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Sänger Ming Cheng wird zum chinesisch-deutschen Wirtschaftsförderer in Leipzig

Sänger Ming Cheng wird zum chinesisch-deutschen Wirtschaftsförderer in Leipzig

Ming Cheng legt eine künstlerische Pause ein: Der Sänger will jetzt die Ansiedlung chinesischer Unternehmen in Leipzig kräftig mit ankurbeln. Zuletzt war der chinesische Sänger, der schon bundesweit in Konzerten bravourös und mit butterweich rollendem "R" mit Hildegard-Knef- oder Max-Raabe-Liedgut erfreute, Ende März zu erleben: bei der Anti-Rassismus-Aktion "Wir stehen auf!" im Nikolaikirchhof.

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Der chinesische Sänger Ming Cheng betätigt sich jetzt auch als Consulting-Geschäftsführer und will mehr Firmen aus seinem Heimatland nach Leipzig holen.

Quelle: André Kempner

f. Was da keiner mitbekam: Die Stadtvertreter hatten eines ihrer Auszeichnungsschilder "Leipzig. Ort der Vielfalt" dabei. "Eine Botschaft, für die meine Person doch voll steht! Fortan sogar in mehrfacher Hinsicht", so Ming Cheng verschmitzt.

Dank großer Zustimmung durfte er sich das Schild unter den Arm klemmen und mitnehmen. "Bisher erhielten es nur Institutionen. Ich bin sozusagen die erste Person, die ein ,Ort der Vielfalt ist'!", strahlt der 31-Jährige und konkretisiert: Während der "künstlerischen Schaffenspause" bis zum Herbst wird er sich - unter Bezugnahme auf abgeschlossene Studienfächer für Informatik, Sinologie und Management - einer wirtschaftlichen Schiene zuwenden. Im Dittrichring 15, wo er seit Februar ein Büro hat, steht jetzt an der Tür: "Ming Cheng Consulting - Beratungsangebot für Interkulturelles Business Training/Coaching für China Unternehmensgründung/ Markteintritt in Deutschland".

"Die deutsch-chinesische Wirtschaftskooperation ist lange Zeit eine Einbahnstraße gewesen, eher sahen deutsche Firmen in China ein Land mit lukrativen Billiglöhnen", meint er. "Deutschlandweit lassen sich zwar allmählich mehr chinesische Firmen nieder. Aber in einer Studie, die ich zuletzt für meine Masterarbeit machte, ergab sich für Leipzig ein gegenläufiger Trend. Hier gab es 2005 noch 70 chinesische Unternehmen, aktuell sind es 30", sagt Ming Cheng, wobei er nicht vom Gemüse- oder Geschenkehändler an der Ecke spricht. Vielmehr vom produzierenden Gewerbe, von produzierenden GmbH's.

Aus seiner Sicht mag generell das deutsche Ausländerrecht mit seinen sprachlichen und rechtlichen Hürden eine Ursache dafür sein. Vor Ort sieht er allerdings eher "noch Reserven, investitionsrelevante Institutionen der Stadt mehr zu vernetzen", um chinesischen Investoren die Ansiedlung zu erleichtern. Ein kleines Kunststück hat er diesbezüglich jetzt schon mal selbst fertiggebracht: "Am 10. April veranstalte ich mit der Wirtschaftsförderung der Stadt ein 1. China-Business-Forum im Rathaus", sagt er und freut sich wie Bolle, dafür Institutionen wie Industrie- und Handelskammer (IHK), Ausländerbehörde, nichtkommerzielle Dienstleister oder Bildungsträger für sprachliche Qualifizierungen gewonnen zu haben. "Helga Kästner vom Ordnungsamt, Ute Liebelt von der Wirtschaftsförderung und Stefan Heilmann von der IHK haben mich dabei unterstützt."

Im Ein-Zimmer-Büro am Dittrichring zählt jetzt das große "Ort der Vielfalt"-Schild zum noch spärlichen Inventar. "Mir geht es nicht nur um ein tolerantes Zusammenleben, sondern auch um eine wirtschaftliche Vielfalt in Leipzig, von der alle Seiten ja nur profitieren könnten", sinniert Ming Cheng, der seit 2010 Sonderbevollmächtigter der chinesischen Sonderwirtschaftszone Tongling ist.

Er will auch nach dem Forum beruflich hilfreicher Ansprechpartner für chinesische Landsleute sein, für sie die Kommunikationswege verkürzen. "Fünf Pekinger Unternehmen, die mit einer Ansiedlung in Leipzig liebäugeln, habe ich in der Pipeline", lässt er durchblicken - und bemüht eine chinesische Weisheit: "Erst, wenn viele kleine Fische da sind, kommen die großen".

Offen steht seine Tür freilich auch deutschen Firmen, die in seiner Heimat auf die Füße kommen wollen und dafür Tipps brauchen. Und ein bissel kreppt es Ming Cheng zugleich, dass seine Wahlheimat Leipzig - "ein exzellenter Wissenschaftsstandort" - noch zu wenig aus seinen "Bildungsexport-Möglichkeiten" macht. "Hier laufen so tolle Studienprogramme. In der Dolmetscherausbildung an der Uni etwa. Warum sollte nicht eine Kooperation mit einer Uni in China drin sein, mit der man via Internet und Skype eine Unterrichtsstrecke aufbaut? Gleiches trifft auf die hiesige Meisterausbildung für Musiker zu. In China ist man an all so etwas interessiert!"

Das erste China Business Forum findet heute von 16 bis 18 Uhr im Ratsplenarsaal des Neuen Rathaus am Martin-Luther-Ring statt. Anmeldungen sind per E-Mail an info@cheng-consulting.de möglich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.04.2013

Angelika Raulien

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