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SPD-Politiker will mit „Räumen der Stille“ Alternative zu Salafisten schaffen

Flüchtlinge in Leipzig SPD-Politiker will mit „Räumen der Stille“ Alternative zu Salafisten schaffen

Dass die Flüchtlingskrise der als Salafisten-Zentrum geltenden Al-Rahman-Moschee in Leipzig großen Zulauf beschert, kommt offenbar nicht überraschend. Für gläubige Sunniten mangele es an Angeboten, sagt Leipzigs SPD-Chef Hassan Soilihi Mzé. Eine Alternative sieht er in konfessionsübergreifenden „Räumen der Stille“.

Betende in der Al-Rahman-Moschee.
 

Quelle: dpa

Leipzig. Dass die Flüchtlingskrise der von Verfassungsschützern mit Argwohn beäugten Al-Rahman-Moschee  einen besonders großen Zulauf beschert, kommt offenbar nicht ganz überraschend. „Für gläubige Sunniten aus dem arabischen Raum mangelt es in Leipzig jenseits der Al-Rahman-Moschee an Angeboten – beispielsweise arabischen Freitagsgebeten oder arabischsprachiger Seelsorge“, sagt Leipzigs SPD-Vorsitzender Hassan Soilihi Mzé. Für viele Flüchtlinge, gerade aus dem Bürgerkriegsland Syrien, stelle sich daher in Leipzig die Frage: „Praktizierst Du in der Al-Rahman deinen Glauben oder praktizierst Du ihn gar nicht.“ Eine Alternative sieht der katholische Politiker in konfessionsübergreifenden „Räumen der Stille“

Wie berichtet, sehen Sachsens Verfassungsschützer in der Moschee in der Roscherstraße ein Zentrum der Salafistenszene, in dem zunehmend Flüchtlinge aus und ein gehen. Vertretern dieser sunnitischen Islamströmung wird vorgeworfen, Demokratie und Grundgesetz abzulehnen, stattdessen die Scharia anzuerkennen. Bundesweit soll es 10 000 Salafisten geben. Ihre Zahl steigt seit Jahren. Mit seiner rückwärtsgewandten Islam-Auslegung, der Ablehnung einer theologischen Modernisierung und der Einstellung zur Vollverschleierung gilt der Salafismus als Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten.

Vergangenes Jahr kamen nach Rathausangaben 1997 Asylsuchende neu nach Leipzig, ein Viertel davon waren Syrier. Mit mehr als 4500 Menschen stellen Syrer in Leipzig mittlerweile die zweitgrößte Migrantengruppe nach den Russen. In Syrien sind drei Viertel der Bevölkerung Sunniten; sie werden von einer alawitischen Minderheit beherrscht, der auch das Assad-Regime angehört.

In Leipzig gibt es neben der Al-Rahman-Moschee zwar noch sechs weitere Gebetshäuser für Muslime. Aber weder die Eyüp-Sultan-Moschee des Dachverbandes Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) in der Hermann-Liebmann-Straße noch die schiitische Takva-Moschee in der Rosa-Luxemburg-Straße oder gar die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde, die von der Mehrheit der Muslime abgelehnt wird, sind für arabischsprachige Sunniten in Leipzig eine religiöse Alternative. „Darüber brauchen wir in der Stadt eine gesellschaftliche Debatte, um Radikalen das Wasser abzugraben", fordert Soilihi Mzé. Notwendig sei, Ersatzangebote zu schaffen. Die verfassungsgemäße Trennung von Staat und Religion verbiete dies zwar der Kommune. Dennoch ist der SPD-Politiker überzeugt, dass Stadt, Stadtrat, Kirchen und muslimische Akteure sich dieser Herausforderung stellen müssen.

Soilihi Mzé könnte sich „Räume der Stille“ vorstellen, wie es sie beispielsweise an Flughäfen gibt. Dort können sich Menschen verschiedenen Glaubens zum Gebet zurückziehen. Hier sieht Soilihi Mzé auch eine Aufgabe für den Flüchtlingsrat, den Migrantenbeirat sowie für das Referat für Migration und Integration im Rathaus. „In Leipzig mangelt es nicht an zivilgesellschaftlichen Akteuren“, sagt er, „unser Problem ist: Das Thema hat bislang niemand auf dem Radar.“ Und solange es keine Alternativen gibt, könne der Imam der Salafisten-Moschee weiter „unter den Flüchtlingen wildern“.

Von Klaus Staeubert

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