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Schlachtfest in Lausen, Mango in Mockau

LVZ-Serie „In der Spur“ Schlachtfest in Lausen, Mango in Mockau

Mit der LVZ-Serie „In der Spur“ zeigen wir Leipzig von einer speziellen Seite. Wir erkunden die Stadt mit der Straßenbahn. Wer lebt entlang der Strecken, in den Kiezen, wie ist das Lebensgefühl dort? Diesmal: die Linie 1.

Die Straßenbahn-Linie 1.

Quelle: Kempner

Leipzig. Am Grillstübl in Lausen sitzen schon um 11.30 Uhr die ersten Mittagsgäste. Hier, direkt am westlichen Endhaltepunkt der Linie 1, gibt es bürgerliche Küche, die auch Lothar (72) und Christa Heinz (71) gefällt. Die beiden kommen aus Paunsdorf, reisen aber regelmäßig nach Lausen. Der Wurst wegen! „Unser Fleischer
Reißaus war früher in Paunsdorf, und jetzt ist er hier, jeden Dienstag ist Schlachtfest“, erzählt Lothar Heinz, „das schmeckt wie früher auf dem Dorf. Um 12 Uhr kommt die frische Ware.“ Bis dahin vertreiben sich die beiden Rentner die Zeit eben am Grillstübl.

Ein paar Meter weiter gehen Grit Krempler (46) und ihr Nachbar Lothar Schmoll (77) mit ihren Hunden Ben und Fux spazieren. Sie wohnen in Lausen-Grünau. „Es gibt etliche Einkaufsmöglichkeiten – und alles ist in zehn Minuten erreichbar“, sagt Lothar Schmoll. „Wenn wir über die Straße gehen, haben wir gleich die Parkanlage und den Kulkwitzer See.“ Das Gewässer entstand aus zwei früheren Tagebaurestlöchern, ab 1963 wurden sie geflutet und 1973 als Naherholungsgebiet eröffnet. Ein Vorreiter für spätere Seenflutungen im Leipziger Südraum.

Die Linie 1 fährt von Lausen in Richtung Osten. Es geht die Ratzelstraße entlang, vorbei am Ratzelbogen, der eine Außenstelle der Stadtverwaltung beherbergt. In den großen Grünauer Wohnblöcken, den „Wohnkomplexen“ (WK), an der Stuttgarter Allee weht ein eigener Wind. Einer, den viele schätzen. Regina Dittrich zum Beispiel, Bewohnerin im Schwalbennest. „Von unserer Wohnung gucken wir direkt in den Schönauer Park, seit 1981 wohnen wir schon hier, es gefällt uns sehr.“ Am 1. Juni 1976 wurde offiziell der Grundstein für die zweitgrößte Neubausiedlung der DDR (nach Marzahn-Hellersdorf) gelegt, letztes Jahr feierte Grünau den 40. Geburtstag. Nach einigen schwierigen Jahren geht es in dem Stadtteil zumindest mit der Einwohnerzahl wieder aufwärts.

Die Straßenbahn arbeitet sich weiter, es geht vorbei am Weltenbummlerhaus und durch das Industriegebiet in der Diezmannstraße, am Adler und an der Schauburg. Ein paar Meter weiter steht das Sportbad an der Elster. 2008 wurde der Neubau mit 2,1 Millionen Litern Wasser eröffnet. 288 000 Gäste zählte die Einrichtung im vergangenen Jahr.

Blumengeschäft in letzter Generation

Frisch saniert ist die Könneritzstraße. Im November 2016 wurde das Zehn-Millionen-Euro-Projekt beendet; seitdem hat die Straße ihr Gesicht ganz schön verändert. Manches daran ist gut, manches nicht so sehr, meint Michael Nitzschke vom Geschäft Blumen Nitzschke, direkt an der Haltestelle Stieglitzstraße. Er leitet den Familienbetrieb seit 1995 in dritter – und letzter – Generation. „Ich kann wegen des Radweges und den Straßenbahnschienen nun nicht mehr vor dem Geschäft meine Waren ausladen, muss alles aus der Tiefgarage hertragen“, erzählt der 54-Jährige. Und Fahrradbügel seien auch weggefallen. Aber die Bahn sei leiser geworden, und der eigene Radweg bringt natürlich Vorteile. „Es sind viele junge Leute hierher gezogen“, erzählt Michael Nitzschke über den Stadtteil Schleußig. Futuristisch, aber passend zum neuen Style der Straße: der Konsum-Bau mit Holzverkleidung auf der anderen Seite des Blumengeschäfts.

Die Linie 1 zuckelt durch die grün umrandete Anton-Bruckner-Allee und den Klingerweg, durch die Käthe-Kollwitz- und die Gottschedstraße ins Stadtzentrum und füllt sich immer mehr. Am Hauptbahnhof sind die drei Wagen schon rappelvoll. Es geht weiter Richtung Osten in die Eisenbahnstraße – ein Viertel mit vielen Gesichtern. Liebenswertes multikulturelles Leben einerseits, Drogen-Probleme und Razzien andererseits. Doch die Gegend wird beliebter, vor allem bei Studenten. An der Hermann-Liebmann-Straße biegt die Bahn Richtung Norden ab.

Mehr junges Leben in Mockau

In Schönefeld kommt gerade Gabriele Kluge (70) aus dem Kaiserlichen Postamt. Das 1905 vom Leipziger Jugendstil-Architekten Fritz Drechsler errichtete Gebäude steht seit 2015 für Betreutes Seniorenwohnen zur Verfügung. Gabriele Kluge lebt seit 19 Jahren in Schönefeld und schmunzelt. „Es gibt schönere Ecken, aber man hat sich dran gewöhnt.“ Zumindest sei alles gut zu erreichen. „Hier ist alles auf einem Fleck“, findet auch Franziska Költzsch (30). „Wir haben den Mariannenpark, einen Sportplatz, Möglichkeiten zum Rugby und eine Schwimmhalle.“

Es geht zum letzten Halt der Linie 1, immer weiter Richtung Mockau. „Ein gutes und ruhiges Umfeld“, sagt Dieter Merkel (62). Er wohnt seit 1991 hier, lebt im Walter-Albrecht-Weg und hat einen gewissen Wandel bei der Bevölkerung festgestellt. „Es sind wieder mehr jüngere Leute nach Mockau gezogen.“ Die Straßenbahn beendet ihre Fahrt in der Wendeschleife – und steht für den Rückweg nach Lausen bereit.

Björn Meine

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