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Robocup-Messe in Leipzig: Roboter für Altenheime kommen Ende 2017 auf den Markt

20. Robocup in Leipzig Robocup-Messe in Leipzig: Roboter für Altenheime kommen Ende 2017 auf den Markt

Der 20. Robocup ist seit gestern Geschichte. Die Weltmeisterschaft der intelligenten Roboter begeisterte rund 35 000 Teilnehmer und Besucher auf dem Messegelände. Die Entwicklung intelligenter Roboter aber bleibt von großer Bedeutung – gerade für die älter werdende Gesellschaft. Das Fraunhofer Institut IPA in Stuttgart hat auf Basis eines mobilen Roboters einen Pflegewagen entwickelt, der Ende 2017 serienmäßig auf den Markt kommen und Personal in Altenheimen entlasten soll.

Care-O-bot, der Serviceroboter wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt.

Quelle: Fraunhofer IPA

Leipzig. Die Entwicklung von intelligenten Robotern ist gerade für unsere immer älter werdende Gesellschaft von herausragender Bedeutung. Die LVZ sprach mit Dr. Birgit Graf (44), Leiterin der Gruppe Haushalts- und Assistenzrobotik am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart

Ihr Institut hat den Care-O-bot entwickelt. Was genau ist das?

Der Care-O-bot ist eine Zukunftsvision. Das Projekt läuft seit 1998. Die Idee war, einen Serviceroboter zu entwickeln, der den Menschen als eine Art Heinzelmännchen im Alltag unterstützt und älteren Menschen erlaubt, länger zu Hause selbstständig zu leben. Wir haben angefangen mit einer Art Bildschirm auf Rädern, der als Kommunikations- und Interaktionsplattform genutzt werden konnte und haben nun einen mobilen Serviceroboter mit Armen und Händen, der für verschiedene Hol-und-Bring-Dienste einsetzbar ist. Der zum Beispiel in die Küche fahren und von dort Getränke holen oder die Tabletten bringen kann.

Wie können Ihre Arbeiten der Allgemeinheit nutzen?

Auf Basis der Vorarbeiten mit den verschiedenen Care-O-bot-Generationen konnten wir verschiedene produktnahe Roboter schaffen, die nicht alles können, sondern die ganz speziell auf ein Nutzungsfeld zugeschnitten sind, ähnlich den autonomen Staubsaugern und Rasenmähern. In den nächsten Jahren werden für den Consumer- und häuslichen Bereich immer mehr solcher Spezialisten auf den Markt kommen, weil ein Generalist wie der Care-O-bot einfach noch zu teuer ist. Was wir brauchen, sind Systeme, die – wenn sie in Serie gehen – unter 1000 Euro kosten.

Welche Tätigkeiten sind da denkbar?

Vielfach reicht schon eine Handhabungshilfe, die nicht zwangsläufig in einen Roboter integriert sein muss. Man könnte zum Beispiel einen relativ einfachen Roboterarm an einem Rollator oder Tisch befestigen, der mir beim Essen hilft oder im Bad beim Kämmen, wenn ich meinen Arm nicht mehr über Schulterhöhe heben kann. Den Care-O-bot 4, die jüngste Generation, haben wir modular aufgebaut. Damit kann er einfacher auf eine spezielle Anwendung angepasst werden. Wir können ihn mit seiner vollständigen Ausstattung, also mit zwei Armen und Greifern, zur Verfügung stellen. Man kann ihn aber auch nur als mobile Plattform nutzen. Ausgestattet etwa mit einem Touchscreen, damit er in einem Laden die Kunden und Besucher führen oder Informationen bereitstellen kann.

Kommen Ihre kleinen Helfer schon im Alltag zum Einsatz?

Wir waren mit dem Care-O-bot 3 in verschiedenen Altenheimen. Er hat dort unter anderem Getränke an die Bewohner verteilt. Dehydration ist in der stationären Pflege ein großes Problem, weil die Mitarbeiter gar nicht die Zeit haben, ständig zu überprüfen, ob die alten Menschen ausreichend trinken. Inzwischen haben wir außerdem einen intelligenten Pflegewagen entwickelt, der Verbandsmaterial, Wäsche oder andere Utensilien bringt. Wenn die Pflegekraft bei einem Patienten ist und Bedarf hat, kann sie ihn per Smartphone zum Zimmer rufen. Am Bildschirm kann einfach dokumentiert werden, was an Pflegeutensilien herausgenommen wurde. Das Personal wird so entlastet, hat nicht mehr die leidigen Wege. In einem weiteren Schritt soll der Wagen dann selbstständig auch ins Lager fahren und seinen Bestand wieder auffüllen.

Wann werden diese Geräte standardmäßig im Alltag einsetzbar sein?

Für den Pflegewagen planen wir jetzt in zwei Altenheimen und einer Klinik den Testbetrieb. Die Firma MLR, mit der wir hier zusammenarbeiten, hat das Ziel, ihn Ende nächsten Jahres auf den Markt zu bringen.

Wird der Pfleger im Altenheim oder Krankenhaus in Zukunft kein Mensch mehr sein, sondern eine Maschine?

Der Roboter wird den Menschen in der Pflege nie ganz ersetzen. Pflege hat einen starken interaktiven Aspekt. Sie erfordert Menschlichkeit und Zuneigung. Das kann ein Roboter nicht bieten. Deshalb sehen wir ihn als reines Assistenzsystem.

Von Klaus Staeubert

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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