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Runde Ecke erinnert an DDR-Unrecht

25-Jähriges Runde Ecke erinnert an DDR-Unrecht

Zwischendurch seien ihm schon mal Zweifel gekommen, ob das Thema noch auf öffentliches Interesse stößt, sagt Tobias Hollitzer. Der Leiter des Museums in der "Runden Ecke" erinnert sich gut daran, wie manche gern einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der SED-Diktatur gezogen hätten.

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Museumsleiter Tobias Hollitzer in der "Runden Ecke" am Leipziger Dittrichring 24: Von der Notwendigkeit der Stasi-Ausstellung ist er überzeugt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Zwischendurch seien ihm schon mal Zweifel gekommen, ob das Thema noch auf öffentliches Interesse stößt, sagt Tobias Hollitzer. Der Leiter des Museums in der "Runden Ecke" erinnert sich gut daran, wie manche gern einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der SED-Diktatur gezogen hätten, auf dass fortan Ostalgie-Shows im Fernsehen das Geschichtsbild der DDR prägen.

Faszinierend findet er, dass plötzlich ein Film - "Das Leben der Anderen" aus dem Jahr 2006 - dies wieder änderte.

Knapp zwei Millionen Besucher haben die am 31. August 1990 eröffnete Ausstellung "Stasi - Macht und Banalität" mittlerweile besucht. Mit jährlich über 130 000 Gästen zählt die Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" in Trägerschaft des Bürgerkomitees Leipzig zu den bestbesuchten Museen der Stadt. Gerade auch jüngere Leute zeigten wieder ein stärkeres Interesse an ihrer Herkunft und der Geschichte ihrer Eltern und Großeltern. "Sie erschrecken, was in der Diktatur möglich war, und sind erstaunt über die Friedliche Revolution", hat Hollitzer beobachtet. Der authentische Ort, die ehemaligen Arbeitsräume der Stasi böten einen ganz anderen Zugang als Geschichtsbücher. "Im Grunde ist diese Ausstellung selbst schon ein museales Objekt" findet Hollitzer. Die Frage einer Modernisierung des Konzepts habe im Raum gestanden. Aber Umfragen unter den Besuchern seien eindeutig gewesen: Rund 85 Prozent fanden die Ausstellung gut, so wie sie ist. "Es ist ein zentraler Erinnerungsort für Leipziger und Gäste der Stadt, ein Symbol für die Forderung 'Keine Gewalt'", so Hollitzer. Ihm sei das deutlich geworden, als zum Lichtfest 2009 an der "Runden Ecke" 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution wieder zu Tausenden Kerzen hingestellt wurden - so wie 1989.

Die heutigen Rufe "Wir sind das Volk" aus den Reihen von Legida findet er "schwer erträglich". Dies habe nichts mit '89 zu tun, sagt Hollitzer. Er finde aber auch die Versuche, diese Demonstrationen zu verhindern, problematisch. Die Legida-Demonstranten hätten dieselben 1989 erkämpften demokratischen Grundrechte wie alle anderen. "Das müssen wir ertragen, uns aber mit diesen Positionen sehr kritisch auseinandersetzen, um Demagogen den gesellschaftlichen Resonanzboden zu entziehen", meint er.

Heute Abend veranstaltet das Bürgerkomitee aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Museums in der "Runden Ecke" einen Festakt für geladene Gäste im Neuen Rathaus. Bereits am Wochenende gab es Sonderführungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge und gestern Nachmittag für Museumsbesucher Kaffee und Kuchen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.08.2015

Weitere Informationen zur Gedänkstätte in der "Runden Ecke"

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