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Schelmenstreich in der Markusgemeinde - 25 Jahre Umweltbibliothek

Schelmenstreich in der Markusgemeinde - 25 Jahre Umweltbibliothek

Schon der Titel der Bibliothek musste den DDR-Mächtigen suspekt sein. 1986 hatte sich an der Ost-Berliner Zions-Kirche eine Umweltbibliothek gegründet. Die Einrichtung im Keller des Gotteshauses entwickelte sich zum bevorzugten Treff der Oppositionellen.

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Die Leipziger Umweltbibliothek (Archivbild)

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Im November 1987 fand eine Razzia durch die Stasi statt, einige Widerständler kamen kurzzeitig in Haft. Die Umweltbibliothek war nun sogar international bekannt geworden.

Der Pfarrer der Markusgemeinde in Leipzig-Reudnitz war damals Rolf-Michael Turek. Der heute fast 65 Jahre alte Seelsorger am Universitätsklinikum erinnert sich nicht ohne Augenzwinkern. In seinem Pfarramt gingen Bürgerrechtler ein und aus. Man bot ihnen Möglichkeiten zum Gedankenaustausch und zur Absprache von Initiativen. Die Markusgemeinde galt als Kommunikationszentrum des Widerstands. Im Mai 1989 liefen hier die Fäden für den Nachweis des Betruges bei den Kommunalwahlen zusammen. Und als es im Spätsommer darum ging, die Zulassung des Neuen Forums einzufordern, lagen im Markus-Pfarramt die Listen aus, in die man sich eintragen konnte.

In diesen Kontext passt die Umweltbibliothek, die heute vor 25 Jahren ihren Dienst aufnahm. Die alte Kirchbibliothek war dafür ganz einfach um Bücher und weitere Publikationen zu politischen, gesellschaftlichen und Umweltthemen ergänzt worden. "Wir mussten uns nicht neu gründen und brauchten niemand fragen. So bekamen wir Bücher vom Christlichen Umweltseminar Rötha, das der Pfarrer Walter Christian Steinbach initiiert hatte, weitere Freunde, Sympathisanten, Bürgerrechtler stellten Literatur zur Verfügung. Vielfach handelte es sich um solche Bücher, die in der Deutschen Bücherei im sogenannten Giftschrank lagen und nur mit Sondergenehmigung eingesehen werden konnten", erinnert sich Turek.

Bei Markus gab es in der Tat gefragte Ware. Rudolf Bahros Bestseller "Die Alternative" ebenso wie Rolf Henrichs "Der vormundschaftliche Staat" (erschienen im April 1989), sogar das Feindbuch Nummer eins, Alexander Solschenyzins "Der Archipel Gulag", war im Pfarramt zum Studieren und zum Ausleihen verfügbar. Geöffnet war zu den Dienstzeiten des Gemeindesekretariats. Bibliothek und Lesezimmer befanden sich unmittelbar neben der Kanzlei. Die Staatsmacht versuchte, die Bibliothek zu be- und zu verhindern, doch unterm Dach der Kirche fehlte ihr dazu letztlich die Handhabe. In besonders "heiße Dinge" steckten Turek und Co. - zu nennen wären Oppositionelle wie Brigitte Moritz und Martin Jankowski - Zettel, dass es sich um ein Zeitdokument handelt, das nicht die Überzeugung des Verleihers widerspiegelt. Einen wichtigen Bestand der Bibliothek stellte die Sammlung der DDR-Samisdat-Ausgaben dar. Es gab über 20 regelmäßig erscheinende "Untergrund-Publikationen". Turek: "Damals war es doch ganz wichtig, das, was eigentlich verboten war, zu publizieren, öffentlich zu machen."

Der Pfarrer hütet noch immer einige Bücher aus der Bibliothek des Widerstands, darunter das "Überlebensbuch", das er einst vom Kollegen Steinbach bekam. Der größte Teil des Bestands der Umweltbibliothek ging nach 1990 ins Archiv Bürgerbewegung über, das heute die Geschichte der Friedlichen Revolution bewahrt und erforscht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.02.2014

Tom Mayer

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