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Lokales Ruderunfall am Palmengartenwehr: Nachwuchsboot stürzt in Elsterflutbecken
Leipzig Lokales Ruderunfall am Palmengartenwehr: Nachwuchsboot stürzt in Elsterflutbecken
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15:42 10.03.2010
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Leipzig

Ihr Boot trieb ab und stürzte das Palmengartenwehr hinunter. Ein Junge starb, sein Sportkamerad verletzte sich schwer und behielt bleibende Schäden zurück.

Es sollte ihr erstes Rennen sein. Die fünf Sportler der Rudervereinigung (RV) Dessau machen sich am 13. April 2008 für das Anfängerrennen im Vierer mit Steuermann bereit. Auf dem Weg zum Startpunkt müssen sie auf der Weißen Elster noch eine Kurve fahren. Eine tückische Stelle für die unerfahrenen Sportler. Nur wenige Meter entfernt befindet sich das Palmengartenwehr, dahinter das rund vier Meter tiefer gelegene Elsterflutbecken. Der Fluss führt an diesem Tag Hochwasser. Das Wehr ist wegen Bauarbeiten nur auf einer Seite geöffnet. Rund 80 Kubikmeter Wasser rauschen hier pro Sekunde herunter. An normalen Tagen sind es gerade 15 Kubikmeter.

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_814]Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Dessauer geraten in die Sogwirkung des Wehrs und werden immer dichter an den Abgrund gezogen. Gegen die Kraft des Wassers kommen die zehn bis zwölf Jahre alten Schüler nicht an. Die drei Jungen und zwei Mädchen stürzen hinunter, ihr Boot zerbricht. Der zwölfjährige Maximillian sitzt ganz hinten im Boot. Von ihm fehlt fortan jede Spur. Erst nach zweieinhalb Wochen findet die Polizei die Leiche des Jungen rund einhundert Meter hinter der Zeppelinbrücke am westlichen Ufer des Elsterflutbeckens.

Auch der ein Jahr jüngere Steuermann Martin bleibt zunächst verschwunden. Minuten ist der Junge unter Wasser. Helfern gelingt es schließlich, ihn zu retten. Er wird reanimiert und liegt danach tagelang in der Leipziger Universitätsklinik im Koma. Den Ärzten gelingt es schließlich, ihn zu wecken.  Er überlebt, behält aber bleibende Schäden zurück.

Dramatische Rettungsaktion

am Palmengartenwehr

Ein weiteres Mädchen wird in einer dramatischen Aktion von einem Abiturienten aus Halle vor dem Ertrinken bewahrt. Die anderen beiden haben Glück und schaffen es allein ans Ufer. Nach dem ersten Schock stellen sich Betreuer und Beobachter bald die Frage: Wie konnte dieses Unglück passieren und wer ist dafür verantwortlich?

Klären soll dies nun das Amtsgericht Leipzig. Dort müssen sich Yvonne S. und Ines M., zwei Rudertrainerinnen aus Dessau, ebenso verantworten wie Jens G. der Chef des veranstaltenden Leipziger Vereins SV Triton. Angesetzt sind bis zum 1. April sieben Verhandlungstage.

Für Marco Bennewitz, den Verteidiger von Ines M., ist die entscheidende Verfahrensfrage, ob das Unglück „objektiv vorhersehbar“ war. „Es ist zu klären, ob meine Mandantin mit dem Unfall rechnen musste“, meint der Rechtsanwalt aus Dessau.

Genau davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Das Unglück hätte vermieden werden können, wenn die Verantwortlichen ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen wären. Umstritten ist vor allem, ob die Kinder wegen des erhöhten Pegelstandes überhaupt auf die Strecke gedurft hätten.

Regatta war nicht angemeldet

Der SV Triton hatte es versäumt, die Regatta bei der Unteren Wasserbehörde in Leipzig anzumelden. "Wir haben damals gar nicht gewusst, dass das nötig war", sagte Vereinschef G. einige Monate nach dem Unglück. Auch bei anderen Vereinen herrschte über diese seit 1998 bestehende Pflicht Unklarheit. Vier Wochen nach dem Unfall, so G., habe es deshalb ein Zusammentreffen mit Vertretern der Stadt gegeben, um die Sportverantwortlichen zu schulen.

Die Stadt erklärte damals, auch ohne Genehmigung hätte die Regatta bei den vorherrschenden Verhältnissen abgeblasen werden müssen. Ein roter Ball habe am Palmengartenwehr vor möglichen Gefahren gewarnt. "Er wird bei 30 Kubikmetern Wasser pro Sekunde gezogen", erklärt Dietmar Richter, Sachgebietsleiter bei der Unteren Wasserbehörde. Allen ortsansässigen Wassersportvereinen gelte dies als Signal "Achtung Hochwassergefahr - Fahrbetrieb einstellen".

Zusätzlich warne eine Bojenkette und ein Schild rund 50 Meter vor dem Abhang. Netze oder fest verankerte Balken genau vor dem Wehr seien dagegen nicht sinnvoll. "Dort würde sich ständig Treibholz verfangen", sagt Richter.

Unglücksursache bis heute unklar

Trotz der vor knapp zwei Jahren vorherrschenden Bedingungen meint Rainer Surke, Vorsitzender der RV Dessau: "Der Vierer ist als Großboot eigentlich sicher.“ Ihm ist bis heute nicht klar, wie das Unglück genau passiert ist. In Gesprächen hat er versucht, das Geschehen zu rekonstruieren. "Das Boot ist wahrscheinlich zu senkrecht herausgekommen und hat die Kurve nicht eng genug gefahren.“ Dadurch sei es dann in die Strömung zum Wehr geraten. Möglicherweise habe die Unerfahrenheit der Mannschaft dazu geführt, dass sie den Fehler nicht mehr korrigieren konnte.

Vor dem Rennen sind die Gästeteams durch den Veranstalter RV Triton eingewiesen worden. "Da haben wir auf das Palmengartenwehr aufmerksam gemacht", beteuert Triton-Chef G.  immer wieder. Auch das Hochwasser und die stärkere Strömung seien damals Thema der Mannschaftsleiter-Besprechung gewesen. "Wir selbst haben bewusst die Strecke geprüft, auch den Bereich des Unfalls. Er war nicht bedenklich“, versichert G.

Matthias Roth

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