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App aus Engelsdorf will ein riesiges Problem für Kraftfahrer lösen

Viertes Leipziger Startup-Weekend App aus Engelsdorf will ein riesiges Problem für Kraftfahrer lösen

Berufskraftfahrer haben ein dickes Problem: Sie finden zum Feierabend und nach Ende ihrer Lenkzeit kaum einen Schlafplatz. Die Rasthöfe sind oft von Truckern überfüllt. Eine App soll künftig freie Parkplätze und Geheimtipps für gutes Essen anzeigen. Das Team von „Rollery“ gewann mit dieser Idee den ersten Preis beim vierten Leipziger Startup-Weekend.

Patrick Henschel und viele andere Berufskraftfahrer wünschen sich eine Art Radar, das ihnen zum Feierabend auf dem Smartphone freie Parkplätze anzeigt.
 

Quelle: privat

Leipzig.  Alleine und „mit viel Mut“ machte sich Berufskraftfahrer Patrick Henschel aus Engelsdorf am Freitag auf den Weg zum vierten Leipziger Startup-Weekend. Freunde hatten ihn auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, bei der es darum geht, Gründungsinteressierte mit Unterstützern und Coaches zusammenzubringen. Zwei Tage später, am Sonntagabend, ging der 36-Jährige mit dem ersten Preis aus dem LVZ-Verlagsgebäude nach Hause: „Das ist unfassbar! Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich hatte gehofft, dass sich mir ein bis zwei Leute anschließen, aber das ich gewinne, hätte ich nicht gedacht.“

Der selbstständige Unternehmer hat, wie seine Kollegen, ein dickes Problem: Berufskraftfahrer sind sowieso schon genervt von den Kunden, die ständig anrufen, von den Chefs, die ständig anrufen, und von den stark reglementierten Lenkzeiten. „Wenn wir dann endlich Feierabend haben, finden wir keinen freien Platz zum Anhalten und Schlafen. Die Rasthöfe sind mehr als voll von Truckern.“ Patrick Henschel und seine Kollegen bräuchten deshalb eine Art Radar, das freie Parkplätze am Zielort anzeigt, Geheimtipps für gutes und günstiges Essen und ordentliches Duschen gibt – so dass am Monatsende auch noch etwas Geld übrig bleibt. Gerade wenn man, wie der Leipziger, allein erziehender Vater (einer sechsjährigen Tochter) ist.

Das Team von „Rollery“ um Patrick Henschel gewann den ersten Preis beim Startup-Weekend

Das Team von „Rollery“ um Patrick Henschel gewann den ersten Preis beim Startup-Weekend.

Quelle: Dirk Knofe

Mit diesem Problem traf der Engelsdorfer Berufskraftfahrer beim Startup-Weekend voll ins Schwarze. Sofort fand er fünf Unterstützer, die das ganze Wochenende mit ihm an seiner Idee arbeiteten. Binnen weniger Stunden entstanden eine App namens „Rollery“ und eine Webseite. Die drei Partner aus Leipzig – zwei Softwareentwickler und ein Webdesigner – sind Feuer und Flamme und wollen das Projekt mit Henschel zusammen auf jeden Fall weiterbringen.

„Leidenschaft hat gewonnen“, sagte André Nikolski vom Startup Club Leipzig. Dank des ersten Preises können die „Rollery“-Leute nun erst mal kostenlose Beratungspakete zu Rechtsfragen und Crowdfunding in Anspruch nehmen. Brigitte Brück vom Amt für Wirtschaftsförderung will ihnen konkrete Instrumente der Wirtschaftsförderung an die Hand geben. Auch sie war begeistert: „Ein tolles Projekt, das ein wirkliches Problem lösen kann. Es geht um Logistik und Mobilität, das ist ganz wichtig für Leipzig.“ Ende der Woche hat Patrick Henschel bereits Termine mit zwei möglichen Investoren.

Zum vierten Leipziger Startup-Weekend waren 50 Leute gekommen, die 27 Ideen vorstellten. An jenen zehn Projekten, die die meisten Stimmen erhielten, wurde weitergearbeitet. Wer „raus“ war, konnte sich einem anderen Team anschließen. Zur fünfköpfigen Jury gehörte auch Stefan Berthold vom Beteiligungsmanagement der Mediengruppe Madsack aus Hannover: „Wir machen intern sehr viel mit neuen Portalen, aber man kann nicht alle Ideen selbst haben. Deshalb muss man am Markt unterwegs sein und sehr früh den Kontakt zu interessanten Unternehmen finden.“

Weitere Preise gewannen ein Projekt, dass eine Sehschwäche bei Kindern auf spielerische Art beheben will, eine App, die den Sound der Straße einfängt, oder ein Baukastensystem, das schon kleine Kinder zum Programmieren befähigt. Die Abschlussveranstaltung fand komplett auf Englisch statt.

Mehr im Netz: www.patrick-henschel.de

 

Von Kerstin Decker

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