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Rund 700 Menschen besuchen am Sonntag ersten Gottesdienst im Paulinum

Rund 700 Menschen besuchen am Sonntag ersten Gottesdienst im Paulinum

Sonntag am Augustusplatz: Auf der Baustelle des Paulinum wird ein Universitätsgottesdienst gefeiert. 700 Besucher werden eingelassen, hunderte verfolgen draußen über Lautsprecher das historisch zu nennende Ereignis.

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Für die musikalische Begleitung des ersten Gottesdienstes im Paulinum sorgten der Universitätschor und das Pauliner Barockensemble.

Quelle: André Kempner

Peter Zimmerling, der zweite Universitätsprediger, bringt es in seiner Predigt auf den Punkt: "Hätte jemand nach der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli gesagt, auf diesem historischen Grund wird irgendwann wieder ein Gottesdienst stattfinden, dann wäre er für geisteskrank erklärt worden." Irgendwann ist dieser 6. Dezember und der zweite Advent 2009. Gottlob musste also nur die Zeitdauer einer reichlichen Generation vergehen, bis so ein Traum Wirklichkeit wird.

An die Tage im Mai 1968 kann sich Martin Petzoldt, der gerade emeritierte Theologie-Professor und Erste Universitätsprediger, noch sehr genau erinnern. Als 22-jähriger Student der Theologie hielt er am 21. Mai 1968 die letzte so genannte Seminarpredigt. Petzoldt: "Zwar war die Sprengung da noch nicht verkündet, doch das Ende dieser Kirche schwebte quasi über uns. Die Neugestaltung des Karl-Marx-Platzes war ja schon publik gemacht geworden, und in den Abbildungen fehlte diese Jahrhunderte alte Kirche." Am 28. Mai, also zwei Tage vor der Vernichtung des Gotteshauses, trug dann Petzoldts Theologie-Lehrvater Professor Dedo Müller das Kruzifix aus der Kirche. 41 Jahre später trägt es zu Beginn des Gottesdienstes Petzoldt zum provisorischen Altar. "Mehr Symbolik kann nicht sein", freut sich der Universitätstheologe.

Es ist ein Morgen voller Emotionen, der im künftigen Aula-Kirche-Raum - die Universität sagt dazu Paulinum, für die Theologen und den Paulinerverein ist es der Neubau der Universitätskirche St. Pauli - gut anderthalb Stunden Ereignis wird. Die große Resonanz spricht dabei für sich. "Leipzig ist Leipzig", meint Manfred Rudersdorf, der an der Universität die Verantwortung für die sechsbändige Geschichte der Alma mater trägt. Glücklich, die Ausrichtung des Gottesdienstes realisiert zu haben, ist vor allem der Paulinerverein. Um älteren Menschen Sitzmöglichkeiten zu bieten, wurden sogar tags zuvor aus anderen Leipziger Kirchen Bänke herangeschafft.

Zufrieden ist Martin Oldiges, Vorstand der Stiftung Universitätskirche St. Pauli. Man verfolge das Ziel, dass dieses Haus christlich, künstlerisch und akademisch genutzt werden kann. Der Gottesdienst sende ein eindeutiges Signal. Auch bei weiteren Fragen stehen laut Oldiges die Zeichen eher auf Versöhnung denn Konfrontation. Der emeritierte Jurist stellt sich symbolisch vor jene Säule, an die dereinst die Kanzel kommen wird. Das Geld für die Restaurierung sei da. Ganz vorn im Gottesdienst sitzt Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff. Er hat wohl schon vor Augen, wie der Neubau mit dem Altar der Paulinerkirche, der heute noch als Leihgabe St. Thomas ziert, aussehen wird. Oldiges: "Dass dieser Altar an seinen ursprünglichen Ort zurück kommen wird, ist auch eine schöne Genugtuung dieses besonderen Tages."

 

Neu im Amt wendet sich der Erste Universitätsprediger Rüdiger Lux an die Gemeinde. Vor 2500 Jahren habe man in Jerusalem den Grundstein für den von den Babyloniern vernichteten Tempel gelegt. Damals habe man noch vor dem Nichts gestanden. "Wir aber sind weiter und können stolz auf den Bau sein. Wenn Sie nach oben sehen, erkennen Sie erste Details davon, wie dieses Haus einmal aussehen wird."

Mit Rührung verlassen nach anderthalb Stunden die 700 Gäste den Gottesdienst. Alle haben vor allem einen Wunsch: Dass zügig und ohne Streit weiter gebaut wird.

Thomas Mayer

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