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Lokales Schlagfertige Brote aus der Wortspielhölle
Leipzig Lokales Schlagfertige Brote aus der Wortspielhölle
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16:47 24.03.2019
Schlagfertige Musikpoeten und selbsternannte Untenrumexperten: die Band Fettes Brot bei ihrer Lesung im Täubchenthal in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Viele Wege führen zum Buch und wenn man drei Hip-Hopper zur Autorenschaft treiben will, dann bedarf es offensichtlich einer Radio-Show. „Was wollen wissen“ läuft mittlerweile in der fünften Staffel auf dem norddeutschen Radiosender N-Joy. Darin beantworten die drei Musiker von Fettes Brot unter der Moderation von Anne Raddatz Hörerfragen, wobei die Antworten, so sagen sie selber, nicht unbedingt die richtigsten, aber dafür die besten sind. Nicht umsonst heißt der Untertitel „Ratschläge aus der Wortspielhölle“.

In diese entführten König Boris, Doktor Renz und Björn Beton am Freitagabend das Leipziger Publikum im Rahmen ihrer ausverkauften Leseperformance im Täuchenthal. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein: „Eine Band sind wir schon lange nicht mehr. Wir sind Autoren.“ Durch das Programm führte selbstredend Radiomoderatorin Raddatz, die gegenüber den drei Klassenclowns die schlagfertige Lehrerin gab – sehr zu Unterhaltung des angereisten Buchmessepublikums. Da hatte sie dann auch jede Menge zu tun, die drei auf Linie zu bringen. Schon das Suchen der Seitenzahlen war bisweilen problematisch und da trägt Raddatz dann ihr Herz auf der Zunge: „Das ist keine Probe, das ist live.“

Hoher Unterhaltungsfaktor

Dass die selbst ernannten Untenrum-Experten denn auch vor allem in diesen Bereich abdrifteten – geschenkt. Dem Unterhaltungsfaktor war es auf jeden Fall dienlich. Das Publikum musste auch selbst aktiv werden und nicht nur beim Schnapstrinken, sondern es konnte – analog zum Radioformat – auch live eigene Fragen stellen.

So erkundigte sich ein Dominique aus Schweinfurt, wann die Fetten Brote ihr abgesagtes Konzert dort nachzuholen gedenken. Er hatte sie 1993 gebucht, aber die Jungs hätten mit dem Argument, dass sie nicht noch mehr Schuleschwänzen dürften abgesagt. Er würde das gerne zu den Konditionen von damals nachholen. Zwar konnte man sich spontan weder auf Termin noch Gage einigen, aber immerhin führte der Ausfall von damals dazu, dass schlussendlich alle ihren Schulabschluss in der Tasche hätten.

Lieber Schleim als Laufvogel

Auch sonst musste das Publikum mitarbeiten: Eine der gedruckten Fragerunden wurde von drei Besuchern in verteilten Rollen gelesen, was leidlich schief ging und die drei Hip-Hopper dazu animierte, sich gegenseitig anzuflaumen. Das Publikum sollte sich zudem in einigen Gegenfragen unter anderem dazu verhalten, ob es lieber ein Jahr mit einem Strauß oder dem Slimer aus Ghostbusters zusammenleben wollte. Die Mehrheit war für Schleim statt Laufvogel.

Auf welchem hohen Niveau ihre Fragerunden im Radio stattfinden, zeigt die spontane Beantwortung von Fragen aus einem Internetfrageportal. Außerdem bot Björn Beton einen Schnellkurs im lässigen Balztanz mit Tieranleihen und hopste so als Huhn oder Ente über die Bühne. Doch natürlich wäre so ein Abend nicht vollständig, wenn die drei Musikpoeten nicht auch ein wenig musikalisch zum Mikrofon greifen und so performten sie auch gleich drei Songs aus ihrem neuen Album „Lovestory“, das im Mai erscheinen wird, darunter sogar eine Deutschlandpremiere, denn bei den vorangegangenen Terminen der Lesreihe, gab es jeweils nur zwei Kostproben der neuen Platte zu hören. Musikalisch bleiben sich die drei dabei ihrer Kombination aus poppigen Hip-Hop mit witzigen Texten treu. Ein unterhaltsamer Abend. Und wer es verpasst hat, die Tourtermine für Herbst stehen bereits fest.

Am 4. November kehren Fettes Brot für ein Konzert nach Leipzig zurück – dann im Haus Auensee. Karten für 45,05 Euro in der Ticketgalerie im LVZ-Foyer sowie in Barthels Hof, in den der LVZ-Geschäftsstellen, unter 0800 2181050 und www.ticketgalerie.de

Von Torben Ibs

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