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Lokales Sächsisches Kletterurgestein feiert 75.
Leipzig Lokales Sächsisches Kletterurgestein feiert 75.
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00:48 27.04.2018
Erhard Klingner (links) mit seinen Erstbesteiger-Kameraden Siegfried Wittig, Wolfgang Hempel und Ralf Brummer (von links) 1989 auf dem Pik Leipzig (5725 Meter). Quelle: Foto: privat
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Leipzig

Einer der besten Leipziger Kletterer der Geschichte, im wahrsten Sinne ein Urgestein der sächsischen Bergsteigerszene, feiert heute seinen 75. Geburtstag: Erhard Klingner. In den vergangenen Jahrzehnten macht er mit vielen Erstbegehungen und schwierigen Routen in der Sächsischen Schweiz, als Mitglied der erfolgreichen Erstexpedition zum Pik Leipzig, aber auch als Gruppenleiter der Reichstagsverhüllung durch Christo von sich reden.

Dabei ist dem an einem Ostersonntag Geborenen das Klettern und Bergsteigen mitnichten in die Wiege gelegt. Eher zufällig wandelt sich der junge Erhard vom Funkamateur und Radiobastler über einen Segelflieger zum Kletterer und Bergsteiger. Die äußeren Gegebenheiten beschreibt er selbst so: „Von Zeit (Krieg, Nachkriegszeit und Sozialismus), Geist (nicht allzu schlau) und Körper (ziemlich wenig) her für ein einfaches normales Leben bestimmt, wurde es eines mit vielen Höhen und Tiefen.“ Was gewiss mehr als nur ein bisschen untertrieben ist.

Als 17-Jähriger entscheidet er sich für die Berge. Steinbrüche, die Sächsische Schweiz, die Hohe Tatra, rumänische und bulgarische Gebirge, der Kaukasus, der Mongolische Altai und sogar zwei Siebentausender im Pamir werden sein Zuhause. „Und dies alles als Asthmatiker“, wie er einst schmunzelnd feststellt. Aber Leidenschaft versetze eben Berge. Er hätte so ein schönes Leben haben können – es wurde eines für die Berge.

Als gelernter Wasserwerk- und Vermessungsfacharbeiter verdient der gebürtige Leipziger als Brückenprojektant seine Brötchen. Doch nicht nur das. Klingner handelt vor der Wende in Schwarzarbeit mit selbstgefertigten Klettergurten in Kleinserie, die er in einer sprichwörtlichen Garagenfirma herstellt und in die ganze DDR verschickt. Das Material erhält er aus Autofabriken, wobei einige „Motivationsmark“ geflossen sein sollen. Ein einfacher Gurt ist damals für etwa 25 Ostmark zu haben. In einem illegal xerokopierten Katalog bietet er in der sozialistischen Mangelzeit unterschiedliche Modelle an, die oft so schnell ausverkauft sind, dass zusätzliche Mitarbeiter gewonnen werden müssen.

Und natürlich geht es regelmäßig in die Berge. Gibt es besondere Glücksmomente? „Vielleicht die ganz großen schweren Felstouren im heimatlichen Sandstein, die großen winterlichen Touren in der Hohen Tatra, die hohen Wände des Kaukasus mit dem Biwak auf der Uschba im Kaukasus und natürlich unsere Erstbesteigung des Pik Leipzig mit seinen 5725 Metern sowie fünf weiterer Gipfel im Rahmen einer internationalen Alpinade im Pamir 1989“, so seine Retrospektive. Auf der Rücktour erfährt das Erstbesteiger-Quartett von der Öffnung der Grenzen in Ungarn.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Tiefpunkt seiner (Berg-)Karriere, der schwere Absturz mit anschließendem Krankenhausaufenthalt beim Winterbergsteigen in der Hohen Tatra 1976, schon lange Geschichte. „Was vielleicht komisch klingt, auch die Tiefpunkte möchte ich nicht missen. Denn vielleicht sind es diese, die mich immer wieder geerdet und die Maßstäbe meines Könnens gerade gerückt haben“, sinniert der verheiratete Vater eines Sohnes. Deswegen sei er ganz besonders dem Schicksal dankbar, das alles überlebt zu haben.

Neue Zeiten, neue Wege, neue Herausforderungen: 1991 wird auch durch ihn die heutige Firma Alpin Technik Leipzig aus der Taufe gehoben, die sich seilunterstützten Höhenarbeiten widmet. „Schon ziemlich ungewöhnlich für einen nie ganz schwindelfrei gewordenen Erdenbürger“, wie Klingner anmerkt. Höhepunkte werden die Reichstagsverhüllung 1995, das „Hissen“ der größten Fahne der Welt zwischen zwei Schornsteinen des Kraftwerks Vockerode 1998 und die Unterstützung bei der Sprengung des 300-Meter-Schornsteins am Kraftwerk Thierbach 2002.

Zeit für Klettertouren, auch aktuell in der Altersklasse Ü 70, bleibt. Die Liste der Reisen ist lang. „So kann es durchaus noch ein bissl bleiben“, sagt der Jubilar.

www.barbarine.de

Von Martin Pelzl

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