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Lokales Rosenkrieg und gesiebte Luft: Immer mehr Schüler besuchen Leipziger Amtsgericht
Leipzig Lokales Rosenkrieg und gesiebte Luft: Immer mehr Schüler besuchen Leipziger Amtsgericht
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23:53 06.01.2015
Richterin Birgit Riedel und Amtsgerichts-Mitarbeiter Marco Litschke managen den Besuch von Klassen und Gruppen. Quelle: André Kempner

Eine halbe Stunde vor Beginn des Strafprozesses, den Zehntklässler vom Reclam-Gymnasium verfolgen wollen, setzt der 40-jährige Geschäftsstellen-Mitarbeiter die Schüler ins Bild.

Denn im Justizgebäude an der Bernhard-Göring-Straße 64 werden längst nicht nur Straftäter verurteilt, wie so manch einer glaubt, sondern beispielsweise am dazugehörigen Familiengericht auch Ehen geschieden, wird über Unterhalt und Sorgerecht verhandelt. Derweil hält das Grundbuchamt Besitzverhältnisse fest, während Zivilrichter über Schmerzensgeldansprüche entscheiden. Zögernd wirft beim Frage-Antwort-Spiel ein 16-Jähriger sein Wissen in die Runde: Es gehe hier auch um Erbschaften, die Zwangsversteigerung von Häusern und pleite gegangene Firmen-

Aber wo nun sitzt im Saal 218 der Angeklagte, wenn gleich der Prozess beginnt? "An dem kleinen Tisch in der Mitte", mutmaßt eine Schülerin. Doch damit liegt sie falsch. "In der Mitte nimmt der Zeuge Platz, er wird dann von allen Seiten befragt - vorn sitzen die Richter, linker Hand der Angeklagte plus Verteidiger und rechter Hand der Staatsanwalt sowie Sachverständige", lautet die richtige Antwort.

Jedes Schuljahr melden sich gleich mehrere Dutzend Gruppen und auch Klassen aus Leipzig sowie der Region bei Richterin Birgit Riedel, der zuständigen Referentin, sowie Koordinator Litschke an. Um die 100 waren es zuletzt. Ihr Interesse bekunden Förder- und Oberschüler, Gymnasiasten, Auszubildende, Umschüler oder auch Abordnungen von Bildungsträgern, von Bundes- und Landespolizei, der Bundeswehr. "Die Tendenz ist steigend", sagt Riedel. "Wir können aber nicht gleich jeden Wunsch beziehungsweise Termin erfüllen." Manchmal müsse aufs nächste Schuljahr vertröstet werden, fügt die 55-jährige Juristin hinzu. "Denn meist türmen sich in den letzten vier Wochen vor den Ferien die Anmeldungen", weiß Litschke. Zudem ließen sich komplette Klassen nur in den wenigsten Verhandlungssälen unterbringen, die meisten hätten ja nur zehn Zuschauerplätze.

"Und 99 Prozent der Interessenten wollen nun mal eine Strafverhandlung sehen. Wenn dann ein Häftling in Handschellen vorgeführt wird, hinterlässt das den größten Eindruck", erzählt Koordinator Litschke. Auch über die enorme Größe des Amtsgerichtes seien viele bass erstaunt. Übrigens gab es auch schon wirklich ganz junge Besucher - und zwar aus Kindergarten-Gruppen, wie Mitarbeiterin Renate Radelow berichtet. "Sie nehmen aber nicht an Verhandlungen teil, da sind sie noch viel zu klein, sondern gucken sich bei einer kleinen Führung die Poststelle und die Hafträume an, malen Bastelbögen von der Polizei aus."

Bei seiner juristischen Einführung im Eilzugtempo leistet Litschke auch gleich noch Präventionsarbeit: "Finger weg von Drogen, behaltet in der Disko auch immer schön euer Glas im Blick", rät er den Jugendlichen dringend.

www.amtsgericht-leipzig.de; Telefonnummer: 0341 49400

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.01.2015

Sabine Kreuz

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