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Ringen um die Sozialwohnungen

Flüchtlinge Ringen um die Sozialwohnungen

Asylbewerber sollen ungeachtet des Zustroms an Flüchtlingen auch künftig in Leipzig nach Möglichkeit Wohnungen bekommen und nicht dauerhaft in Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht werden.

Asylbewerber sollen möglichst in Sozialwohnungen unterkommen - die Stadt ist auf der Suche (Symbolbild)

Quelle: Mario Jahn

"Grundlage ist nach wie vor das Konzept zur dezentralen Unterbringung", erklärte Rathaussprecher Matthias Hasberg auf LVZ-Anfrage. "Daran hält die Stadt weiter fest." Er räumte aber ein, "dass es zunehmend schwieriger wird, geeigneten Wohnraum zu finden". Es seien vor allem Flüchtlingsfamilien mit Kindern, die vergleichsweise zügig Wohnungen bekämen.

Der Mieterbund hat in dem Zusammenhang bereits deutschlandweit vor einem Kampf um Sozialwohnungen gewarnt. Wegen des fehlenden Angebots drohe eine Konkurrenz zwischen Menschen mit Niedrigeinkommen und Flüchtlingen um bezahlbare Wohnungen. "Das darf aber auf keinen Fall passieren", sagte Direktor Lukas Siebenkotten der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bund, Länder und Kommunen müssten wieder stärker in den Sozialwohnungsbau investieren. Seit der Wiedervereinigung habe sich die Zahl der Sozialwohnungen von fast vier auf aktuell 1,5 Millionen verringert.

Anders als in vielen westdeutschen Großstädten ist die Lage am Leipziger Wohnungsmarkt bislang jedoch einigermaßen entspannt. Die Grundmiete in Leipzig lag im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistikamtes bei durchschnittlich 5,38 Euro je Quadratmeter. Hartz-IV-Empfänger, die wie Flüchtlinge auf den niedrigpreisigen Wohnungsmarkt angewiesen sind, bekommen zwischen 4,52 und 4,73 Euro pro Quadratmeter erstattet. "Gerade kleine Wohnungen mit bezahlbaren Mieten sind in vielen größeren Städten, wie eben inzwischen auch bei uns, Mangelware", sagte jüngst der Sozialpolitiker der SPD-Ratsfraktion, Christopher Zenker. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steige also.

Zwar sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die preiswerte Wohnungen benötigen, von 48 467 im Jahr 2005 auf 41 847 im vergangenen Jahr. Dies habe zu einer deutlichen Entlastung auf dem niedrigpreisigen Wohnungsmarkt geführt, so Rathaussprecher Hasberg. Dennoch: "Ob in jedem Fall eine Konkurrenz zwischen Hartz-IV-Empfängern und Flüchtlingen vermieden werden kann, lässt sich nicht sagen."

Bei der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB), gebe es "bislang noch keinen Engpass" in der Versorgung mit Quartieren, die den Erstattungsbeträgen für Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber entsprechen. Gemäß den Vorgaben der Stadt hält das kommunale Unternehmen stets mindestens 11 000 Wohnungen in dieser Kategorie vor. Auch von den 1700 Wohnungen, die gegenwärtig bei der LWB leerstehen, gehöre der Großteil dazu, so Sprecherin Samira Sachse. "Außerdem verzeichnen wir jedes Jahr im Rahmen der ganz normalen Fluktuation etwa 2500 bis 3000 Umzüge. Auch davon liegen viele im Hartz-IV-Bereich."

Im Juni hatte die LWB öffentlich gemacht, dass sie seit Anfang 2014 jeden Monat im Schnitt 50 bis 60 Wohnungen dezentral an Flüchtlinge vermietet - zusätzlich zu den Gemeinschaftsunterkünften, die seit längerer Zeit "problemlos laufen", so Sachse. Neben den Zuweisungen vom Sozialamt würden sich inzwischen häufiger Flüchtlinge mit Hilfe eines Betreuers direkt an den stadteigenen Vermieter (35 000 Wohnungen) wenden. "Bei Angeboten für große Familien sind wir sehr gut aufgestellt. Bei Ein-Raum-Quartieren wird die Luft jetzt schon etwas dünner."

Ähnlich sieht es bei Leipzigs größter Baugenossenschaft Kontakt (15 000 Wohnungen) aus. Im letzten Jahr hat sie mehr als 160 Wohnungen an Asylbewerber und 200 an Hartz-IV-Empfänger neu vergeben. "Mit den Mietb edarfssätzen können wie als Genossenschaft leben", so Vorstand Rainer Löhnert. Allerdings seien die Ein-Raum-Wohnungen in Paunsdorf, wo eine gute Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern aus dem städtischen Flüchtlingsheim an der Torgauer Straße bestehe, bereits alle weg. "Da greifen wir nun auf Bestände in Grünau, Mockau und Schönefeld zurück." Richtig stolz mache ihn, so Löhnert, dass bislang kein einziger Genossenschafter beim Vorstand die Aufnahme von Flüchtlingen kritisiert habe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2015
Klaus Staeubert und Jens Romets

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