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Lokales Drei Tage im April 1945: Wie die Schlacht um Leipzig für Schlagzeilen sorgte
Leipzig Lokales Drei Tage im April 1945: Wie die Schlacht um Leipzig für Schlagzeilen sorgte
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00:25 12.04.2018
Foto-Journalistin Margaret Bourke-White gehörte zu den Kriegsberichterstattern, die bei der Befreiung Leipzigs durch die 1. US-Armee im April 1945 dabei waren. Quelle: AP
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Leipzig

Sie hießen Robert Capa, Gaston Madru, Lee Miller, Margaret Bourke-White, Edward Ward oder Lee Carson und waren als Kriegsberichterstatter dabei, als sich Truppen der 1. US-Armee am 18. April 1945 in Leipzig vorkämpften, strategische Punkte besetzten und bis zum 20. April den letzten Widerstand brachen.

Mit Berichten und Bildern über die Befreiung der Stadt versorgten die Presse- und Rundfunkjournalisten ihre Redaktionen. Mit der Kamera im Anschlag dokumentierten aber auch speziell geschulte Einheiten wie die 165. Signal-Photo-Company die Einnahme der weithin in Trümmern liegenden „Reichsmessestadt“.

Capas Aufnahmen vom erschossenen Soldaten Raymond J. Bowman, der mit seinem Maschinengewehr den Vorstoß über die Zeppelinbrücke decken sollte, gingen um die Welt. Doch jene drei Tage im April lieferten den Reportern noch anderen Stoff, mit dem sie Zeitungsspalten und Sendeplätze im Radio füllten.

Grausiges Schauspiel im Rathaus

Besonders im Fokus: Die Gefechte ums Völkerschlachtdenkmal und das Neue Rathaus, in dem sich rund 190 Verteidiger verbarrikadiert hatten. Nach massiven Beschuss stellten ihnen die US-Militärs am Morgen des 19. April ein letztes Ultimatum, um 9.40 Uhr kapitulierte die Besatzung. Die folgende Durchsuchung des Gebäudekomplexes sollte bei den damit beauftragen Männern der „Task Force Zebra“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Sie sprachen von der „Suicide Alley“, denn im Rathaus fanden sie nicht nur die Leichen von Oberbürgermeister Alfred Freyberg, Kämmerer Ernst Lisso und dem stellvertretenden Kreisleiter Willy Wiederroth, die als stramme NSDAP-Mitglieder Selbstmord begangen hatten. Auch Lissos Frau und Tochter lagen vergiftet auf einem Sofa.

Der britische Korrespondent Edward Ward beschrieb in einer Radiosendung der BBC die Situation im Beratungsraum des Oberbürgermeisters besonders detailliert: „Ein grausiges Schauspiel“ habe sich geboten. Neben Freyberg hatten dort seine Gattin und seine Tochter ihrem Leben ein Ende gesetzt.

Gruppensuizid abgelichtet

Ebenso Freybergs Amtsvorgänger Walter Dönicke und zwei weitere Mitglieder des Volkssturm-Stabes, die „tot ausgestreckt auf dem Tisch lagen mit Blutlachen auf dem Fußboden“, wie Ward schilderte. Für das US-Magazin „Life“ war Lee Miller vor Ort und lichtete den Gruppensuizid ab, Margaret Bourke-White fotografierte ihn im Dienst der Army und verarbeitete das Gesehene später im Buch „Deutschland – April 1945”.

Ein Kameratrupp des Militärs filmte sogar das gespenstische Geschehen in den Amtsstuben in Farbe, während draußen Straßenzug um Straßenzug eingenommen wurde und zwei französische Reporter nahe des Völkerschlachtdenkmals zwischen die Fronten gerieten. Bei der Army akkreditiert, belieferten sie die Zeitung „Paris Soir“ sowie den US-Nachrichtenkanal „News of the Day“.

Kampf ums Völkerschlachtdenkmal: Journalist starb nach Bauchschuss

Fotograf Gaston Madru wurde durch einen deutschen Scharfschützen schwer verwundet und zusammen mit seinem Journalisten-Kollegen im Denkmal-Keller interniert. Am 20. April um 2 Uhr gaben die Wehrmachtssoldaten und Volkssturmmänner, die sich unter der Befehlsgewalt des selbst ernannten Kampfkommandanten Hans von Poncet im Völkerschlachtdenkmal verschanzt hatten, auf.

Madru starb an den Folgen des Bauchschusses. Er war einer von insgesamt 54 Korrespondenten, die während des Krieges an der Seite der US-Truppen ums Leben kamen.

KZ angezündet - Häftlinge sterben

Zu den Aufnahmen von der Einnahme Leipzigs, die international für Aufsehen sorgten, gehörten auch jene vom KZ-Außenlager in Abtnaundorf. Am 18. April hatten dort SS-Schergen rund 300 kranke Häftlinge in eine Baracke gepfercht und diese angezündet.

Mehr als 80 Menschen kamen in den Flammen um oder wurden erschossen, als sie fliehen wollten. Als US-Einheiten den Ort des Massakers erreichten, rückten sofort Reporter nach. Unter ihnen war Lee Carson, die für den International News Service schrieb. „Wir waren starr vor Entsetzen“, notierte sie.

Margaret Bourke-White, die bereits bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald mit der Kamera dabei war, fotografierte in Abtnaundorf und fasste das Grauen in Worte. „Als wir auf einer Landstraße unterwegs waren, roch es ganz eigenartig. Wir folgten dem Geruch, bis wir einen Stacheldrahtzaun sahen, der nichts zu umgeben schien. Wir parkten den Jeep, liefen durch ein kleines Tor und standen am Rand eines Gebietes voller Knochen. Es gab keine lebende Person, nur verkohlte Leichen im Stacheldraht.“

Am Mittwoch, 18. April, findet um 17.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung Leipzigs statt. Veranstaltungsort ist die Gedenktafel an der „Runden Ecke“. Am selben Tag wird um 16 Uhr am Mahnmal in Abtnaundorf, Theklaer Straße, an das Massaker an Häftlingen des KZ-Außenlagers Leipzig-Thekla erinnert.

Von Mario Beck

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