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Lokales Sammler schenkt dem Buch- und Schriftmuseum „Zeitkapselkisten“
Leipzig Lokales Sammler schenkt dem Buch- und Schriftmuseum „Zeitkapselkisten“
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09:02 12.09.2018
Gabriele Netsch (links) und Stephanie Jacobs begutachten eine Schenkung von „Zeitkapselkisten“ im Depot der Deutschen Nationalbibliothek. Quelle: Fotos: Dirk Knofe
Leipzig

„Zeitkapselkisten“ hat Gerhard Hartmann seine Sammlung genannt, die er in den vergangenen Jahrzehnten initiiert und zusammengestellt hat. 20 dieser Kassetten hat der Gebrauchsgrafiker, der in Lindau am Bodensee lebt, nun dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum am Deutschen Platz geschenkt.

Sammlung ist einzigartig

„Sportlich ausgedrückt, soll das Ziel der Sammlung sein, auch in der obersten Liga vertreten zu sein“, begründet der 86-Jährige seine wohltätige Tat. Das hört Stephanie Jacobs, die Leiterin des Museums, das zur Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz gehört, gern. „Für uns ist die Sammlung etwas Einzigartiges. Und es ist wirklich Mäzenatentum. Da hat jemand aus privater Intention einen kulturellen Reichtum zusammengetragen, macht diesen nun der Öffentlichkeit zugänglich“, betont sie. Und erzählt, dass der Sammler von der fachlichen Kompetenz und Geduld ihrer Mitarbeiterin Gabriele Netsch begeistert war. Die hatte er aufgesucht, um sich Beispiele für Kassetten aus der Sammlung des Museums anzuschauen. Ein Großteil seiner Grafik-Schätze befindet sich bereits in den Kunstsammlungen in Albstadt sowie in Bregenz.

Sammler will Handschriften bewahren

In die „Zeitkapselkiste“ gehört jeweils ein handgeschriebener Text eines zeitgenössischen Schriftstellers, der dann von einem bildenden Künstler aufgegriffen wird, welcher den Text kongenial zu einem kleinen Bildwerk verarbeitet. Diese Bild-Text-Kombination wird zusammen mit allem Begleitmaterial, wie Korrespondenz, Druckplatten und Rechnungen mit einer Kassette umbaut.

Wie kam er auf die Idee? Es gehe ihn um die Handschrift, von der viele Menschen zunehmend Abschied nehmen, betont der Gebrauchsgrafiker. „Die Handschrift wird abgelöst von Tippen von Tasten auf Geräten. Die Sammlung ist mein persönlicher Beitrag, der Handschrift in der Bibliothek auch in Zukunft begegnen zu können.“ Das wiederum passe prima zum Konzept des Museums, das unter dem Titel „Zeichen – Bücher – Netze: Von der Keilschrift zum Binärcode“ eine kurze Mediengeschichte der Menschheit bietet.

„Er hat Autoren gefragt, ob sie ihm etwas Handschriftliches geben“, so Netsch. Das funktionierte nicht immer. So schreibt beispielsweise Elfriede Jelinek außer Notizen immer direkt in den Computer. Hans Magnus Enzenberger bewahrt ebenfalls keine handschriftlichen Manuskripte auf. Anders Eugen Gomringer, der handgeschriebene Gedichte beisteuerte. Hermann Heintschel fertigte dazu Zeichnungen und einen Silberanhänger an, die nun in der Kassette liegen.

Kassetten sind kleine Kunstwerke

Oft sind die Kassetten selbst kleine Kunstwerke, die in verschiedenen Buchbinderwerkstätten in Handarbeit angefertigt werden.

„Meistens entstehen Grafiken zu den Texten“, erläutert Netsch, die Vor- und Nachlässe betreut. Wichtig sei aber auch die Korrespondenz, die den Herstellungsprozess dokumentiert. Eine Kassette enthält beispielsweise neben der signierten Erstausgabe des Romans „Wer war Edgar Allan?“ des Österreichers Peter Rosei eine Sonderausgabe mit Venedig-Fotografien samt Originalen und Negativen, Rechnung und DVD mit dem Film zum Buch. Vertreten sind auch der Leipziger Künstler Reinhard Minkewitz und Karl-Georg Hirsch.

Nach der bibliografischen Erfassung im Katalog der Nationalbibliothek stehen die Materialien – im Sinne Hartmanns – allen Interessierten zur Verfügung.

Von Mathias Orbeck

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