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Lokales Ronald McDonald's Haus: Jetzt auch alle Ehrenamtler suspendiert
Leipzig Lokales Ronald McDonald's Haus: Jetzt auch alle Ehrenamtler suspendiert
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22:42 22.02.2010
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Mit ihm wurde auch - wie es hieß - allen dort tätigen Ehrenamtlern (die Rede ist von 60) dieser Tage die Zusammenarbeit bis auf Weiteres aufgekündigt.

Sie hatten sich, wie berichtet, mit einer "Leipziger Erklärung" an den Stiftungsrat der McDonald's Kinderhilfe gewandt: Die Stiftung erlaubt den Freiwilligen, die bislang rund um die Uhr so gut wie alles managten, was in so einem Übernachtungshaus für Eltern schwerkranker Kinder an Arbeit anfällt, die Mithilfe jetzt nur noch bis zu drei Stunden in der Woche. "Eine Wunschvorstellung, die meilenweit von der Realität entfernt ist", hatte sich unter anderem Ehrenamtlerin Simone Ringel geäußert. "Wir waren bemüht, gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand eine für das Leipziger Ronald McDonald's Haus praktikable Lösung zu finden", so eine weitere Freiwillige, Gerlinde Thiele-Strauch.

Es gab denn auch Gespräche, doch die Unstimmigkeiten über das Drei-Stunden-Modell zwischen den Arbeitenden vor Ort (sprich auch Hausleiter Lindner) und dem in München ansässigen Stiftungsrat eskalierten. Mit dem bekannten Ergebnis.

Jetzt trafen sich all jene Suspendierten, die nicht gerade irgendwo im Dienst waren. Zusammen kamen 35. Sie verfassten und unterschrieben einen Offenen Brief an den Stiftungsvorstand: "Nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir uns als sozial engagierte und deshalb ehrenamtlich tätige Bürger zutiefst in unserer Würde verletzt fühlen. Wir empfinden es als einen Schlag ins Gesicht, wenn ein jahrelanger Einsatz für eine gute Sache am Ende mit einem de facto Rauswurf belohnt wird", heißt es darin. Und: "Meinungsfreiheit und Mitbestimmung sind wesentliche Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und müssen deshalb auch zu den Grundregeln einer Non-Profit-Organisation gehören und fester Bestandteil der Unternehmenskultur sein."

Ein Großteil der im McDonald's Kinderhaus eingesetzten Ehrenamtler war durch Leipzigs Freiwilligen-Agentur vermittelt worden. Die hatte, wie ebenfalls berichtet, die Stiftung dieser Tage erst einmal von ihrer Angebotliste gestrichen.

Der Stiftungsrat selbst hatte sich bislang zu den Vorgängen nicht geäußert. Auf wiederholte LVZ-Anfrage ließ er nun durch Sprecherin Claudia von Bothmer immerhin wissen, dass "anhand der vielen Reaktionen in Leipzig" zu sehen sei, dass "Herr Lindner beliebt war, seine Arbeit geschätzt wurde". "Nun ist aber leider etwas vorgefallen, das die Stiftung zum sofortigen Handeln gezwungen hat. Aus arbeitsrechtlichen Gründen darf ich mich hierzu leider nicht weiter äußern."

Mit Blick auf die vielen suspendierten Ehrenamtler räumte Bothmer die "grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über die Ausführung des Ehrenamtes nach den Regeln der McDonald's Kinderhilfe Stiftung" ein. Man nehme jedoch die Anregungen und Beschwerden "sehr ernst" (und will dafür jetzt offenbar auch Geld für eine Studie in die Hand nehmen): "Wir haben uns entschlossen, die Forderung zur Veränderung unseres bewährten Drei-Stunden-Modells baldmöglichst in einer wissenschaftlichen Evaluation überprüfen zu lassen", so Bothmer. Und auf die Frage, was denn so schlimm daran sei, wenn in Leipzig Ehrenamtler freiwillig und unbezahlt länger als drei Stunden wöchentlich mitarbeiten wollen - selbst wenn bundesweit in anderen der 16 McDonald's Häuser das Drei-Stunden-Modell vorgeblich "erfolgreich" läuft - argumentiert sie: Das Modell schaffe "verlässliche Strukturen", schütze den ehrenamtlichen Mitarbeiter "vor seelischem Verschleiß". Es "entstünden keine Hierarchien" der Freiwilligen, sondern schaffe "eine organisatorische Grundlage der Gleichbehandlung".

Angelika Raulien

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