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Lokales Saisonstart 2018 - Das war der Aufgalopp in Leipzig
Leipzig Lokales Saisonstart 2018 - Das war der Aufgalopp in Leipzig
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21:19 01.05.2018
Zieleinlauf des zweiten Rennens. Quelle: André Kempner
Leipzig

Vieles ist Routine an einem 1. Mai im Scheibenholz: Auch diesmal wieder volle Hütte (um die 20000 Besucher), wieder gute Stimmung, wieder passabler Umsatz (169 043 Euro), wieder Jubel und Enttäuschung am Wettschalter. Der Tag der Arbeit in Leipzigs grüner Mitte hat ein einzigartiges Flair, weshalb der Galopprenntag schon lange den Stempel „Kult“ trägt.  „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt“, resümierte Alexander Leip, Chef der Scheibenholz GmbH, dann auch zufrieden. Ihm war ein „auffällig gut gelauntes Publikum“ aufgefallen. Und „sehr erfreulich“ fand Leip, dass so viel Prominenz auf die Rennbahn strömte. Auch schon Routine sind die Proteste von Tierschützern gegen den Galoppsport. „Wir haben Meinungsfreiheit“, sagte der Scheibenholz-Chef dazu. „Dass wir bei dem Thema anderer Meinung sind, versteht sich.“

Aufgalopp mit bestem Wetter, Prominenz und einer Pferde-Taufe – das konnten die Turf-Freunde am Dienstag auf Leipziger Rennbahn im Scheibenholz genießen.

Eigentlich alles wie gehabt also an diesem 1. Mai 2018 im Scheibenholz. Und doch gab es gestern auch viel Neues. Die neue, digitale  Videotechnik zum Beispiel, die zwar noch an Kinderkrankheiten litt (die Quoten konnten nicht eingeblendet werden), aber insgesamt eine Verbesserung bedeutet. Vor allem die riesige Videowand im Innenraum kam gut an. Zum ersten Mal gab es auch eine Taufe, einen Pferde-Taufe. Ein zweijähriger Hengst des Rennstalls Scheibenholz, einer 80-köpfigen Besitzergemeinschaft, wurde auf den Namen Leipzig getauft, ein  Dutzend Promis stand Spalier. Das solchen Trubel nicht gewohnte Tier war merklich aufgeregt, trank aber dann doch als Tauf-Ritual gereichtes Pleißewasser aus den Händen von Matthias Schneider, dem Vorstand der Besitzergemeinschaft.

Neue Namen auf der Rennbahn

Neu waren auch einige Gesichter im Jockey-Lager. Gökhan Kocakaya zum Beispiel, ein interessanter Mann. Der 30 Jahre Türke ritt zum ersten Mal in Leipzig, gewann auf dem 5-jährigen Wallach Rateel mit einem Start-Ziel-Sieg  das dritte Rennen. In seiner Heimat feierte Kocakaya  bereits 1650 Siege, gewann mehrfach das türkische Derby. Er sei in der Türkei eine Berühmtheit, erzählte sein Manager – in Deutschland will er auch eine werden.

Ziemlich neu ist auch der Name Robin Weber, erst 19 Jahre alt und einer der wenigen deutschen  Reiter-Talente. Mit 17 durfte  sich der Kölner  bereits Jockey (50 Siege) nennen, gestern gewann er auf dem 5-jährigen Wallach Shagan das Hauptrennen, einen mit 8000 Euro dotierten Ausgleich. Shagan wird in Köln bei Henk Grewe trainiert, das ist nun kein neuer Name, aber der Formtrainer war gar nicht mit in Leipzig.

Angermann-Pferde überzeugten

Nicht neu ist die Nachricht von der guten Stallform der im Scheibenholz von Marco Angermann trainierten Pferde. Die überzeugten auch gestern, fast alle liefen ins Geld. Das begann mit dem dritten Platz der 3-jährigen Stute Alte Adventure  (Rennstall Scheibenholz) im zweiten Rennen, der Trainer fand die Vorstellung  „sehr solide“. In Rennen vier schließlich, dem Kaiserball-Rennen, gelang mit Sameer der große Triumph, Urteil: „feine Leistung“. Dass es im Endspurt gegen den stark aufkommenden Wallach Jet Setter noch einmal eng wurde,  hat weder   Trainer noch Reiter nervös gemacht. Jockey Marc Timpelan:  „Ich hatte keine Bedenken. Vor der Ziellinie habe ich mich fürs Foto sogar noch mal ordentlich hingesetzt.“  Der Preis, ein von allen Spielern signiertes RB-Trikot, kam Timpelan gerade recht. „Ich bin RB-Fan“, sagte der Magdeburger.

Angermann-Pferde überzeugten weiter. Im sechsten Rennen lief Fine Girl, die Stute gehört Autor Clemens Meyer und Gastronom Dietrich Enk, mit Rang drei zum ersten Mal in ihrer Karriere ins Preisgeld (600 Euro). Im Sattel saß Sibylle Vogt, mit einem erfahreneren Reiter hätte Fine Girl wohl gewonnen.

Durchführung des Renntages hing am seidenen Faden

Dennoch herrschte allseits Zufriedenheit nach einem wieder durchaus gelungenen Renntag. Ob jedoch auch in den nächsten Jahren „wie gehabt“ vom 1. Mai im Scheibenholz vermeldet werden kann, ist noch nicht ausgemacht. Mit München (schon immer) und Hannover (seit 2017) gab es wieder zwei attraktive Mitveranstalter – und damit Mitbewerber um Pferde und Jockeys.

Schon in diesem Jahr hing die Durchführung des Renntages in Leipzig am seidenen Faden, weil es an Pferden und Reitern mangelt. „Wir haben  es diesmal noch hinbekommen“, sagt Alexander Leip. „Aber ein Wettrüsten um immer höhere Preisgelder hilft doch keinem weiter.“

Tausende gut gelaunte Rennbahn-Besucher werden solche Diskussionen nicht verstehen. Die wollen einfach nur einen netten Nachmittag im Scheibenholz verbringen – wie immer am 1. Mai.

Von Uwe Köster

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