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Schieberegler statt „Daumen hoch“: Tomvote ermöglicht einfaches App-Stimmen

Leipziger Startups Schieberegler statt „Daumen hoch“: Tomvote ermöglicht einfaches App-Stimmen

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, in dieser Folge: die Firma Tomvote.

Thomas Diekmann will mit Tomvote die Nummer eins in Deutschland bei Abstimmungen werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Jung und kreativ? Da lacht Thomas Diekmann: „Ich bin 50, ich bin nicht mehr jung, aber im Kopf jung geblieben.“ Und kreativ ist der Markkleeberger auf jeden Fall. Seit Oktober 2015 ist die von ihm erfundene Abstimmungsapp Tomvote auf dem Markt, nach einjähriger Probe- und Entwicklungsphase. Jeder kann sie nutzen: Privatleute, Vereine, Personalchefs, Kongress- oder Messeveranstalter, Onlinemedien, Firmen aller Art. Sie ersetzt, vereinfacht gesagt, das bekannte „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ durch den viel genaueren Schieberegler: So kann der Nutzer exakt angeben, wie einverstanden oder nicht einverstanden er mit einem Sachverhalt ist – nämlich in Prozent.

Dass es Bedarf für so ein Instrument gibt, darauf kam der Verkaufstrainer in der Möbelindustrie schon 2009 bei der Beratung eines Unternehmens. „Die Abteilungen sollten mitdenken und mitreden. Damals ermittelten wir mit Zetteln, Tafeln und Taschenrechnern, wie weit entfernt sie von einem hundertprozentigen Ja oder Nein waren.“ Ein zeitaufwendiges und umständliches Vorgehen.

Als dann um 2012 die große App-Welle einsetzte, bat Diekmann einen Softwareentwickler aus seinem Freundeskreis, einen Prototypen zu bauen. Mit Tomvote erfolgt die Abstimmung per Tablet, Smartphone oder Laptop und geht kinderleicht: „Man braucht nur eine Minute, um eine Abstimmung einzurichten. Man kann 10, 100, 1000 oder 10 000 Leute abstimmen lassen, da gibt es keine Obergrenze. Und man hat in einer Sekunde das Ergebnis“, erklärt der gebürtige Niedersachse. Bekannt ist er vielen Leipzigern durch das Küchenstudio, das er bis 1999 in der Leipziger Innenstadt betrieben hat und das seine Frau jetzt in Markkleeberg weiterführt. Schon vor zwanzig Jahren fiel er mit seinem feuerroten „Hotzenblitz“ im Stadtbild auf, dem allerersten in Deutschland gebauten Elektroauto.

Thomas Diekmann ist nach wie vor als Ausbilder für Küchenverkäufer beruflich viel unterwegs, aber das könnte sich ändern: Tomvote beschäftigt ihn arbeitsmäßig die meiste Zeit. „Wir wollen bei Abstimmungen die Nummer eins in Deutschland werden“, benennt er das Ziel für die nächsten drei Jahre. Dafür muss die Firma bekannter werden, sprich ins Marketing investieren. Programmierer sollen die Software inhaltlich weiterentwickeln. Außerdem gibt es Überlegungen, parallel dazu eine Umfrage-Software zu entwickeln.

Privatleute können Tomvote kostenlos nutzen, wenn sie in der Familie über das nächste Urlaubsziel oder im Freundeskreis über die nächste Unternehmung abstimmen wollen. Für Messe- oder Kongressveranstalter gibt es eine zehn Tage lang verfügbare Eventlösung (159 Euro), mit der sie verschiedene Aspekte der Besucherzufriedenheit erfragen können. Vereine können ihre Mitglieder per E-Mail, SMS oder Whatsapp zur Abstimmung über eine Satzungsänderung auffordern. Für Unternehmen bietet Diekmann Lösungen ab 399 Euro an, die ein ganzes Jahr verwendbar sind.

Bisher haben die vier Gesellschafter – der Markkleeberger ist Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer – rund 250 000 Euro in Tomvote investiert. Die Finanzierung lief über Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Gewinn wirft die Firma noch nicht ab – die Gewinnschwelle soll Mitte bis Ende 2016 erreicht werden.

Aber immerhin ist bei Thomas Diekmann die Information angekommen, dass eine große deutsche Partei eine Satzungsänderung beschlossen hat, um zukünftig Tomvote für elektronische Abstimmungen benutzen zu können. Denn das Markleeberger Startup hat den Anspruch, rechtlich abgesicherte Abstimmungen zu ermöglichen. Laut Telekommunikationsgesetz sind Abstimmungen per Telefon unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

www.tomvote.com

Von Kerstin Decker

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