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Riesenareal am Bayerischen Bahnhof: Stadtspitze stellt Ampeln auf Grün

Großprojekt in Leipzig Riesenareal am Bayerischen Bahnhof: Stadtspitze stellt Ampeln auf Grün

Leipzigs Stadtspitze um Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat die Ampeln für eines der größten Neubauvorhaben in Ostdeutschland seit der Wende auf Grün gestellt. Zwischen dem Bayrischen Platz und der Kurt-Eisner-Straße sollen bis zu 3000 Wohnungen, soziale Einrichtungen, ein Park und Gewerbeflächen entstehen.

Hinterm Bayerischen Bahnhof in Leipzig könnte bald ein neuer Stadtteil mit bis zu 3000 Wohnungen entstehen. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Ostflügel des historischen Bahnhofs soll dabei denkmalgerecht wieder aufgebaut werden.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Leipzigs Stadtspitze um Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat die Ampeln für eines der größten Neubauvorhaben in Ostdeutschland seit der Wende auf Grün gestellt. Vergangene Woche genehmigte die OBM-Dienstberatung eine Vorlage zur Zukunft des Areals am Bayerischen Bahnhof. Demnach sollen zwischen dem Bayrischen Platz und der Kurt-Eisner-Straße bis zu 3000 Wohnungen nebst sozialer Einrichtungen wie Schulen und Kitas sowie Gewerbeflächen entstehen.

Das letzte Wort hat nun der Stadtrat. Laut der Vorlage, die erst Ende der Woche im Ratsinformationssystem der Kommune veröffentlicht wurde, soll der Bayerische Bahnhof dort am 21. Juni zur Abstimmung stehen. Vor einem halben Jahr hatten sich alle großen Fraktionen dafür ausgesprochen, dass nach Jahren des Wartens endlich was auf der 40 Hektar großen Brachfläche passieren soll.

Fünf Jahre fruchtlos verstrichen

Rückblick: 2011 hatte die Deutsche Bahn AG einen städtebaulichen Wettbewerb für die riesige Brache ausgelobt. Durch den neuen City-Tunnel, dessen vorgelagerter S-Bahn-Trog einen Teil des Areals durchschneidet, wurden die Flächen nicht mehr zum Rangieren oder für den Güterumschlag gebraucht. Damals gewann ein, auch von der Bauverwaltung viel gelobter Entwurf der Berliner Büros „Jörg Wessendorf Architektur“ und „Atelier Loidl“. Die weitere Planung geriet jedoch ins Stocken. 2013 verkaufte die Bahn entnervt den Großteil ihrer Flächen an eine Tochterfirma der privaten Leipziger Stadtbau AG. Diese trat nun in die Gespräche mit der Stadtverwaltung ein. Im Sommer 2014 stimmte der Stadtrat dem Entwurf einer Rahmenvereinbarung mit der Bahn und dem neuen Investor zu. Aber diese Vereinbarung wurde nie unterschrieben. Erst 2016 gab es einen neuen Anlauf, um die Kuh vom Eis zu holen. Nun wurde als externer Moderator der Leipziger Anwalt Christoph von Berg eingeschaltet. Etwa 20 Mal tagte unter seiner Leitung eine Arbeitsgruppe mit Vertretern beider Seiten, um im Oktober einen Lösungsvorschlag vorzulegen. Diesen segneten OBM Jung und die Stadtbau-Chefs postwendend ab.

Was der Lösungsvorschlag im Detail enthält, ist nun ebenfalls der Vorlage zu entnehmen. Zum Beispiel würde die Stadtbau AG noch restliche Flächen von der Bahn kaufen, um dort einen acht Hektar großen, öffentlichen Park anzulegen. Sobald ihre Bauvoranfragen für vier Bereiche vom Rathaus beschieden sind, verkauft die Stadtbau AG alle Flächen, welche die Kommune zum Bau von Schulen und Sporthallen im Bereich Tarostraße benötigt. Der Grundstückspreis beträgt 39 Euro pro Quadratmeter. Wie berichtet, wurden die Bauvoranfragen für die vier Bereiche schon 2016 eingereicht. Dabei geht es um: 1) 180 Wohnungen am Dösner Weg, 2) eine Kita mit 165 Plätzen auf dem Gelände von Gurken-Schumann, 3) den Wiederaufbau des Ostflügels des Bayerischen Bahnhofs sowie ein Neubauensemble mit bis zu 35 Meter messendem „Hochpunkt“ am Eingang der Straße des 18. Oktober, 4) mehrere fünfgeschossige Wohnhäuser plus Dachgeschoss entlang der Kohlenstraße. Nach LVZ-Informationen soll zumindest die Bauvoranfrage für die Wohnungen am Dösner Weg (hierzu fand 2016 ein Architekturverfahren statt; mindestens 30 Prozent davon erhalten Grundrisse, die zu den Vorgaben für Hartz-IV-Bezieher passen) in den nächsten Tagen beschieden werden. In der Vorlage heißt es, die Bauarbeiten dort könnten Ende 2017 oder Anfang 2018 starten.

Elektro-Quartiersbus ohne Fahrer

Darüber hinaus offenbart das Papier unter anderem, dass die Parkhäuser für das „autoarme Quartier“ nahe zur Kurt-Eisner-Straße und dem dortigen S-Bahn-Haltepunkt entstehen sollen. In dem Viertel, das auch Studentenapartments und Pflegewohnungen für Senioren, eine privat betriebene Schwimmhalle und vieles mehr bieten soll, würden dann kleine Schuttle-Busse mit Elektroantrieb verkehren, die ohne Fahrer auskommen.

Kritik am Inhalt der Vorlage kam bereits vom Bündnis „Stadt für alle“. Laut dessen Sprecher Roman Grabolle fällt die nun gefundene Lösung noch hinter den Entwurf für die Vereinbarung von 2014 zurück. „Stattdessen sollte ein städtebaulicher Vertrag als Planungs- und Entwicklungsvereinbarung mit der Stadtbau AG ähnlich dem für den Eutritzscher Freiladebahnhof in Auftrag gegeben werden.“ Wenn die Stadtbau AG so schnell wie möglich mit dem Bau von Wohnungen am Dösner Weg und der Kohlenstraße beginnen wolle, müsse sie sich zuvor verpflichten, dort auch dringend benötigte Sozialwohnungen zu bauen. „Der Oberbürgermeister beklagte jüngst in Goslar, dass ihm das starke Wachstum der Stadt Kopfschmerzen bereite und er Konkurrenzsituationen bei den Bauflächen befürchtet. Dann muss er sich nun auch die Frage gefallen lassen, warum er zurück in Leipzig die bekannten Heilmittel ungenutzt aus dem Fenster wirft“, meinte Grabolle.

Von Jens Rometsch

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