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Rettung von 31 Hunden: Reserven des Tierheims Leipzig "völlig erschöpft"

Rettung von 31 Hunden: Reserven des Tierheims Leipzig "völlig erschöpft"

31 Hunde – darunter auch Welpen, die noch gesäugt werden – hat das Leipziger Veterinäramt aus einer Wohnung im Osten der Stadt geholt. Bürger hatten angegeben, eine "umfangreiche Tierhaltung und Tierhandel" bemerkt zu haben.

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Das Tierheim Breitenfeld kann nach der Einweisung von 31 Hunden keine weiteren Hunde von Privathaltern aufnehmen. Der Halter hatte die Vierbeiner allesamt in einer Wohnung in der Wurzner Straße hausen lassen.

Quelle: Tobias Ossyra

Leipzig. Die Hinweise brachten das Amt auf die Spur eines Tierhalters in der Wurzner Straße, teilte die Stadt am Dienstag mit. Wie jetzt bekannt wurde, konnten die Hunde bereits am 6. Juli sichergestellt werden. Alle Vierbeiner wurden ins Tierheim Breitenfeld eingewiesen, das durch die Aktion völlig ausgelastet ist.

"Sorgenf(e)lle" heißt die Rubrik auf der Webseite des Leipziger Tierheims im Norden der Stadt, unter der das Problem gepostet ist: Die Reserven des Tierheims seien völlig erschöpft. "Wir waren schon vor diesem Schlag an Neuzugängen voll", sagt die leitende Tierpflegerin Ramona Geitner, "und können deshalb auch keine weiteren Tiere aufnehmen". Wenn Privathalter ihre Hunde abgeben müssen, bietet das Heim derzeit an, einen Steckbrief mit den Hunde-Infos zur Vermittlung auszuhängen – selber aufnehmen kann es die Tiere nicht. "Wenn wir Hunde aufgreifen oder uns gefundene Hunde gebracht werden, sind wir zwar weiterhin verpflichtet diese zu versorgen, aber mit jedem Tier das jetzt hinzu kommt, wird es für die Hunde eine grausamere Situation."

Die 31 Tiere, die allesamt in einer Wohnung gehaust haben, machen aber einen stabilen Eindruck. "Die Hunde sind noch in Beobachtung, zeigen bisher aber kein besonders auffälliges Verhalten", so Geitner. Nach der Aufnahme im Tierheim wurden sie den üblichen medizinischen Untersuchungen unterzogen, Verletzungen hatten sie nicht.

"Ich gehe davon aus, dass man die Tiere verkaufen wollte"

"Es war auch keine Vernachlässigung der Fütterung festzustellen", bestätigt Tierheimleiter Michael Sperlich. Empört über die Umstände der Haltung ist er allemal: "Das hat nichts mehr mit Tierliebe zu tun, ich unterstelle dem Halter ökonomische Interessen. Da waren besonders viele kleine und mittelgroße Arten dabei, ich gehe davon aus, dass man die Tiere verkaufen wollte." Von Maltesern über Pudel bis hin zu Pekingesen waren verschiedenste Rasen vertreten sowie etliche Mischlinge. Solche Tiere haben es laut Ramona Geitner auch im Tierheim viel einfacher, neue Besitzer zu finden, als ihre größeren Artgenossen.

Da die Tierschutzordnung für die Haltung von Hunden konkrete Haltungsbedingungen vorgibt, stellte das Veterinäramt die Tiere sicher. Der Halter hat aber mittlerweile Widerspruch eingelegt. Sperlich sieht darin ein Problem: "Diesen Widerspruch kann die Stadt ablehnen, dann geht er vor die Landesdirektion. Wenn diese ihn auch ablehnt, kann der Halter klagen. Wir hatten 2009 ein ähnliches Verfahren, das sich über ein Jahr hingezogen hat – die Tiere mussten während der gesamten Zeit im Tierheim bleiben. Ich hoffe es für diesen Fall nicht, aber das könnte passieren." Das für den Fall zuständige Veterinäramt wollte derzeit keine Auskunft geben, mit Verweis auf das laufende Verfahren.

Probleme bei aufgegriffenen Hunden nehmen zu

Laut Sperlich ist die Situation in der Messestadt generell eine schwierige: „In Leipzig setzt man leider gern Tiere aus. In manchen Monaten ist die Hälfte aller Hunde, die von uns gefunden werden, unliebsam irgendwo sich selbst überlassen worden. Im Jahresdurchschnitt sind es 40 Prozent." 280 Hunde wurden dieses Jahr ingesamt vom Tierheim Breitenfeld aufgenommen, gerade zur Ferienzeit würde aber die Zahl der ausgesetzten Tiere steigen. Sperlich plädiert deswegen im städtischen Tierschutzbeirat dafür, die Kennzeichnungspflicht mittels eines kleinen Chips unter dem Fell für die Stadt durchzusetzen. "Um die Halter mehr in die Verantwortung zu nehmen."

Zwar stagniere die Zahl der Tierfunde "auf hohem Niveau", der Zustand der aufgegriffenen Tiere verschlechtere sich aber immer mehr. "Den abgegebenen Rassehund aus der gut bürgerlichen Familie gibt es nicht mehr. Wir haben es immer häufiger mit Hunden aus sozial schwierigen Verhältnissen zu tun." Die Tiere seien zwar nicht aggressiv, aber mehr und mehr verhaltensauffällig. Sie würden zum Beispiel an der Leine nicht gehorchen oder hätten einen schlechten Gesundheitszustand, weil die Besitzer sich die Arztkosten nicht leisten könnten. "Wir werden hier zu einer Außenstelle des Sozialamtes", sagt Sperlich.

Auch Tierheim Rosental belegt

Für Privathalter, die ihren Hund kurzzeitig in Pflege geben wollen, ist sonst auch Leipzigs zweites Tierheim eine Anlaufstelle. Doch Tierheim-Leiter Arno Hartmann winkt ab: Die 20 Plätze der Station in der Waldstraße sind belegt. Längst ist das keine typische Feriensituation mehr: "Eigentlich ist die Situation das ganze Jahr über so", sagt er. Vielen Haltern fehle auf Dauer das Geld, um ihren Hund ordentlich zu versorgen. "Da geht es mal um Tierarztkosten oder auch um die vernünftige Erziehung des Hundes", weiß Hartmann.

Evelyn ter Vehn / Tobias Ossyra

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