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Saale-Elster-Kanal erlebt Comeback – Alte Papiere von 1934 befeuern neue Pläne

Leipziger Gewässernetz Saale-Elster-Kanal erlebt Comeback – Alte Papiere von 1934 befeuern neue Pläne

Von der Öffentlichkeit weitgehend verborgen, erlebt der schon totgesagte Saale-Elster-Kanal gerade eine Wiedergeburt: In Sachsen-Anhalt wird enorm viel Druck für die Fertigstellung der halb fertigen Wasserstraße entwickelt. Im Leipziger Rathaus scheint man den Plänen positiv gegenüber zu stehen.

Ab 2018 will die Stadt die Kanalverbindung vom Lindenauer Hafen (im Foto vorn) zum fertigen Teilstück des Saale-Elster-Kanals (oben) weiterbauen. Dann soll eine Brücke im Zuge der Lyoner Straße (Mitte) gebaut und die dort noch fehlende 75 Meter lange Verbindung der beiden Wasserflächen ausgehoben werden (Mitte). Wenn Sie das Bild scannen, können Sie schon mal eine Vision der Anbindung des Leipziger Elsterkanals an die Saale erleben.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Von der Öffentlichkeit weitgehend verborgen, erlebt der schon totgesagte Saale-Elster-Kanal gerade eine Wiedergeburt: In Sachsen-Anhalt wird enorm viel Druck für die Fertigstellung der halb fertigen Wasserstraße entwickelt. Das Beschaffen der dafür benötigten 100 Millionen Euro Baugeld sei kein wirkliches Problem, heißt es dort. Selbst für die Genehmigung des Projektes soll es eine schnelle Lösung geben. Im Leipziger Rathaus scheint man den Plänen positiv gegenüber zu stehen.

Genährt wird die neu entflammte Euphorie von sechs vergilbten, maschinell beschriebenen Papierseiten, die vom 29. November 1934 datiert sind. In dem zufällig aufgefundenen Dokument wird vom Regierungspräsidium Merseburg das Planfeststellungsverfahren für den „Saaledurchstich“ bei Leuna genehmigt, der den 1933 auf sächsischer Seite begonnenen Bau des Saale-Elster-Kanals komplettieren sollte. Bis heute ist der 7,8 Kilometer lange „Saaledurchstich“ ungebaut; nur bei Wüsteneutzsch wurde eine Schleusenanlage in Rudimenten gefertigt. Auf sächsischer Seite wurden dagegen bis zum kriegsbedingten Baustopp im Jahr 1943 elf Kilometer fertiggestellt und geflutet. Paddler können seitdem von Leipzig weit in Richtung Sachsen-Anhalt fahren – doch bei Günthersdorf ist Schluss.

Den alten Papierseiten wird jetzt große Bedeutung beigemessen. Die Leunaer Bürgermeisterin Dietlind Hagenau (parteilos) hat öffentlich erklärt, dass aus ihrer Sicht immer noch Baurecht für den Kanal bestehe. Ob das wirklich so ist, versuchen die Anhalter jetzt im Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Magdeburg zu klären. Denn die gefundenen Unterlangen sind nicht komplett – im WSA müssten alle Originale liegen. Die Antwort der Behörde steht noch aus.

Sollte das 82 Jahre alte Dokument Bestandskraft haben, hätte dies erhebliche Auswirkungen. Denn bislang haben die Bauexperten für ein neues Planfeststellungsverfahren fünf bis sieben Jahre Zeit veranschlagt – mit der entdeckten Genehmigung könnte praktisch sofort begonnen werden. In Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein Bündnis für die Fertigstellung ab: Neben Leuna machen auch Halle, Merseburg und Schkopau Druck und wollen den Kanal fertigstellen – vor allem, um den Tourismus anzukurbeln. Denn für die Frachtschifffahrt wäre der Kanal nach heutigen Maßstäben nicht mehr zu nutzen. Die Anhalter versuchen sich jetzt als Baugemeinschaft zu organisieren, zu der Leipzig gehören könnte. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) brachte einen kommunalen Zweckverband ins Spiel, sein Merseburger Kollege Jens Bühligen (CDU) eine gemeinnützige GmbH. Hagenau kann sich ein Konstrukt unter dem Dach des Vereins Metropolregion vorstellen.

Wenn diese tragfähige juristische Person entsteht, könnte das Projekt noch mehr Fahrt aufnehmen. Denn das Bundesverkehrsministerium hat öffentlich erklärt, dass es bereit ist, den Kanal einem kommunalen Zusammenschluss zu übertragen und noch eine Mitgift oben drauf zu legen – von einem Betrag „im nennenswerten zweistelligen Millionenbereich“ ist die Rede. Diese Offerte ist nicht ganz selbstlos: Weil die Wasserstraße nicht für den Güterverkehr genutzt werden kann, beschert sie dem Bund nur Kosten – und die würde er gern den Kommunen übertragen.

Anders als bei vielen anderen Projekten ist dies für die sachsen-anhaltischen Gemeinden kein K.o.-Kriterium. Denn Berechnungen haben ergeben, dass die mit 100 Millionen Euro veranschlagte Fertigstellung des Kanals den Tourismus ankurbeln und die Baukosten einspielen würde.

Auch Leipzig ist an den Gesprächen beteiligt. Auf Arbeitsebene hätten sich alle Seiten über einen kommunalen Verbund ausgetauscht, heißt es aus dem Dezernat von Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Die Stadt stehe dem Vorhaben grundsätzlich offen gegenüber. „Für uns liegt der Ball aber in Sachsen-Anhalt“, betont ein Sprecher. „Dort müssen die Strukturen geschaffen werden, die die Fertigstellung des Saale-Elster-Kanals möglich machen.“ Denn dort seien 98 Prozent der noch erforderlichen Arbeiten zu leisten. In Leipzig sei im Prinzip nur die Brücke Lyoner Straße zu bauen – das Vorhaben ist aber noch nicht finanziell untersetzt. „Sobald es eine offizielle Anfrage aus Sachsen-Anhalt gibt, wird sie bei uns geprüft und dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt“, heißt es im Umweltdezernat.

Dass Leipzigs Rolle bei den Projekt wichtig ist, macht Michael Witfer vom Saale-Elster-Förderverein deutlich. „Wenn die großen Kommunen mitmachen, machen auch die kleinen mit“, schildert er die Lage. Und dann sei auch die Finanzierung der 100 Millionen Euro Baukosten kein großes Problem: „Neben den Kommunen würden sich auch die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt beteiligen, ebenso der Bund“, meint Witfer. Bei einer so großen Allianz seien die Anteile der einzelnen Akteure überschaubar. Und den Nutzen hätten alle.

Von Andreas Tappert

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