungen die Mahnschreiben nicht genügend im Haus thematisieren würden; andere zweifeln an, ob es tatsächlich Fehlwürfe gegeben hat. „Die Mitarbeiter der ALL führen eine Sichtkontrolle durch“, hält Zohl solchen Vorwürfen entgegen. Viele Abfälle würden zumeist gleich obenauf gefunden. „Sind große dunkle Säcke in der Tonne, kontrollieren die Mitarbeiter diese auch stichprobenartig. Auch das Gewicht der Tonne ist ein Indiz. Teilweise lassen sich die Tonnen gar nicht von der Stelle bewegen, weil sie so schwer sind.“

Kritisiert wird von Mietern auch, dass die Stadtreinigung ihren Müllratgeber abgeschafft hat, obwohl jährlich viele neue Einwohner in die Stadt kämen, die die hiesigen Bedingungen zur Müllentsorgung nicht kennen. „Und diese Bürger werfen dann einfach all das in die Tonnen, wovon sie denken, dass das dort hineingeworfen werden soll“, heißt es.

Zohl räumt ein, dass der Abfallratgeber zum letzten Mal im Jahr 2012 an Leipzigs Haushalte verteilt wurde. „Wir hatten den Eindruck, dass er kaum noch genutzt wurde“, sagt sie. Denn die Leipziger würden auch noch auf vielen anderen Wegen auf die korrekte Sammlung der Abfallarten hingewiesen. Es gebe sogar einen bebilderten Flyer, um auch ausländischen Bürgern auf einen Blick zu verdeutlichen, welche Abfälle in welche Tonne gehören. Zusätzlich werde es in diesem Jahr auch wieder einen Abfall-Wegweiser geben.

Mieter fordern Kostenerstattung

Trotzdem fühlen sich Mieter diskreditiert, die ihren Müll sorgfältig trennen, jetzt aber keine Wertstofftonnen mehr nutzen können, weil diese wegen Mehrfach-Fehlwürfen eingezogen wurden. Sie würden schließlich diese Entsorgung mitbezahlen, wenn sie Plastik-Verpackungen kaufen, heißt es. Wer seinen Plastikmüll jetzt selber zu den Wertstoffhöfen bringe, müsse Transportkosten von etwa 5,20 Euro aufbringen, schreibt ein Betroffener und fordert, dass ihm diese Kosten vollständig oder teilweise ersetzt werden.

Welcher Abfall gehört wohin: http://www.stadtreinigung-leipzig.de/assets/files/PDF/Flyer/deutsch.pdf

Von Andreas Tappert

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