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Lokales Trotz Wut auf die Stadtverwaltung: Tausende Jecken ziehen durch Leipzig
Leipzig Lokales Trotz Wut auf die Stadtverwaltung: Tausende Jecken ziehen durch Leipzig
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21:13 11.02.2018
So bunt war der 19. Leipziger Rosensonntagsumzug. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Mit so zwiespältigen Gefühlen sind Leipzigs Karnevalisten sicher noch nie zu einem Rosensonntagsumzug angetreten. Um es vorwegzunehmen: Trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt erlebte die 19. Ausgabe deutlich mehr Publikum als im Vorjahr.

Zehntausende Schaulustige säumten die Wegstrecke durch die City, ließen sich von Bonbon-Salven und etlichen Tanzeinlagen in beste Stimmung versetzen. Kaum ein Kind war zu sehen, das nicht als Einhorn, Löwe oder Hexe verkleidet dem Umzug begeistert winkte.

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Tausende Narren sind am Sonntag zum traditionellen Rosensonntagsumzug durch Leipzig gezogen.

Dennoch sah es in den Herzen Hunderter Mitwirkender, die den Karnevalshöhepunkt komplett ehrenamtlich gestalten, gar nicht fröhlich aus. „Sprechen Sie bloß nicht so laut – wir dürfen nur noch mit 70 Dezibel zu hören sein“, sagte ironisch Jürgen Kottenstein von der Pfarrgemeinde St. Gertrud in Engelsdorf, die seit Jahren die mächtigste Konfetti-Kanone zum Umzug beisteuert.

Hohe Auflagen der Stadt

„Die Auflagen der Stadt werden immer höher geschraubt“, so Verena Hesse, Präsidentin vom Grünauer Garneval Glub. „Dabei müssen wir alle Kosten selber tragen oder bei Sponsoren einwerben. Man hat den Eindruck, das Marktamt hat keinerlei Lust auf Fasching in Leipzig.“ Auch deswegen stand der Umzug unter dem Motto „Wir feiern bunt in Leipzigs Herzen – das lassen wir uns nicht verscherzen!“.

Allein die Sanitäterstation auf dem Markt koste 5000 Euro, sagte Zug-Cheforganisatorin Susanne Wendt. Das Sicherheitskonzept insgesamt noch mehr. Wegen des (zumeist blau-gelben) Konfettis gebe es ebenfalls zunehmend Probleme mit der Stadtreinigung.

Beschwerden von Anwohnern

„Und nur, weil sich wenige Anwohner über den Lärm beklagt haben, laufen jetzt tatsächlich Leute mit Dezibel-Messgeräten neben unserem Zug herum. Das ist doch ein schlechter Witz“, meinte die gestandene Karnevalistin. „Wir brauchen nur wenige Stunden am Sonntagnachmittag – und das auch nur einmal im Jahr.“

Im Ergebnis fuhren diesmal nur reichlich 20, jedoch toll geschmückte Wagen durch die City. Einige Teilnehmer hatten abgesagt, weil ihnen Aufwand und Kosten zu hoch wurden. Vorneweg rollte das Förderkomitee mit einem Protest-Wagen, dessen Schaubild forderte, den Leipziger Fasching weiter auf dem Markt zu feiern – und nicht etwa auf den tristen Wilhelm-Leuschner-Platz zu verlegen. Über diese Idee, die auch aus dem Rathaus stammen soll, können die Narren gar nicht lachen.

Leila helau! Ab sofort haben in der Leipziger Innenstadt beim Rosensonntagsumzug das sagen!

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Sonntag, 11. Februar 2018

Auf der Markt-Bühne erhielt René Vetter, Präsident vom Faschingsclub Weidenhain, das „Goldene Wagenrad“ für den witzigsten Wagen überreicht. „Lasst euch nicht unterkriegen von all den Vorschriften!“, rief er ins Publikum. „Wie Leipzig Fasching feiert, ist spitze. Und zum 20. Rosensonntagsumzug im nächsten Jahr sollte OBM Jung mit vorneweg gehen!“

Jens Rometsch

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