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Lokales Rettung des legendären Hotels Astoria beginnt
Leipzig Lokales Rettung des legendären Hotels Astoria beginnt
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09:25 02.07.2018
Die bis 1915 entstandenen Hofgebäude des Hotels Astoria werden schon für den Abriss vorbereitet. Sie sind – auch durch Nässe im Untergrund – einsturzgefährdet. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Nein – die Baugenehmigung sei noch nicht erteilt, erklärt Intown-Manager Stefan Zander. Dennoch wuseln im Hof des 1996 geschlossenen Hotels Astoria jetzt schon häufig Arbeiter umher. An der Rückseite jenes Flügels, um den die Leipziger Nobelherberge von 1954 bis 1957 in der Gerberstraße erweitert worden war, türmt sich inzwischen ein Schuttberg auf.

Abriss im Hof spätestens ab Herbst

Dies sei ein Ergebnis der Aufräumarbeiten, die im Mai 2018 gestartet wurden, erläutert der Regionalleiter des Berliner Investors. „Wir bleiben optimistisch, dass die Stadt Leipzig unseren Bauantrag bald positiv entscheidet.“ Dann könne sofort der Abriss der komplett ruinierten Gebäude im Hof beginnen, die aus der eigentlichen Erbauungszeit des Hotels – von 1913 bis 1915 – stammen. Spätestens im Herbst sollten die Bagger anrollen.

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In der Multimedia-Reportage erzählen vier ehemalige Angestellte von ihrer Zeit als Köche, Küchenchef und Direktor im Astoria.

Das wird aus dem Grandhotel Astoria in Leipzig: Die Pläne des Investors.

Fünf Ballsäle und mehrere Restaurants – so soll das Astoria nach der Wiedereröffnung aussehen.

Einsturzgefahr durch Wasserschäden

Die merkwürdige Anordnung der Hofgebäude hänge damit zusammen, dass den Astoria-Gründern vor über 100 Jahren nur bestimmte Grundstücke gehörten. Sie hätten die Flächen optimal ausgenutzt, um dort den damals „größten und modernsten Hotelneubau Deutschlands“ zu errichten, weiß Architekt Roland Wolff. Er hat die Sanierungspläne für den heutigen Eigentümer Intown erstellt, befasst sich schon seit zwei Jahrzehnten mit dem seither leerstehenden Objekt. „Die Hofgebäude sind fast einsturzgefährdet, dort gibt es die schlimmsten Wasserschäden.“

Teppichböden und wenig Schnick-Schnack: Die Einrichtung des Hotels Astoria waren zu DDR-Zeiten weniger pompös als viele dachten. Dafür unterschied sich fast jedes Zimmer vom anderen.

Selbe Architekten wie am Hauptbahnhof

Bis ins hohe Mittelalter floss die Parthe durch das Gebiet, auf dem heute der Leipziger Hauptbahnhof und das gleichzeitig entstandene Astoria stehen. Beide Bauwerke wurden übrigens von denselben Architekten entworfen: William Lossow und Max Hans Kühne aus Dresden.

Gerberviertel von Kanälen durchzogen

Der Name Gerberstraße belegt, dass dieses Viertel auch später noch lange von Kanälen durchzogen war, welche die dort einst ansässigen Gerber brauchten, um aus rohen Tierhäuten Leder zu erzeugen. Auch wegen der starken Geruchsbelästigung war dieses Gewerbe außerhalb der Stadtmauern angesiedelt worden.

Zweites Untergeschoss geflutet

Seit der Hotel-Eröffnung wurde das Problem der Wasseradern im Untergrund mit Pumpen gelöst, die sogar in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs nicht abgestellt wurden, erzählt Experte Wolff. „Als wir den Zustand der Keller untersuchen wollten, standen im ersten Untergeschoss anderthalb Meter Wasser, sodass wir zunächst ein Schlauchboot nahmen. Das zweite Untergeschoss war komplett geflutet.“ Für die Analysen sei dann das Nass abgepumpt worden. „Doch als wir die Pumpen wieder abstellten, schoss es sofort wie aus Bächen wieder herein.“

Tiefgarage mit 60 Stellplätzen

Nach dem Abriss werde im Hof eine Tiefgarage mit 60 Stellplätze in eine sogenannte weiße Wanne betoniert. Darüber sei ein Kongresszentrum mit begrüntem Dach geplant, so der Architekt. In den historischen Bestandsbauten am Blockrand werde „unser Hauptproblem der Nässe“ dadurch gelöst, dass das zweite Untergeschoss verfüllt und so abgedichtet wird.

Investor plant mit fünf Sternen

Intown-Geschäftsführer Sascha Hettrich sagt, das neue Astoria mit 250 Zimmern und Suiten, Spa-Bereich, fünf Ballrooms und sechs kleineren Tagungsräumen, Restaurant, Bar und Skybar sei als „Fünf-Sterne-Hotel geplant“. Letzte Gewissheit dazu gebe es aber erst, wenn der künftige Betreiber feststehe.

Sanierung erfreut Hotel-Verband

Zu DDR-Zeiten wurden alle Köche und Kellner der fünf Leipziger Interhotels im Astoria ausgebildet. Seine Lehre als Koch absolvierte dort auch Holm Retsch vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Ich würde mich sehr freuen, wenn das Astoria fünf Sterne bekommt. Das würde Leipzig und seinen Gästen guttun“, meint er. Wenn die neue Herberge – wie angekündigt Ende 2020 oder vielleicht auch etwas später – an den Start geht, vertrage Leipzig sicher schon ein drittes Haus der höchsten Kategorie. „Auf jeden Fall wäre es mir lieber als das 34. mit drei Sternen.“

Von Jens Rometsch

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