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Lokales Sachsenweiter Schließtag betrifft hundert Kitas - In Leipzig bleiben nur drei Einrichtungen zu
Leipzig Lokales Sachsenweiter Schließtag betrifft hundert Kitas - In Leipzig bleiben nur drei Einrichtungen zu
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17:05 28.08.2014
Viele Kinder - zu wenig Erzieher in Sachsens Kitas? Quelle: dpa
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Leipzig

Doch Leipzig nimmt eine Ausnahmestellung ein.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen begrüßt die Aktion und wertet sie am Donnerstag als deutliches Signal, „dass der Druck im Kessel steigt.“ Dennoch werden Eltern in Leipzig auch am Freitag vor der Landtagswahl meist ihre Kinder wie gewohnt in die Kita bringen können.

„Trotz der prekären Situation habe ich in Leipzig leider keinen Träger gefunden, der geschlossen mitmacht“, sagt Mit-Organisatorin Katrin Lutz vom Zwickauer Kinderhaus-Verein gegenüber LVZ-Online. Kommunale Einrichtungen hätten sich auch in anderen Kommunen gesperrt, weil diese eine Kinder-Notbetreuung organisieren müssten. Doch in Leipzig stößt die Aktion auch bei den freien Trägern auf wenig Resonanz. Bekannt ist ihr nur eine Ausnahme: Die Fröbel-Kita Riesen- und Zwergenland in Gohlis-Nord. (Update: Am Donnerstagnachmittag wurde bekannt, dass sich auch die Kita der Erlösergemeinde in Thonberg sowie die Einrichtung der Johanniter in der Alten Theklaer Straße an der Aktion beteilgen.)

„Ein Großteil der Eltern hat uns unterstützt, auch wenn sie nicht Hurra gerufen haben“, sagt Leiterin Sabine Wöß. Mittlerweise hätten alle 97 Eltern signalisiert, dass der Schließtag für sie ok sei. Wöß findet das Anliegen mit dem sperrigen Namen „Betreuungsschlüssel“ wichtig, denn im Alltag tun sich beim Zahlenverhältnis Erzieher-Kinder schnell Defizite auf.

Drei Stunden, 20 Kinder, ein Erzieher

„Urlaubstage der Erzieher sind mit Geschick noch zu handeln“, sagt Wöß. Aber Krankheitsfälle oder Fortbildungen würden die Lage erschweren. Dazu kommen Dienstberatungen oder die Dokumentation für die Eltern über die Forschritte ihrer Kinder, fachlich „Portfolio“ genannt. „Das machen die Erzieher in der Regel zu Hause, in ihrer Freizeit“, schildert Wöß.

In ihrem Kindergarten spielen täglich 20 Kinder in einer Gruppe, und zwei Erzieher sorgen für sie. Theoretisch. Doch in der Praxis müsse täglich ein Erzieher rund drei Stunden lang allein 20 Kinder beschäftigen.

Derzeit liegt der Betreuungsschlüssel bei 1:6 in Krippen und 1:13 in Kindergärten. „Wenn wirklich nur 13 Kinder in einem Raum sind, und ein Erzieher Zeit für sie hat, dann mag das gehen“, so Wöß. Der Alltag sehe anders aus.

Parteienvertreter sind startklar für den Kita-Talk auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe

Die politischen Positionen zum Betreuungsschlüssel sind weitgehend bekannt. So haben SPD, Grüne und die Linken im Kita-Talk auf dem Nikolaikirchhof und beim LVZ-Wahlforum klar gemacht, dass sie für ein Verhältnis von 1:4 in Krippen und 1:10 in Kindergärten sowie für eine stufenweise Umsetzung eintreten wollen. Auch die CDU strebt Änderungen an, macht das aber nicht nur am Betreuungsschlüssel fest. Der Gesamtelternrat Leipzig schließt sich der aktuellen Bertelsmann-Studie an. Danach müsste der Betreuungsschlüssel in Krippen bei 1:4 liegen, in Kindergärten bei 1:8 und im Hort bei 1:19 (aktuell 1:25).

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, fordert: „Nach der Landtagswahl sollte sich die neue Staatsregierung mit den beteiligten Akteuren an einen Tisch setzen und die nächsten Schritte für mehr Qualität in Kitas abstimmen.“

Evelyn ter Vehn

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