Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Sachbeschädigung oder Kunst? - Übergroße Graffiti an Leipzigs Gebäuden
Leipzig Lokales Sachbeschädigung oder Kunst? - Übergroße Graffiti an Leipzigs Gebäuden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 27.04.2012
Das Graffiti am Robotron-Gebäude. Quelle: Fast Drips auf streetfiles.org CCLizenz
Leipzig

Seit einiger Zeit macht sich in Leipzig ein neuer Trend bemerkbar: Übergroße Graffiti, die teils so groß sind wie ein komplettes Gebäude. Nachdem kürzlich das Ring-Messehaus dran glauben musste, wurde jetzt ein weiteres innerstädtisches Haus entsprechend gestaltet: Das Robotron-Gebäude in der Gerberstraße.

Es ist wohl das Gesprächsthema in der Leipziger Graffiti-Szene: Seit Mitte der Woche trägt das ehemalige Robotrongebäude in der Gerberstraße ein überdimensionales Graffiti. Nahezu das gesamte Gebäude wurde mit dem Schriftzug "ORG" versehen. Bombing nennt man so ein auf Quantität ausgerichtetes, meist schwarz-weißes oder schwarz-silbernes Werk. Zu sehen ist es seit gestern auf der Website streetfiles.org, ein Sammelbecken für Street-Art wie diese.

Graffiti in Leipzig:

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_16175]

"Es ist ein zunehmender Trend, dass in Leipzig solche großen Graffitis gesprüht werden", sagt Sebastian Drechsel, Mitglied des Vorstandes im Graffitiverein Leipzig. Die Szene entwickle sich seit einigen Jahren in diese Richtung, meint er und glaubt, dass dies etwas mit dem Fehlen legaler Angebote zu tun habe. "Das ist eine Entwicklung, die sich Leipzig selbst geschaffen hat, da spielt auch das Versäumnis der Politik eine Rolle", meint er. Zu wenige legale Flächen, keine Zugeständnisse an die Szene seien der Grund dafür, dass sich Sprayer immer wieder neue, illegale und gefährliche Flächen suchen. Zwei Millionen Euro Schaden entstehen jährlich durch Graffitis, teilte kürzlich das Ordnungsamt mit.

Was "ORG" bedeutet, darüber kann er nur mutmaßen. Das Kürzel trete überall auf, sei kein Leipziger Phänomen. Die Gestaltung als solches sei aus dem Betrachtungswinkel der Kunstwissenschaft durchaus Kunst. "Wenn Menschen rausgehen und die Umwelt gestalten, ist das Kunst. Auch wenn es aus Sicht von Polizei und Eigentümer eine Straftat darstellt", so Drechsel.

Für Raffael Jesche, der in Leipzig freiberuflich als Künstler arbeitet und aus der Sprayer-Szene stammt, ist das Bombing "einfach nur gigantisch", wie er sagt. "Ich bin immer wieder überrascht, was für ein Apparat sich da entwickelt hat. Persönlich mag ich zwar auch mehr die bunten Bilder, aber dennoch bin ich beeindruckt", so der Künstler, der 2009 den Sächsischen Jugendkunstpreis gewann.

René Ehrich, Inhaber des Graffiti-Ladens Fast Drips in Leipzig, hat das große Graffiti fotografiert und zwei Bilder davon zu streetfiles.org geladen. "Wir bekommen das nur am Rande mit, aber das muss eine große Sache für die Leipziger Sprayer sein, das hat große Wellen geschlagen, weil die Größe beachtlich ist", sagt er. Aus der Szene käme nur positives Feedback. Was "ORG" heißt, weiß auch er nicht. "Das ist eine szenetypische Abkürzung, die oft verwendet wird", sagt er. Raffael Jesche vermutet dahinter einen übertragenden Sinn. "Sicher, um die Organisation der Szene als solche deutlich zu machen", glaubt er und zeigt sich beeindruckt.

Von der Organisation der Szene weniger begeistert sein dürfte der Eigentümer des Gebäudes. Wie berichtet, hat die Sächsische Aufbaubank das Haus kürzlich erworben. Sprecherin Beate Bartsch wusste auf Anfrage von LVZ-Immo.de noch nichts von dem Graffiti. Zudem sei der Eigentumsübergang noch nicht erfolgt, teilte sie mit. Demzufolge gehört das Gebäude formal noch der TLG Immobilien Süd. Dort war am Freitag niemand mehr erreichbar. Ob sich durch das Graffiti der Wert des Gebäudes verringert hat, ist noch unklar.

Daniel Große

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zehn kleine Komodowarane sind im Zoo Leipzig angekommen. Die rund 1,20 Meter langen, jungen Echsen wurden aus den USA im Rahmen eines Zuchtprogramms importiert. Die meisten Tiere werden an zoologische Einrichtungen in Deutschland und Europa abgegeben.

27.04.2012

Das Parken in der Lortzingstraße im Leipziger Waldstraßenviertel wird kostenpflichtig. Wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte, gilt die Neuregelung zwischen Humboldt- und Emil-Fuchs-Straße vom 7. Mai an.

26.04.2012

Zahlreiche Ämter in Leipzig und der Region bleiben am kommenden Montag geschlossen. Wie Stadtverwaltung und Landratsamt mitteilten, nutzen viele Behörden den 30. April als Brückentag vor dem Maifeiertag.

26.04.2012