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Lokales Rückmarsdorferin päppelt verwaiste Igelkinder auf
Leipzig Lokales Rückmarsdorferin päppelt verwaiste Igelkinder auf
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12:02 27.11.2018
Steffi Rühle (68) aus Rückmarsdorf zieht Igelkinder groß und bringt sie über den Winter Quelle: Kerstin Decker
Leipzig

„Alle Leute rennen in den Zoo. Sie kennen die Exoten, aber über die heimischen Wildtiere wissen sie immer weniger“, beklagt Steffi Rühle. Die Rückmarsdorferin hält es anders – sie schaut besonders hin, wenn es um Igel geht.

Und da ist unübersehbar, dass die Stacheltiere diesen Sommer unter der außergewöhnliche Hitze und Trockenheit zu leiden hatten. Knochenharte Böden haben es ihnen sehr schwer gemacht, nach Insekten und Würmern zu buddeln. Zudem fehlten Wasserpfützen zum Trinken. „Wahrscheinlich waren viele Igelmütter so geschwächt, dass sie ihren ersten Wurf nicht groß bekommen haben. Für den zweiten Wurf war die Zeit bis zum Frosteinbruch dann aber zu knapp.“

So viele Pfleglinge wie noch nie

Seit vielen Jahren päppelt die 68-Jährige im Spätherbst untergewichtige Baby-Igel auf, damit sie den Winter überstehen. Dieses Jahr hat sie so viele Pfleglinge wie noch nie gebracht bekommen – denn ihre Igel-Sympathie hat sich herumgesprochen. Bei Tierfreunden, Tierärzten oder bei der Igelstation in Altenburg, wo Steffi Rühle sich selbst Rat holt. Genauso wie beim ortsansässigen Tierarzt. Immer wieder bekommt die ehemalige Turn-Trainerin Anrufe, ob sie noch Platz für weitere Tiere hat. Der Kleinste, der ihr dieses Jahr gebracht wurde, wog gerade mal 64 Gramm – und hat es geschafft.

Gefüttert und in den Winterschlaf entlassen

Derzeit kann die Rückmarsdorferin ihr Arbeitszimmer und den Wintergarten nur eingeschränkt nutzen, weil sie dort lauter große Pappkartons aufgestellt hat, in denen junge Igel leben und leise vor sich hin rascheln. Tags schlafen sie, nachts sind sie aktiv. Gestorben ist bisher nur ein Tier. Eine ganze Anzahl hat Steffi Rühle dafür bereits in den Winterschlaf entlassen können. Ihr Mann, ein Rückmarsdorfer Unternehmer, trägt die „Igelei“ mit, die seine Frau komplett aus eigener Tasche finanziert.

Babyigel gefunden –was tun?

Naturschutz: Igel sind Wildtiere und stehen unter Naturschutz. Normalerweise dürfen sie nicht aus der Natur entfernt werden. Doch untergewichtige Jungtiere, die jetzt, Ende November, kurz vor dem Frost noch alleine unterwegs sind, brauchen Hilfe. Wahrscheinlich sind ihre Mütter schon in den Winterschlaf gefallen. Dazu suchen sie meist im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad ein Winterquartier auf.

Unterbringung: Zum artgerechten Gesundpflegen und Aufpäppeln bringt man sie in einen hellen, trockenen Raum mit rund 20 Grad sowie Futter und Wasser. Igel sind Einzelgänger, jedes Tier benötigt eine eigene Unterkunft mit einem Schlafhäuschen. Nachts sind sie aktiv, wandern herum und suchen Nahrung.

Futter: Um einen untergewichtigen Igel aufzupäppeln, eignet sich nasses oder trockenes Katzenfutter. Keinesfalls darf ein Igel Milch bekommen, daran könnte er sterben – nur Wasser. Bei schwachen Tieren kann es nötig sein, Brei oder ungesüßten Tee mittels einer Plastik-Einwegspritze einzuflößen.

Tierarzt: Wenn das Tier verletzt oder krank ist oder wenn es nicht alleine fressen kann, gehört es unverzüglich zum Tierarzt..

Winterschlaf: Erst wenn ein Jungigel 600 bis 700 Gramm auf die Waage bringt, kann er den Winterschlaf antreten. Er besitzt nun ausreichend Fettreserven als Kälteschutz und Nahrungsvorrat. Dann sollte ihm der Mensch einen Schlafplatz bei Außentemperaturen im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse bereiten.

Auswilderung: Im Frühjahr können die Igel ins Freie entlassen werden.

Kranke Tiere brauchen den Tierarzt

Viele Leute meinen es zwar auch gut mit den Stacheltieren, machen aber vieles falsch. „Sie bringen die kleinen Fundigel in den kalten Keller. Dort nehmen sie aber nicht zu, sondern sie müssen erst mal ins Warme“, betont die Rentnerin. „Und die Leute warten auch zu lange, bis sie zum Tierarzt gehen. Ein Igel mit Durchfall braucht aber Medikamente“, stellt sie klar. Das Argument der „natürlichen Auslese“ lässt sie nicht gelten: „Das war in Ordnung, als die Natur noch in Ordnung war, aber das ist sie nicht mehr.“

Den Garten tiergerecht machen

Der Mensch kann einiges tun, um den Igeln bessere Bedingungen zu bieten: Laub und Totholz im Garten liegen lassen; den Tieren einen kleinen Durchschlupf am Zaun bieten; auf Gifteinsatz verzichten, vorm Einsatz von Rasenmähern oder Rasenrobotern unter Hecken und Büsche schauen, ob dort womöglich Igel leben. Steffi Rühle markiert ihre Pflegeigel übrigens mit einem kleinen Tupfer Nagellack auf den Stachelspitzen. So konnte sie nach vier Jahren einen ihrer Schützlinge wiedererkennen, als er wieder in ihrem Garten war.

Das Leipziger Igelschutzzentrum gibt es nicht mehr. Rat finden Interessierte über die Facebookgruppe „Hilfe für Igel in und um Leipzig“ oder bei der Igelstation in Altenburg. Mit weiteren Leipziger Tierfreunden trägt sich Steffi Rühle mit dem Gedanken, nächstes Jahr selbst einen Igelschutz-Verein zu gründen.

Von Kerstin Decker

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