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Riester- und Betriebsrente: Für Leipzigerin Martina Brauns ein verhängnisvoller Mix

Altersvorsorge Riester- und Betriebsrente: Für Leipzigerin Martina Brauns ein verhängnisvoller Mix

„Ich wollte das Richtige tun. Stattdessen habe ich viel Geld verloren“, sagt Martina Brauns. Die Leipzigerin sorgte gleich mit zwei Verträgen fürs Alter vor - nun bleibt von mehr als 10.000 Euro nichts als Vorsorge übrig.

Martina Brauns (66) mit den Dokumenten ihrer Altersvorsorge in ihrer Leipziger Wohnung. Ihre Riester-Rente hat sich sehr zu ihrem Ärger als Verlustgeschäft erwiesen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Martina Brauns hievt die schweren Ak­tenordner auf den Tisch. Darin un­zählige Unterlagen, die der 66-Jährigen Kopfzerbrechen bereiten. Seit sechs Jahren ist Martina Brauns in Rente. Als sie noch als Erzieherin in einer Leip­ziger Kindertagesstätte arbeitete, entschied sie sich dazu, für das Alter vorzusorgen. Heute bereut sie das. „Ich wollte das Richtige tun. Stattdessen habe ich viel Geld verloren“, sagt die Leip­zigerin. „Ich sorgte mit zwei Verträgen für mein Alter vor, zahlte über die Jahre etwa 10.000 Euro ein. Im Laufe von zehn Jahren wurden jedoch Steuern und Abgaben fällig. Es bleibt als Altersvorsorge nichts übrig.“

Neun Jahre zuvor, 2002: Die Riester-Rente ist in aller Munde. Martina Brauns entscheidet sich zu einem Abschluss bei der Zusatzversorgungskasse (ZVK) des Kommunalen Versorgungsverbands Sachsen, zahlt monatlich einen Beitrag ein, um im Rentenalter davon zu profitieren.

Betriebsrente als Knackpunkt

Rund 2900 Euro flossen so über die Jahre. Seit Februar 2012 ist Martina Brauns Rentnerin. Sie bekommt monatlich 20,34 Euro Riester-Rente. Aus ihrer Zeit als Erzieherin, angestellt bei der Stadt Leipzig, bekommt sie eine Betriebs­rente. Riester-Rente und Be-triebsrente zusammengenommen, macht das rund 140 Euro zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Was erst einmal gut klingt, erweist sich als Knackpunkt für Martina Brauns. Denn die Betriebsrente unterliegt der Beitragspflicht in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR), sofern sie die sogenannte Geringfügigkeitsgrenze übersteigt. Im Fall von Martina Brauns ist genau das eingetreten. Nun muss sie die Kosten für die Krankenver­sicherung, die sonst übernommen werden, selber tragen. Die 66-Jährige hat also einen monatlichen Verlust gegenüber dem Fall, sie hätte auf das Riestern verzichtet. Hinzu kommen die 2900 Euro, die sie all die Jahre in die Riester-Rente eingezahlt hat. Ein Verlustgeschäft.

Bernhard Helbig, Pressesprecher des Kommunalen Versorgungsverbands Sachsen, weist den Vorwurf einer falschen Beratung von sich. „Leider lässt sich zum Zeitpunkt der Vereinbarung der Riester-Förderung schwer abschätzen, ob gerade diese im Einzelfall zum Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze führt.“ Die Höhe der späteren Betriebsrente hänge von verschiedenen Faktoren ab, die sich nicht konkret planen lassen. Generell liegen die Betriebsrenten der ZVK derzeit in der Regel über der Geringfügigkeitsgrenze, sodass grundsätzlich Krankenversicherungsbeiträge von der Rente abzuführen sind.

Überschreiten der Geringfügigkeit

„Dass gerade die Riester-Förderung zum Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze führt, stellt einen Ausnahmefall dar“, so Helbig weiter. Ebenfalls zu berücksichtigen, sei, dass die laufenden Betriebsrenten jährlich um ein Prozent erhöht werden. Daher kann auch im Laufe des Rentenbezugs noch Beitragspflicht eintreten, wenn zu Rentenbeginn die Geringfügigkeitsgrenze nur knapp unterschritten wurde.

Immerhin: „Der Gesetzgeber hat durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz Abhilfe geschaffen. Ab 1. Januar 2018 sind riestergeförderte Anteile der Betriebsrente beitragsfrei und bleiben bei der Prüfung der Geringfügigkeitsgrenze unberücksichtigt, sofern die verbleibende Betriebsrente unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze liegt“, erklärt Bernhard Helbig. Martina Brauns nützt das vermutlich nichts, denn für zurückliegende Zeiträume hat der Gesetzgeber keine Erstattungsmöglichkeit vorgesehen.

Viel schlimmer als der Verlust aus dem Versuch, mittels Riester-Rente eine Altersvorsorge zu haben, ist für Martina Brauns aber ein anderer: Sie nahm das Angebot einer sogenannten Entgeltumwandlung war. Im Fall der 66-Jährigen bedeutete das, statt sich das jährlich gezahlte Weihnachtsgeld von ihrem Betrieb auszahlen zu lassen, hat sie es als Altersversorgung genutzt.

Verband weist Vorwürfe zurück

Neun Jahre lang zahlte Martina Brauns etwa 900 Euro jährlich in die Sparkassen-Versicherung ein. Eine einmalige Auszahlung sollte nun im Rentenalter folgen. Doch diverse Abgaben, Steuern und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, schmälern den auszuzahlenden Betrag. So sehr, dass Martina Brauns ein Minus von etwa 1170 Euro einfährt.

Von lukrativer Altersvorsorge keine Spur. „Ich hätte mir das Weihnachtsgeld lieber auszahlen lassen sollen. Davon hätte ich mehr gehabt“, sagt Martina Brauns. „Überall hört man nur, wie wichtig Altersvorsorge ist. Tatsächlich sollte man sich das aber gut überlegen und vorher prüfen“, resümiert sie. Martina Brauns fühlt sich allein gelassen. „Niemand hat mich beraten, es wurden keine Informationsgespräche geführt. Die Risiken habe ich nicht gekannt.“

Von Stephanie Helm

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